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Lokales

15. Dezember 2017 | 19:09 Uhr

Krawall-Fans: Polizei sucht Strategien

vom

svz.de von
erstellt am 06.Mai.2010 | 11:17 Uhr

Steintor-vorstadt | Die Heimbilanz der aktuellen Saison des Fußball-Zweitligisten FC Hansa Rostock aus Polizeisicht: 43 verletzte Beamte, bis zu 100 000 Euro teure Einsätze, knapp 61 000 Arbeitsstunden und ein stark belastetes Verhältnis zu einzelnen Fangruppen. "Trotz unserer Anstrengungen kann die Polizei allein dieses Problem nicht lösen", sagt Thomas Laum, Leiter der Polizeidirektion Rostock.

Deshalb veranstaltete er gestern eine Tagung unter dem Titel "Lasst den Fußball wieder Fußball sein". Zu Gast im Kinosaal des Reviers in der Blücherstraße waren Vertreter verschiedener Polizeibehörden, des Vereins Hansa Rostock, des kommunalen Fanprojekts, der Wissenschaft, Stadt, Justiz, Wirtschaft und der Medien. Sie alle suchten neue Strategien zur Gewaltprävention. Dabei außen vor: die Hansa-Anhänger selbst.

"Kommunikation setzt die Bereitschaft dazu voraus", sagt Nico Stroech, Leiter des kommunalen Fanprojekts Rostock. Verschiedene Anhänger hätten sich bei ihm über ihre Nichteinladung beschwert. Allerdings beobachte er zwei bedenkliche Entwicklungen: einen Prozess der Dehumanisierung sowie die Annahme der Opferrolle durch die Ultras, um eigene Straftaten zu rechtfertigen. Der Gegenüber werde dabei nicht mehr als Mensch wahrgenommen.

"Aggressivität und Gewalt gegen gegnerische Anhänger und Polizisten verschärfen sich", sagt auch Laum. Das sei ein bundesweites Phänomen, in der Hansestadt aber besonders ausgeprägt. Bei den Heimspielen bekommt die Polizei es mit rund 450 Krawall-Fans zu tun. Bis zu 800 weitere sind bereit, sich im Konfliktfall mit ihnen zu solidarisieren. Das Resultat: Gegen Hansa-Anhänger bestehen derzeit 111 bundesweite Stadionverbote, die zwischen einem und vier Jahren andauern. Sie wurden vom DFB oder dem Verein ausgesprochen. Dennoch kritisieren Polizei und Politik fehlendes Durchsetzungsvermögen der Hansa-Führung.

"Mir fehlt hin und wieder die nötige Distanzierung zur Gewalt", sagt Innenminister Lorenz Caffier (CDU). Zudem seien den Ultras wegen ihres Stimmungsboykotts Zugeständnisse gemacht worden, kritisiert Peter Mainka, Leiter der Polizeiinspektion Rostock. Unter anderem habe Sicherheitschef Jörg Hübner nach individuellen Gesprächen der Vereinsführung mit den Fans das Handtuch geschmissen. "Das gab der Ultra-Szene Aufwind", sagt Mainka. Sein langfristiges Ziel besteht darin, den Nachwuchs der Ultras abzufangen.

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