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Lokales

20. Oktober 2017 | 22:02 Uhr

Kolkraben bereiten Bauern Probleme

vom

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erstellt am 31.Aug.2010 | 06:08 Uhr

Nordwestmecklenburg | Aggressive Kolkraben bereiten Landwirten im Nordwesten Probleme. Von mehreren Überfällen, bei denen die schwarz gefiederten Vögel Kälber zu Tode hacken, berichtet jetzt Thomas Hopp. In Scharen von bis zu 50 Vögeln sollen sie über die Jungtiere herfallen.

Als missliebiger Vogel erbarmungslos verfolgt, war der Kolkrabe hier zu Lande nahezu ausgerottet. Inzwischen ist seine sonore Stimme wieder häufiger zu hören. Dass der schwarze Singvogel ebenso unter Schutz steht wie Rotkehlchen und Nachtigall, stößt nicht überall auf Zustimmung. Bei Landwirten gelten die Kolkraben als gefährlich, weil sie neugeborene Kälber angreifen und so schwer verletzen, dass die kleinen Kühe sterben. In Nordwestmecklenburg darf ein Landwirt jetzt einige der auf der roten Liste der bedrohten Tierarten stehenden Kolkraben abschießen.

Aggressive Kolkraben töten Kälber von Freiland-Rindern. Es klingt wie ein Hitchcock-Krimi, ist aber blutige Realität. In Scharen von bis zu 50 Vögeln fallen sie über die wehrlosen Tiere her. Landwirt Thomas Hopp aus Klein Mulsow bei Neubukow kann es selbst nicht fassen. Er musste mit eigenen Augen zusehen, wie seine Kälbchen zu Tode gehackt wurden. "Wenn speziell junge Kühe beim Kalben auf der Weide sind, gehen die Kolkraben an die frisch geborenen Kälber, fangen an, die Augen auszuhacken, den Nabel und die Schwanzspitze anzuhacken. Das geht so weit, dass die Mutter das Kalb nicht annimmt. Die Kolkraben bearbeiten es so lange, bis es gestorben ist."

Drei tote Kälber hat Hopp bislang zu beklagen. Die Rechnung ist ganz einfach. "Ich rechne jedes Kalb, dass mir verloren geht. Das sind am Ende 1000 Euro, die weg sind." Besonders auffällig: Es sind fast immer junge Rinder, die die Kolkraben angreifen, die das allererste Mal kalben. "Die alten Kühe stehen auf, drehen sich um, lecken das Kalb ab und jagen die Kolkraben weg. Und die Jungen sind noch ein wenig geschafft von der Geburt und wenn denn 30 Kolkraben dahinten dran sind, kann es passieren, dass sie so verstört sind und das sie das Kalb dann nicht mehr annehmen", sagt Hopp.

Der Landwirt aus Mulsow ist nicht der einzige, dessen Rinder von aggressiven Kolkraben angegriffen wurden. Wenige Kilometer weiter westlich, in Glasin, hätten die schwarzen Singvögel ebenfalls Kälber getötet, erzählt Andreas Jentzen von der Landboden GmbH. "Wenn die die Jungen aufziehen müssen, dann brauchen die Unmengen an Futter. Und dann ist das Problem da. Ich hab das mit eigenen Augen gesehen. Da guckte das Kalb aus der Kuh und da saßen schon die Kolkraben hinten auf der Kuh und haben dem Kalb die Augen ausgepickt."

In diesem Jahr haben Kolkraben schon fünf Kälber zerfleischt. Deshalb hat die Landboden GmbH beantragt, die unter Schutz stehenden Vögel schießen zu dürfen - mit Erfolg. Wegen des großen Schadens hat die untere Naturschutzbehörde des Nordwestkreises eine Ausnahme gemacht, sagt Sven Dutschke: "Auf einzelnen Antrag können Kolkraben erledigt werden. Keiner möchte das sehen, wie Lämmer oder Kälber von Kolkraben zerhackt und getötet werden, aber das ist Natur. Und wir greifen in sie ein, indem wir eben Abschussgenehmigungen erteilen. Wir gehen damit aber sehr vorsichtig um."

Vier junge Kolkraben darf Jäger und Landwirt Andreas Jentzen jetzt abschießen. Für ihn nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Doch selbst diese vier Kolkraben zu schießen, ist schon schwer genug. "Man muss sich wirklich super tarnen, die sind so clever. Wenn man irgendwo in den Busch hineinkriecht, dann warten die so lange, bis ich aus dem Busch wieder rauskomme. Die können wunderbar gucken", sagt Jentzen.

Die intelligenten Rabenvögel sind nicht so leicht abzuschrecken. Den Landwirten bleibt deshalb nur die Hoffnung, dass ihre frisch geborenen Kälber möglichst schnell das Laufen lernen, damit sie ihrer Mutter und der Herde folgen können. Denn nur so können sie sich sicher vor den aggressiven Kolkraben schützen.

Ähnliche Fälle wie sie Thomas Hopp registrierte, ereigneten sich beispielsweise 2008 in der Prignitz. Bereits sechs Jahre zuvor berichteten Forscher der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie (NTNU) , dass halbstarke Raben immer häufiger in Gruppen unterwegs sind, um gefundende Kadaver gegen die erwachsene Konkurrenz zu verteidigen. Die Tiere hätten ihr Verhalten verändert, weil das Vorteile bringe, so die Forscher. Statt allein Futter zu suchen, seien nun oft bis zu 30 junge Raben in Trupps unterwegs.

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