Kommunen setzen auf Wemag-Aktien

Thomas Brandt
Thomas Brandt

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08. Februar 2011, 05:41 Uhr

Prignitz | 77 Cent je Aktie erhalten die kommunalen Anteilseigner der Wemag. Eine Dividende, die Geld in die knappen Haushaltskassen spült und Interesse an einer Mitgliedschaft im Anteilseignerverband weckt. Im vergangenen Jahr hatten mehr als 200 Kommunen in Westmecklenburg und der Prignitz vom Eigentümer Vattenfall 80 Prozent der Wemag-Anteile erworben und dafür 170 Millionen Euro gezahlt.

Skepsis und Angst vor wirtschaftlichen Risiken ließen manche Gemeinden zaudern. Doch ein Jahr nach der Kommunalisierung sieht die regionale Welt anders aus: Wortmeldungen zu Risiken oder gar Verlust- und Zuschussgeschäft sind nicht zu hören. Im Gegenteil: Für die 8,3 Millionen von Vattenfall gekauften Aktien, fließen 6,4 Millionen Euro Dividende an den Verband und der beginnt mit der Tilgung des 117 Millionen Euro Kredites für den Aktienkauf.

Groß Pankows Bürgermeister Thomas Brandt gehörte von Beginn an zu den Befürworten des Modells. "Grundsätzlich geht der Trend zur Kommunalisierung und das halte ich für richtig", so Brandt als Vorstandsmitglied des Verbandes. Gemeinden sichern sich Einfluss, "wir betreiben Daseinsvorsorge".

Im Fall der Wemag spielten mehrere Gründe eine Rolle. Ein Verkauf an andere Bieter hätte den Verlust von bis zu 500 Arbeitsplätzen bedeuten können, unterstreicht Brandt und erwähnt die jährlich rund 50 Ausbildungsplätze, die auch für Prignitzer Jugendliche von Bedeutung seien. Perleberg, Plattenburg sowie Karstädt stimmten ebenfalls für den Aktienkauf.

Die Gemeinde Groß Pankow (Prignitz) besitzt 30 282 Aktien, hat durch die Dividende Einnahmen von rund 14 500 Euro. Mit der Dividende der neu erworbenen Aktien tilgt der Verband den Kaufkredit. Nach der Tilgung könnten die Kommunen über die gesamte Dividende verfügen. Brandt sieht Vorteile. "Solidarpakt und EU-Förderung fallen mittelfristig gänzlich weg, wir müssen uns überlegen, wie diese Einnahmen zu kompensieren sind." Die Wemag-Aktien seien eine Möglichkeit. "Noch können Gemeinden mit einsteigen und künftig ebenfalls von Dividenden profitieren", sagt Brandt.

Eine gesunde Entwicklung, die langfristiges Denken erfordere, urteilt auch Klaus Michael Glaser. Der Geschäftsführer des Kommunalen Anteilseignerverbandes sieht keinerlei Risiko in einer Mitgliedschaft. Er berücksichtigt dabei nicht allein die wirtschaftliche Entwicklung, denn die Finanzierung des Aktienpaketes werde weiter durch die Einnahmen aus dem zusätzlichen Aktienpaket sichergestellt. "Es gibt ausreichend Fallschirme. Kommunale Haushalte werden nicht belastet", sagt Glaser.

In jedem Fall zukunftsweisend ist aus Glasers Sicht die Chance der Kommunen, stärkeren Einfluss beim Einkauf auf Stromproduzenten und Lieferanten zu nehmen. "Bislang gab es nur eine Möglichkeit: Vattenfall", so Glaser.


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