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Lokales

22. November 2017 | 17:59 Uhr

Kommunen streichen Baby-Geld

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erstellt am 03.Jan.2011 | 06:53 Uhr

Schwerin | Finanzlöcher in den kommunalen Haushalten zwingen Gemeinden in MV zunehmend zur Streichung des Begrüßungsgeldes für Neugeborene. So haben die Stadtvertreter in Ueckermünde beschlossen, von diesem Jahr anstatt 500 Euro nur noch 150 Euro als Willkommensgruß für ein Baby zu zahlen. Das Zwei-Millionen-Defizit im Ueckermünder Haushalt zwinge zu Einsparungen, so die Stadtverwaltung. 14 Jahre lang wurde in der Haffstadt das Geld in Höhe von 500 Euro gezahlt.

Grevesmühlen streicht die Begrüßungsprämie von bisher 512 Euro sogar gänzlich. Eingeführt hat die Stadt die Zahlungen vor zehn Jahren, um die Kreisstadt als Wohnort attraktiver zu machen, sagt Regina Hacker von der Stadtverwaltung. Mit der Streichung erhofft sich die Kommune Einsparungen von jährlich 46 000 Euro. Im Haushalt klafft eine Finanzlücke von immerhin 1,4 Millionen Euro. Auch kleinere Gemeinden wie der 900-Seelen-Ort Baumgarten im Landkreis Güstrow setzen den Rotstift bei der Baby-Prämie an. 500 Euro zahlte die Kommune 2010 noch für ihre vier neuen Erdenbürger. Bürgermeisterin Astrid Peters bedauert die Streichung. Die Gemeinde habe keine andere Wahl. Denn 67 000 Euro fehlen im Haushalt.

Ähnlich sieht es in Kobrow bei Sternberg aus. "Weniger Zuweisungen vom Land, eine höhere Kreisumlage und sinkende Einwohnerzahlen", nennt Bürgermeister Olaf Schröder die Gründe für das Haushaltsdefizit von 45 000 Euro und die Streichung des Begrüßungsgeldes ab 2011.

Selbst vermeintlich reichere Gemeinden kürzen. Pampow im Umland von Schwerin halbierte das Babygeld bereits im vergangenen Jahr von 500 Euro auf 250 Euro. "Es heißt zwar, dass wir im Speckgürtel von Schwerin leben, aber so viel Speck gibt es hier nicht", sagt Bürgermeister Hartwig Schulz mit Bedauern.

Die großen Städte Rostock, Schwerin und Neubrandenburg haben noch nie Begrüßungsgeld für Babys gezahlt oder die Sonderprämie bereits vor Jahren eingestellt.

Doch es gibt wenige Ausnahmen: Keine Abstriche macht Stavenhagen im Landkreis Demmin. Nach wie vor gibt es für jedes Neugeborene 1000 Euro. "Wir halten daran fest, sagt Bürgermeister Bernd Mahnke. In der Reuterstadt sorgen Unternehmen wie Pfanni, Netto, oder Immergut Dauermilch für sprudelnde Gewerbesteuereinnahmen.

Die Einführung eines Landesbegrüßungsgeldes in Höhe von 500 Euro für jedes neugeborene Kind hat die Junge Union jetzt gefordert. Landesvorsitzender Marc Reinhardt: "Die Einführung ist ein Bekenntnis für ein kinderfreundliches Mecklenburg-Vorpommern."

Nikolaus Voss, Staatssekretär im Sozialministerium, bezeichnet die Forderung gegenüber unsere Redaktion als Wahlkampfgetöse. "Wenn dem Land dieses Geld von sechs bis sieben Millionen Euro zur Verfügung stände, wären wir gut beraten, damit für noch mehr Qualität in unseren Kitas zu sorgen", sagt Voss.

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