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Preise auch wegen fehlender Erstklässler gestiegen : Kosten für Hortplatz in Lübz um 30 Prozent erhöht

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Kostenexplosion: Seit dem 1. April müssen Eltern für einen Ganztagsplatz im Hort der Allgemeinen Förderschule in Lübz 125,12 Euro pro Monat bezahlen. Bis zum 31. März waren es 93,74 Euro.

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erstellt am 08.Apr.2011 | 08:43 Uhr

lübz | Kostenexplosion: Seit dem 1. April müssen Eltern für einen Ganztagsplatz im Hort der Allgemeinen Förderschule - sein Träger ist der Landkreis - 125,12 Euro pro Monat bezahlen. Bis zum 31. März waren es 93,74 Euro, was somit eine Steigerung um rund 30 Prozent bedeutet. Dem ihnen vorgelegten, diese Werte enthaltenden Beschlussvorschlag haben die Lübzer Stadtvertreter auf ihrer jüngsten Sitzung zugestimmt.

"Die erhebliche Verteuerung hat mehrere Ursachen", sagt Thomas Rosenfeldt, Leiter des Bürgeramtes. "Laut Betriebserlaubnis können 85 Kinder die Einrichtung besuchen, worauf sie auch ausgerichtet ist. Aktuell - die Zahl variiert immer etwas - befinden sich jedoch weniger als 60 in ihr." Die Betriebskosten bleiben trotzdem gleich hoch, werden allerdings auf weniger Köpfe verteilt: "Das Haus muss wie vorher gesäubert werden und ich kann das Licht nicht fünf Stunden weniger eingeschaltet lassen, nur weil die Belegung geringer ist."

Für die allen Beschlüssen vorausgehenden Kostenverhandlungen, an denen auch Vertreter der Stadt Lübz als Standort der Einrichtung ("Wohnsitzgemeinde") teilnahmen, hatte der Landkreis dem Jugendamt eine Kalkulation vorgelegt. Ihrzufolge kostet ein Hortplatz jetzt insgesamt 328,40 Euro. Nach Abzug von Landes- und Kreismitteln bleibt ein Betrag von 251,12 Euro, von dem Eltern und Wohnsitz- beziehungsweise diejenige Gemeinde jeweils die Hälfte zu tragen haben, in der das betreute Kind lebt. Neben den auf weniger Köpfe verteilten Betriebskosten wirke sich Rosenfeldt zufolge negativ aus, dass ab sofort ein bisher vom Kreis als zusätzliche Stütze gezahlter, gesetzlich möglicher Anteil wegen der schwierigen Haushaltslage wegfalle.

Im Förderhort gibt es einen anderen Personalschlüssel. Dort stehe dem Amtsleiter zufolge ein Erzieher für 15 Kinder zur Verfügung, im üblichen Schulhort für 22. "Ganz richtig, finde ich, denn Kinder, die zur Förderschule gehen, sind nicht ohne Grund dort", sagt Rosenfeldt.

Weiterhin Unterscheidung im Betreuungsbereich

"Leider sind wir aber auch hier von dem Zwang bestimmt, dass alles bezahlt werden muss. Und das neue Schulgesetz verlangt volle Integration, untersagt deshalb als zentralen Punkt die Einschulung in der Förderschule. Gleichzeitig soll aber der spezielle Hort erhalten bleiben. Also vormittags Grund-, nachmittags Förderschulkind und damit doch eine Unterscheidung? Man muss klar festlegen, was man will und fragen, ob die Erhaltung der Struktur in dieser Form noch erforderlich/möglich ist."

Der von der Stadt betriebene Hort stehe für alle Kinder offen. Ungeachtet der schon früher guten Zusammenarbeit beider Häuser sei die Zahl der Anmeldungen an der Einrichtung bei der Förderschule jetzt stark zurück gegangen. Wenn Eltern ihrer seinerzeit nebenan unterrichteten Kinder das Haus nutzten, sei dies "durchaus sinnvoll" gewesen. "Verwunderlich ist es aber auch nicht, wenn wegen der jetzt verordneten gemeinsamen Einschulung so gut wie alle in die Einrichtung der Stadt gehen", so Rosenfeldt. "Wir mussten deshalb schon ihre Betriebserlaubnis verändern, was die maximale Zahl der Kinder betrifft, die dort aufgenommen werden dürfen. Dabei ist es bestimmt nicht unser Ziel, sie mit allen Mitteln zu erhöhen und dazu beizutragen, die Kosten im Förderhort zu steigern. Fakt ist einfach, dass es im Gegensatz zur Schule im Kita- und Hortbereich eine Wahlfreiheit für die Eltern gibt."

In so genannten "Diagnoseförder-klassen" (DFK) war es bisher möglich, dass Kinder die ersten beiden Schuljahre in drei absolvieren und dann erneut auf ihre Leistung hin untersucht werden. Obwohl selbst kein Pädagoge, mache Rosenfeldt keinen Hehl daraus, dass er diese Möglichkeit für den "optimalen Weg" hält: "Chancengleichheit ist gut, aber was den neu eingeschlagenen Weg angeht, bin ich - ehrlich gesagt - skeptisch. Ich lasse mich gern eines besseren belehren, wenn alles wie gedacht funktioniert und kann nur hoffen, dass das Leistungsniveau nicht sinkt, Leistungsstarke nicht gebremst und Schwächere gleichzeitig ausreichend gefördert werden."

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