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Lokales

22. November 2017 | 02:56 Uhr

Köstlich amüsiert mit Lilo

vom

svz.de von
erstellt am 24.Jan.2011 | 05:44 Uhr

Meyenburg | Eine der letzten Jungfrauen gab sich am Samstagabend im Schloss Meyenburg die Ehre: Lilo Wanders. "Natürlich bin ich das nur vom Tierkreiszeichen her. Danach kommt gleich Waage", stellte Travestiekünstler Ernie Reinhardt alias Lilo Wanders klar. Mehr als zwei Stunden philosophierte die Ikone über Sexualität und Liebe - sehr zum Amüsement des Publikums. Und das hatte zum Teil ziemlich weite Wege in Kauf genommen, um Lilo einmal live zu erleben, was man an zahlreichen Pkw-Kennzeichen auf dem hoffnungslos überfüllten Parkplatz ablesen konnte.

Der Saal des Schlosses platzte ebenfalls beinahe aus allen Nähten. 222 Stühle hatte das Team um Museumschefin Josefine Edle von Krepl aufgestellt. Sie waren annähernd alle besetzt. Fleißig gewirbelt hatten die "Schlossgeister" auch, um das leibliche Wohl der Besucher abzusichern. Es gab - wie immer - Schloss-Suppe, genauer gesagt: Hühnersuppe. Mit Öko-Huhn, wie Josefine von Krepl betonte. Außerdem servierte sie selbstgemachten Kartoffelsalat. Es sei der köstlichste, den sie je probiert habe, meinte Lilo Wanders. Beide lernten sich vor Jahren anlässlich einer Modenschau in einem Hamburger Hotel kennen. Lilo Wanders hatte die Moderation übernommen, Josefine Edle von Krepl die Kleider beigesteuert.

Samstag waren sie nun endlich auf der Bühne vereint, wenn auch nur für kurze Zeit. Denn die Hauptrolle spielte unbestritten Lilo Wanders - im ersten Teil des Abends in roter Robe, nach der Pause ganz in Schwarz. Und stets perfekt geschminkt. Dass sie nach eigener Aussage auf Platz 75 der "unsexiest women of the world" steht, ist da nur eine logische Konsequenz. "Da sind noch 74 vor mir - auch Angela Merkel." Jeder Satz ein Lacher. Lilo Wanders provoziert und informiert - den ganzen Abend lang, manchmal ohne Luft zu holen. Informationen über das Thema Nr. 1 - die liegen ihr ganz besonders am Herzen. Was so alles angestellt wurde an wissenschaftlichen Studien rund um Sex und Liebe - man bekommt es an einem Abend mit Lilo zu hören. Ob man will oder nicht. So zum Beispiel die Sache mit der Verliebtheit: Sie wirkt genauso wie eine Droge, ist jedoch nicht synthetisch herstellbar. Die dazu passende Lebensweisheit lässt nicht lange auf sich warten. "Wer mit Gewalt Schmetterlinge im Bauch haben will, der muss sich Raupen in den Po stecken." Überhaupt sei die romantische Liebe eine Erfindung unserer Zeit und unserer Spezies. "97 Prozent aller Säugetiere leben nicht monogam." Da haben wirs wieder … wird sich so mancher Mann und so manche Frau im Publikum gesagt haben.

Lilo Wanders balanciert in ihrem Programm "Sex ist ihr Hobby" auf einem schmalen Grat. Ist das nun noch lustig oder schon obszön? Oder liegt der Witz gerade in der Obszönität? Auf jeden Fall nimmt sie kein Blatt vor den Mund, traut sich, Dinge auszusprechen, die die Mehrheit des Publikums wohl allenfalls im stillen Kämmerlein daheim zu denken wagt. Gerade das aber scheint befreiend zu wirken. Die Stimmung in Meyenburg war ausgelassen. Das Programm lieferte Gesprächsstoff ohne Ende, in der Pause wurde eifrig diskutiert und viel gekichert - bei Ökohühnersuppe und hausgemachtem Kartoffelsalat.

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