Krank in den Kindergarten?

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30. November 2009, 08:53 Uhr

Schwerin | Für Kitas ist der Winter Hochrisiko-Zeit - schwere Erkältungen, Grippe oder Durchfall können ganze Gruppen und sogar Einrichtungen lahm legen. Die Kita gGmbH hat deshalb in ihre n Allgemeinen Geschäftsbedingungen eine, wie sie findet, gute Vorsorge-Regelung getroffen: Kinder mit einer anste ckenden Erkrankung dürfen erst wieder in den Kindergarten, wenn ihre Eltern eine Gesundschreibung vom Arzt vorlegen. Jetzt weigern sich allerdings einige Kinderärzte, diese Bescheinigung kostenlos auszustellen. Nach ärztlicher Gebührenordnung seien sie verpflichtet, diese Leistung mit 30 Euro in Rechnung zu stellen, da es sich nicht um eine Kassenleistung handele.

"Dass viele Eltern das nicht zahlen können, wissen wir", sagt Marlies Kahl, pädagogische Geschäftsführerin der Kita gGmbH, die immerhin rund 2500 Kinder in 20 Einrichtungen betreut und daher auf das Eindämmen von Infektionen großen Wert legt. Sie weiß allerdings auch, dass kein Rechtsanspruch auf eine kostenlose Gesundschreibung besteht. Das Infektionsschutzgesetz schreibt bei Erkrankungen, wie Scharlach, Windpocken, Masern, Mumps, Röteln oder Salmonellen, zwar vor, dass ein Kind eine Gemeinschaftseinrichtung nicht besuchen darf, bis nach ärztlichem Urteil keine Weiterverbreitung mehr zu befürchten ist. Ein schriftliches Attest wird aber nicht explizit verlangt. Prägende Idee des Gesetzes sei die "vertrauensvolle Zusammenarbeit und Eigenverantwortung des Einzelnen", erklärt dazu das städtische Gesundheitsamt, das die Kita gGmbH in den Fall eingeschaltet hat.

"Natürlich vertrauen wir unseren Eltern", sagt Marlies Kahl. "Auf der anderen Seite ist der Druck bei vielen Berufstätigen heute so groß, dass sie ihr Kind zu früh wieder in die Einrichtung schicken, einfach weil sie sich keine weiteren Fehltage leisten können." Manchmal unterschätzten Eltern auch schlicht die Länge und Schwere einer Krankheit.

Allerdings gäbe es bei der geforderten ärztlichen Bescheinigung ebenfalls keine Sicherheit, dass das Kind wirklich gesund sei, wendet eine Schweriner Ärztin ein. "Wir sind bei unserer Arbeit auf die Mithilfe der Eltern angewiesen. Behaupten diese, das Kind habe keinen Durchfall oder kein Fieber mehr, obwohl dem nicht so ist, bekommen sie unter Umständen trotzdem eine Bescheinigung." Zudem sei die erneute Vorstellung nach überstandener Krankheit mit zusätzlicher Arbeit verbunden, die von der Versorgung akut kranker Kinder abhalte. "Die gerade gesundeten Kinder sitzen außerdem zuvor im Wartezimmer und holen sich dort vielleicht den nächsten Infekt, den sie dann in die Einrichtung tragen", so die Ärztin.

Bereits seit Gründung der gemeinnützigen Kita-Gesellschaft besteht der besagte Passus in den AGBs. In den vergangenen Jahren habe es immer mal wieder Differenzen zum Thema gegeben. Dass jetzt gleich mehrere Ärzte Kinder nicht mehr gratis kita-tauglich schreiben, sei ein Novum. "Natürlich wollen wir den Eltern nicht weitere Kosten aufbürden", betont Marlies Kahl. "Wir sind nur bemüht, das Infektionsrisiko bei uns so gering wie möglich zu halten. Zurzeit scheint es mir aber, als würde vor allem die Verantwortung hin und her geschoben. Und keiner will sie tragen."

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