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Gutachten: Tiefer liegendes Grabensystem verschlimmert Situation : Kreiener See verliert Wasser

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Die seit Jahren stark zunehmende Verkrautung des Kreiener Sees veranlasste die Gemeinde, ein 16000 Euro teures Gutachten erarbeiten zu lassen, das Möglichkeiten aufzeigen soll, die Situation zu ändern.

svz.de von
erstellt am 04.Mär.2011 | 08:25 Uhr

kreien | Die seit Jahren stark zunehmende Verkrautung des etwa 700 Meter langen und rund 200 Meter breiten Kreiener Sees veranlasste die Gemeinde, ein 16 000 Euro teures Gutachten erarbeiten zu lassen (die Hälfte der Kosten decken Fördermittel ab), das Auskunft über den Ist-Zustand geben und Möglichkeiten aufzeigen soll, die Situation zu ändern. Auf einer Einwohnerversammlung am Mittwochabend - die erste Information vor weiteren Beratungen - präsentierte das beauftragte Institut für ökologische Forschung und Planung seine Untersuchungsergebnisse.

Hervorragende Wasserqualität

"Die Sichttiefe ist gut, es gibt viele Pflanzen im See und die Wasserqualität ist hervorragend", sagte Hydrologin Miriam Schröter. Das Hauptproblem bestehe darin, dass der See an einigen Stellen in das umliegende, bis zu einigen Metern tiefer gelegene Grabensystem durchbreche und wegen dieses Gefälles ständig Wasser verliere. Durch die über Jahrzehnte vorangetriebene Entwässerung sei zum Beispiel der an mehreren Stellen in Ufernähe befindliche Moorboden um rund einen halben Meter zusammengesackt. Deshalb und wegen der bis 2050 um schätzungsweise gut zwei Grad ansteigenden Außentemperatur könnte der eh relativ flache See (Maximaltiefe jetzt rund drei Meter) auf Dauer so viel Wasser verlieren, dass an seiner schmalsten Stelle der Grund zur Oberfläche wird.

Eine Lösung bestehe darin, die in den 80-er Jahren auf einer Seite verlegte Rohrleitung zu schließen und den natürlichen Altlauf zu nutzen, so dass zum Beispiel auch das Moor wieder durchnässt wird und sich dadurch hebt. Sowohl genannte Leitung als auch das Wehr würden überflüssig, was Unterhaltungskosten spart. Nachteil: Einige landwirtschaftliche Flächen könnte man nicht mehr wie bisher nutzen und die Kosten (auch durch Abbruch des Wehres verursacht) lägen mit schätzungsweise 500 000 Euro ziemlich hoch. Allerdings wäre diese Variante im Gegensatz zur zweiten, technisch ausgerichteten, mit Umweltschutz kaum zu vereinbarenden Lösung, die Wasserdurchbrüche zum Beispiel durch das Einrammen von Spundwänden zu verhindern, in Teilen bis zu 80 Prozent förderfähig (der Wehr-Abbruch etwa) und somit zu empfehlen.

Angst vor Aufwirbelung von Nährstoffen

Die Hydrologen raten darüber hinaus, den See nur im Bereich der Badestelle zu entkrauten und zu entschlammen, weil vor allem eine großflächige, zudem nicht förderfähige Entschlammung zusammen mit dem Boden viele Nährstoffe aufwirbele und man nicht sagen könne, wie sich dies auf das ökologische Gleichgewicht und damit auch auf die jetzt noch gute Wasserqualität auswirken würde. Der schon vorgeschlagene Einsatz von Graskarpfen gegen Verkrautung sei keine langfristige Lösung und in mehreren Bundesländern bereits verboten, weil sie einheimische Fische verdrängen und durch hohen Nährstoffeintrag das Algenwachstum verstärken.

"Das Schlammproblem wird bleiben. Dieser See ist der natürlichen Verlandung unterworfen", sagte Eckhard Riemann vom Wasser- und Bodenverband Dobbertin. "Das Allerhöchste ist, den jetzigen Zustand zu halten." In der Tat sei der Nährstoffeintrag von außen ("Früher gab es eine Abwasserleitung aus dem Dorf, die zum Himmel stank") erheblich gesunken. Die dadurch bedingte Aufklarung bewirke jedoch, dass die Sonne jetzt bis auf den Boden scheine und Wasserpflanzen sprießen lasse, was auch mehr Wasser verbrauche. Beim Warten auf Verbesserung sei Geduld gefragt.


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