zur Navigation springen
Lokales

21. Oktober 2017 | 03:11 Uhr

Kreativität am Grab

vom

svz.de von
erstellt am 10.Sep.2010 | 06:40 Uhr

Wittenberge | Wenn er nur so könnte, wie er wollte. Dann gäbe es mehr Abwechslung vor allem auf dem Friedhof in Wittenberge, dann wäre den ewig gleichen Reihen von Tulpen, Stiefmütterchen und Geranien der Garaus gemacht. Zumindest dort, wo der Inhaber der Friedhofsgärtnerei Neumann GbR Einfluss nehmen kann, bei Gräbern nämlich, die geregelt über einen Jahresvertrag oder die Dauergrabpflege von Mitarbeitern seiner Gärtnerei im Düsterweg gestaltet werden.

Aber hier schon gehts los: "Der Bedarf an Dauergrabpflege steigt zwar, aber die finanziellen Schranken sind doch sehr groß." Die Urne hat Konjunktur und auch das anonyme Bestatten. Der Grabpfleger und seine Ideen bleiben da schon mal auf der Strecke. Schade sei das, denn die moderne Grabgestaltung biete so vieles.

Auf der Bundesgartenschau in Schwerin wenigstens konnte Neumann sich an einem Schaugrab so richtig austoben. "Die neuen Gräber werden modelliert, nicht gestaltet." Grabstein, Umfassung und Bepflanzung sollen eine Einheit ergeben. Die Blumen nehmen den Schwung des Steines mit auf, sind nicht alle gleich hoch, "sondern eine kleine Landschaft".

Jens Neumann ist verwöhnt von Düsseldorf, wo er fünf Jahre "auf dem schönsten Friedhof Deutschlands" als Friedhofsgärtner arbeitete. "Da wollten die Leute immer alles schick." Auch hier aber habe Neumann schon einige Kunden von seinen Ideen überzeugen können. "Manche sagen, Herr Neumann, ich dachte, sie wissen nicht, was sie tun", und dann sei am Ende die Bewunderung doch groß.

Herr Neumann nämlich wisse sehr wohl, was er tut. Er mache sich auch Gedanken über den Menschen, dessen Grab er pflegt. Was war das für einer? Woran ist er wohl so früh gestorben? "Grabpflege hat sehr viel mit Verantwortung zu tun", sagt Neumann, der in der Saison mit weiteren drei Mitarbeitern Gräber pflegt.

Die Angehörigen wollen ein sauberes Grab vorfinden, wenn sie auf den Friedhof gehen. Die Angehörigen und auch die Mitarbeiter von der Genossenschaft badischer Friedhofsgärtner. Sie nämlich treten auf den Plan bei einer Dauergrabpflege, kontrollieren, ob alles im Sinne des Verstorbenen ausgeführt wird. Von ihnen erhält Neumann das Geld, das vorher von Angehörigen oder zu seinen Lebzeiten vom Verstorbenen selbst auf ein Konto eingezahlt wurde.

"Die Genossenschaft passt auf, dass kein Schindluder getrieben wird und sie kümmert sich auch um einen neuen Grabpfleger, falls eine Gärtnerei in Insolvenz geht." Alles abgesichert also, "die Dauergrabpflege ist eine wirklich tolle Sache", wird Jens Neumann nicht müde zu betonen. Und doch weiß er, dass Wittenberge nicht Düsseldorf ist.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen