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Grabower Schau(m)manufaktur will noch mehr : Kolonialwaren-Flair wird umgesetzt

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Mitten in der bunten Fachwerkstadt können Liebhaber des Süßen von Dienstag bis Sonnabend nicht nur schlemmen, naschen und staunen: Auch Selbermachen ist gefragt, denn die Schau(m)manufaktur lädt ein.

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erstellt am 15.Jul.2011 | 09:36 Uhr

Grabow | Mitten in der bunten Fachwerkstadt können Liebhaber des Süßen von Dienstag bis Sonnabend nicht nur schlemmen, naschen und staunen: Auch Selbermachen ist gefragt, denn die Schau(m)manufaktur lädt ein, das eigene Schaumküsschen zu kreieren, dann zu verspeisen oder mitzunehmen.

Für Groß und Klein, Familien, Senioren, Clubs, Vereine, Schulen, Kindergärten, Einzelreisende oder Gruppenreisen ist die Schau(m)manufaktur mittlerweile der Anlaufpunkt in der Stadt. Aus der Region für die Region und auch für Touristen bietet die Stätte in der Rudolf-Breitscheid-Str. 4a ein unvergessliches Erlebnis, viel Spaß, gepaart mit dem Wissen über die Herstellung der leckeren Schaumküsse mit dem Zipfel. Angeboten werden außer den selbst kreierten Schaumküssen regionale Spezialitäten nach fast vergessenen Rezepten. Dazu gehören Marmeladen, Kuchen, Liköre und vieles mehr. Das motivierte Team überrascht außerdem durch Themenwochen und saisonale Angebote, biete viel Abwechslung. Doch damit nicht genug.

"Wir setzen gerade ein neues Konzept um", verrät Projektkoordinatorin Laura Weist. Dazu will man noch mehr alte Rezepte ausgraben und zu neuem Leben erwecken, sagt die 22-Jährige. "Ein absoluter Selbstläufer sind unsere Kuchen im Glas, die wir immer in bis zu sechs Sorten anbieten. Jetzt kommen neue hinzu." Auf der Suche nach dem, was einst die Eldestädter kochten und backten, werden auch alteingesessene Grabower befragt oder historische Kochbücher gewälzt. "Das älteste stammt von 1868. Uns interessieren darin besonders die Kuchen und Stippen", sagt die junge Frau und meint mit letzteren vor allem Würztunken. Dann holt sie ein kleines Glas mit Rhabarber-Stippe aus dem Schrank. Darin seien neben dem bekannten Stangenobst Rosinen, Zwiebeln, Ingwer, Aprikosen, Rotweinessig, grüner Pfeffer und Curry. "Jeden Monat soll eine neue Würztunke in bestimmter Anzahl produziert werden. Wenn die alle ist, ist sie alle."

Einen Kolonialwaren-Charakter soll die Schau(m)manufaktur, perspektivisch gesehen, erhalten. Wurst, Brot und andere Lebensmittel einheimischer Produzenten sollen in naher Zukunft schon über die Theke gehen.

"Das reizt die Leute, die uns besuchen. Und das waren im letzten Jahr knapp 12 000", betont Laura Weist und freut sich über den wahnsinnig großen Zuspruch von Kindergeburtstagen. "Mittlerweile haben wir sogar Anfragen aus Hamburg, Rostock und Neubrandenburg." Neu sind auch die Schaumkusstiere wie Igel, Schwein, Schnecke und Schmetterling. Man wolle sich bewusst abheben vom naheliegenden Küsschenwerk. "Ab Herbst wollen wir mit Unterstützung der Grabower Süßwaren ein Testprogramm starten, um die Geschmäcker der Gäste noch besser befriedigen zu können."

Die Schau(m)manufaktur ist ein in jeder Hinsicht einzigartiges Projekt. Unter dem Titel "Integration durch Tradition - Grabow für alle Menschen" haben sich vier Kooperationspartner aus öffentlicher Hand, Wirtschaft und Bildung zusammengeschlossen, um jungen Menschen einen Weg in den ersten Arbeitsmarkt aufzuzeigen, von älteren Menschen mit Berufserfahrung zu lernen und auch diese auf eine Rückkehr in den ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten. Die ehemalige Gewerbeschule - ein historisches Fachwerkhaus, das sehr aufwendig von Grund auf saniert wurde - bietet neben der eigentlichen Schauwerkstatt auch ein Lehrcafé und großzügige Räumlichkeiten für Veranstaltungen bis 60 Personen. Die mit 1,2 Millionen Euro von der EU geförderte Einrichtung vermarktet somit nicht nur touristisch 175 Jahre Süßwarentradition, sondern gibt auch Arbeitslosen eine Chance. Die Süßwaren GmbH sponsert mit Rohstoffen die Manufaktur. Diese Kombination aus Tradition, Genuss und Integration ist beispielhaft dafür, wie in den ländlichen Räumen zahlreiche Ressourcen zusammengeführt werden, um als Ganzes zur Belebung der Region beizutragen.

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