Klettern ebnet Weg ins Leben

Im Alltag gelten sie als "Zappelphilipp" und "Träumerchen". Experten beschreiben diese im Kindesalter beginnenden Störungen mit den Buchstaben ADS oder ADHS, die für AufmerksamkeitsDefizit und HyperakivitäsSyndrom beschreiben. Zehn Betroffene im Alter von 9 bis 16 Jahren waren in dieser Woche im Lewitzcamp in Garwitz zu Gast.

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15. Oktober 2009, 09:10 Uhr

Garwitz | Die Nacht war eiskalt. Zum ersten Mal ist in diesem Herbst das Thermometer auf Null Grad Celsius gefallen. Für Tim (15) und Antony (16) aber kein Problem: Obwohl beide im Zelt übernachtet haben, sind sie topp fit in den Tag gestartet und können es nun kaum erwarten, dass es endlich richtig losgeht. Zusammen mit acht Altersgenossen zwischen 9 und 16 Jahren wollen sie es an diesem Vormittag ihren Betreuern beweisen, was sie drauf haben.

Doch zunächst verschafft sich Mario Gurtler, Inhaber des Lewitzcampes vis-a-vis der Garwitzer Schleuse, bei den Heranwachsenden Gehör. Er ist für fünf Tage Gastgeber der Kinder- und Jugendlichen, die mit drei Betreuern aus Thielbeer in Sachsen-Anhalt nach Mecklenburg gekommen sind.

Grenzerfahrungen im Team erlebenMario Gurtler, der seit fünf Jahren das Lewitzcamp betreibt und als gelernter Forstwirt auch schwierige Baumpflegearbeiten als Kletterspezialist erledigt, will den zehn Jungen ein ganz besonderes Ferienerlebnis bieten. Auf einer Strickleiter werden sie hinauf in den Gipfel von rund 80 Jahren alten Kiefern steigen und sich in zehn Meter Höhe auf einem Seil von einem Baum zum anderen balancieren. Zunächst wird die bergsteigerähnliche Ausrüstung angelegt und wichtige Hinweise zur Sicherheit gegeben. Gurtler schwört die Jungs auf Teamgeist ein.

Kevin kann es kaum noch erwarten. Der schmächtige Blondschopf, der an diesem Tag seinen 13. Geburtstag feiert, wird als erster zusammen mit dem 15-jährigen Tim in den Baumgipfel klettern und ist sichtlich aufgeregt. Mutig und entschlossen nehmen beide das Vorhaben in Angriff. Jeweils vier ihrer Schulkameraden sichern sie mit Seilen am Boden . Minuten später ist das Ziel erreicht. Der Jubel ist groß. "Solche Erlebnisse brauchen die Jungs. Sie kommen an ihre Grenzen und bekommen dafür auch die erhoffte Aufmerksamkeit", sagt Andreas Mühl, der als Diplom-Sozialpädagoge die Einrichtung der JuLe GmbH in Tielbeer in Sachsen-Anhalt leitet. Sie bietet Heranwachsenden ein vorübergehendes Zuhause, die es bislang nicht geschafft haben, ihre alltäglichen Lebensanforderungen ohne Hilfe zu meistern. Die Kinder haben vor allem Aufmerksamkeitsschwächen und fallen durch impulsives Verhalten und Hyperaktivität auf.

Lewitzcamp idealer Platz für ErlebnispädagogikSo wie in diesen Herbstferientagen zieht es die Tielbeerer mehrmals im Jahr hinaus ins Land. "Bei Mario Gurtler am Elde ufer in Garwitz haben wir für unser Konzept einen idealen Platz gefunden", meint Karsten Thiede der als Erzieher für den Bereich Erlebnispädagogik und Sport verantwortlich ist. Der kleine Kletterpark, der in diesem Sommer eingeweiht wurde, bietet dafür beste Voraussetzungen. Und Mario Gurtler hat seinen Gästen viele Abenteuer zu bieten. Nach Paddel- und Klettertour ging es für die Jungs aus am gleichen Tag auf Nachtwanderung.

Für Kevin war es einer seiner schönsten Geburtstage. "Ich freue mich schon aufs nächste Mal", so der Junge begeistert.

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