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„Kenn Dein Limit" : Komasaufen bis der Arzt kommt?

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Der volltrunkene Patient liegt im Krankenbett, hat eine Windel um und die Spuckschale nahe am Gesicht. So sieht es aus, wenn ein Betrunkener mit Alkoholvergiftung in die Notaufnahme eingeliefert wird.

svz.de von
erstellt am 11.Nov.2011 | 12:16 Uhr

Der volltrunkene Patient liegt im Krankenbett, wird über einen Tropf versorgt, hat eine Windel um und die Spuckschale nahe am Gesicht. So sieht es aus, wenn ein Betrunkener mit Alkoholvergiftung in die Notaufnahme eingeliefert wird. In diesem Fall war es ein Übungsdummy, den die Zarrentiner Schüler bei ihrem Besuch gestern im Hagenower Kreiskrankenhaus zu sehen bekamen. Ein Großteil der 34 Schüler der Klassenstufe 8 und 9 haben bereits Erfahrungen mit dem Alkoholkonsum. Die Zarrentiner Schulsozialarbeiterin Kerstin Brillowski hatte die Gruppe nach Hagenow begleitet, wo Chefarzt Frank Mandelkow, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und leitender ärztlicher Direktor des Westmecklenburger Klinikums "Helene von Bülow" GmbH, die jungen Leute in seinem Vortrag über die Risiken des so genannten Komasaufens aufklärte. "Ich bin bereits seit mehreren Jahren unter dem Motto der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ,Kenn Dein Limit’ unterwegs und versuche unter Verwendung verschiedener Materialien über den verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol zu informieren", sagt Frank Mandelkow im Gespräch mit SVZ und betonte dabei, dass er bereits mehrere hundert Schüler mit diesem Thema erreichen konnte, und die Resonanz bei Lehrern und Schulsozialarbeitern offensichtlich gut sei.

Das Thema ist aktueller denn je. Denn nach dem Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung ist das exzessive Rauschtrinken unter Jugendlichen immer noch weit verbreitet. Das so genannte Komasaufen gehört trotz aller Warnungen vor den Risiken bei vielen Jugendlichen weiterhin zum Alltag. Mehr als 20 Prozent der Minderjährigen seien im vergangenen Jahr mindestens einmal pro Monat betrunken gewesen, erfahren die Zarrentiner Schüler. "Der Alkoholmissbrauch bleibt als Problem akut. Fast jeder zehnte Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren weist einen riskanten oder gefährlichen Alkoholkonsum auf. Auch in der Abteilung Kinder- und Jugendmedizin des Krankenhauses Hagenow sind in den letzten Jahren zahlreiche Kinder und Jugendliche mit zum Teil schwersten Alkoholvergiftungen behandelt worden. Die meisten Fälle mussten im Jahr 2006 versorgt werden, seitdem scheint die Zahl etwas rückläufig zu sein, zeigt jedoch gleichzeitig einen bedenklichen und lebensgefährlichen Trend zu immer höheren Alkoholspiegeln. Bei Kindern besteht dann akute Lebensgefahr durch Koma, Hirnschwellung und Atemstörungen", so der Spezialist.

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