Kleine Horrorshow im E-Werk

Hauptdarsteller aus  'A Clockwork Orange' Hagen Ritschel (M.) Jure
Hauptdarsteller aus "A Clockwork Orange" Hagen Ritschel (M.) Jure

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19. Februar 2010, 10:15 Uhr

Wer kennt ihn nicht, den legendären Film "A Clockwork Orange" von Kultregisseur Stanley Kubrick? Vorlage für den Film war das gleichnamige Buch von Anthony Burgess: Alex, Anführer der Droogs (eine Jugendgang), fristet seine jungen Jahre damit, seine Mitmenschen zusammenzuschlagen oder zu vergewaltigen. Allerdings kommt es in der Gruppe zu Unstimmigkeiten und Alex wird von den Droogs an die Polizei verraten, als eines seiner Opfer stirbt. Der Anführer wird zu 14 Jahren Haft verurteilt. Die Regierung wählt Alex für ein Experiment aus: Er wird einer grausamen Therapie unterzogen. Sobald Alex nur an Gewalt denkt, wird ihm schlecht. Nach 14 Tagen gilt er als geheilt und wird entlassen. Doch der Alltag wird zu einem Alptraum für Alex.

Brutal, grausam, anstößig - diese Ausdrücke verbindet man automatisch mit der Story. So geht es auch im neuen Theaterstück "A Clockwork Orange" im E-Werk zu, das am 11. Februar Premiere feierte. Junge Redaktion sprach mit Hauptdarsteller Hagen Ritschel über seinen Beruf und "A Clockwork Orange".

Wie kamst du nach Schwerin?

Hagen Ritschel: Mit dem Auto... Nein, also ich habe in Graz an einer Schauspielschule studiert und danach Hunderte von Bewerbungen abgeschickt. Im August 2006 folgte mein erstes Vorsprechen mit Peter Dehler und wir handelten den Vertrag aus. Seitdem bin ich Ensemblemitglied des Staatstheaters Schwerin.

War Schauspieler schon als Kind dein Traumberuf?

Eigentlich schon. Als kleiner Junge habe ich immer Gedichte oder Bücher auswendig gelernt und im Kindergarten dann so getan, als könnte ich lesen. Oder in der Grundschule habe ich auch öfters Lehrer nachgeahmt. Das hat mir damals schon sehr viel Spaß gemacht. Aber auf die Idee, Schauspieler zu werden, brachte mich unser Klavierstimmer. Nach dem Abitur habe ich aber erst ein Zahnmedizinstudium angefangen. Allerdings stellte ich fest, dass es nichts für mich war und bin mit 23 Jahren doch noch an eine Schauspielschule gegangen.

Was liebst du an deinem Beruf so besonders?

Auf der Bühne kann man einfach Dinge ausleben, für die man im Alltag in der Psychiatrie landen würden. Außerdem ist es spannend, die Reaktionen des Publikums zu beobachten. Jede Vorstellung ist anders. Und dann gibt es solche Augenblicke auf der Bühne, wo einfach alles stimmt und man taucht komplett ein ins Spiel.

Gibt es auch Nachteile?

Ja, leider sind die Arbeitszeiten etwas unsozial. Wir müssen jeden Abend auf der Bühne stehen, wo andere Menschen schon längst Feierabend haben. Das macht es auch verdammt schwierig, soziale Kontakte außerhalb des Theaters zu knüpfen. Wenn man seine Freunde nicht im Theater hat, ist man eigentlich aufgeschmissen. Und das Gehalt ist manchmal auch etwas knapp. Der magische Moment auf der Bühne macht aber einiges wett.

Du hast schon in unzähligen Inszenierungen mitgewirkt. Gibt es eine Lieblingsrolle?

Ja, "Werther" hat mir am meisten Spaß gemacht. Zu dritt hat dieses Schauspiel am besten funktioniert, da hat einfach alles gestimmt.

Gibt es noch eine ganz bestimmte Rolle, die du spielen willst?

In 30 Jahren vielleicht den Faust. Oder sogar Mephisto, der wäre auch toll.

Siehst du einen großen Unterschied zwischen dem, was du auf der Schauspielschule gelernt hast und dem, was du auf der Bühne umsetzt?

Ja, auf jeden Fall, es ist ein großer Unterschied. Auf der Schauspielschule hat man das Handwerk zum Schauspielern gelernt, war selber kaum gefragt. Am Theater dagegen kann man richtig Theaterspielen und ist gefragt.

Bei welchen aktuellen Inszenierungen wirkst du derzeit mit?

In "A Clockwork Orange", "Die Orestie", "Jugend ohne Gott", "Schwarzes Tier Traurigkeit" und "Spieltrieb".

Bei Clockwork Orange spielst du die Hauptrolle. Wie ist es, eine solch aggressive Figur zu spielen?

Es ist schon anstrengend. Aggressionen raus zu lassen, ist aber auch befreiend.

Wie hast du dich allgemein mit diesem gewaltbetonten Stück auseinandergesetzt?

Ich habe das Buch gelesen und den Film dazu gesehen. Beeindruckend ist, dass einem das Stück immer wieder im Alltag begegnet. Dieses Gefühl wollen wir auch dem Publikum vermitteln, indem wir versuchen Bilder und Gefühle zu finden, die das Publikum in seiner Fantasie anregt.

Hattest du Schwierigkeiten, diesen ungewöhnlichen Jugendslang (Nastad) zu lernen?

Eigentlich nicht. Ich hatte Russisch von der 5. bis zur 10. Klasse. Aber die Jugendsprache muss man sowieso auf ein anderes Podest stellen, denn mit dieser Sprache muss einfach anders umgegangen werden. Schließlich hieß zu meiner Zeit in der Clique eine Zigarette beispielsweise auch nicht Zigarette.

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