Klaus Kantor bohrt (fast) nicht mehr

Dr. Klaus Kantor (l.) übergibt an seinen Nachfolger Stefan Wolf. Barbara Haak
Dr. Klaus Kantor (l.) übergibt an seinen Nachfolger Stefan Wolf. Barbara Haak

svz.de von
04. Januar 2010, 08:57 Uhr

Wittenberge | Nach 42 Jahren im Beruf hat Dr. Klaus Kantor den Bohrer an den sprichwörtlichen Nagel gehängt. Zu sagen, der bekannte Wittenberger Zahnarzt bohrt nicht mehr, ist aber auch nicht ganz richtig. Denn so ganz kann Kantor sich nicht von seinem Beruf trennen. Dienstags nachmittags wird er Bohrer, Zange und all die anderen Instrumentarien, deren Anblick den Patienten meist schon den Schweißt auf die Stirn treibt, noch in den Händen halten. Dann vertritt Kantor seinen jahrelangen Partner und jetzt alleinigen Betreiber der Gemeinschaftspraxis in der Parkstraße, Stefan Wolf. Die Praxis in der Parkstraße mit allem technischen Drumherum ist für zwei praktizierende Ärzte ausgelegt. "Es ist schwer, einen Nachfolger zu finden, der sich hier in der Region auf Dauer niederlassen möchte", kommentiert Kantor.

Ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Er erinnert sich, wie er 1967 mit seiner Familie nach Wittenberge gekommen ist. "Kaum zu glauben, damals musste man noch eine Zuzugsgenehmigung für die Stadt haben."

Kantor und seine Frau Renate sind keine gebürtigen Elbestädter. Nach Wittenberge ist Dr. Kantor gekommen, um hier nach dem Studium seine fünfjährige Facharztausbildung zu absolvieren, die den Gesichtskreis und das Wissen eines jungen Arztes sehr erweitert hätte, sagt Kantor rückblickend. Voller Anerkennung spricht er von Dr. Pötter und Dr. Gerda von Hodenberg, ihrer Energie, mit der sie das Gesundheitswesen in Wittenberge aufgebaut haben.

Den Facharzt in der Tasche, habe es für ihn 1972 keine Chancen gegeben, in der Fachabteilung der Poliklinik aufzusteigen. Dafür gab es politische Gründe, sagt Dr. Kantor, der schon immer mit seinem kritischen und unbequemen Geist auffiel. Da kam die Chance, im Betriebsambulatorium der Zellstoff- und Zellwollewerke die Praxis zu übernehmen, gerade recht. "Das war zu DDR-Zeiten Spitzenklasse. Wenn man Technik oder Ausrüstung benötigte, hat man sie auch bekommen, man musste es nur ordentlich begründen." Dr. Kantor macht keinen Hehl daraus, er war dort gerne tätig.

Mit der Wende kam im wahrsten Sinne des Wortes auch die Wende für Dr. Kantor. Vom angestellten Zahnarzt ging es in die freie Niederlassung. "Mir war sofort klar, dass unter den sich verändernden Verhältnissen das Ambulatorium keinen Bestand haben würde." Klaus Kantor ergriff quasi die Flucht nach vorn, lobt noch heute ZZWW-Betriebsdirektor Jürgen Giese. Der habe ihm 1990 alle für eine Praxis in Frage kommenden Betriebsimmobilien auflisten lassen. In dem mittlerweile abgerissenen ZZWW-Wohnblock im Gehrenweg baute sich der Zahnarzt "mit der tatkräftigen Unterstützung meiner Frau und meiner drei Söhne" seine erste eigene Praxis auf und aus.

Damit allein war der agile Mann augenscheinlich noch nicht ausgelastet. Denn anders lässt es sich kaum erklären, dass er als Einzelkandidat und später dann für die SPD erst in die Stadtverordnetenversammlung von Wittenberge und später dann auch noch in den Kreistag zog. Klaus Kantor ist ein Mann mit Prinzipien, als sich die Seinen mit denen der Sozialdemokraten im Kreistag nicht mehr deckten, verließ er Fraktion und Partei.

Klaus Kantor ist auch ein Mann mit Durchsetzungsvermögen: Als Stadtverordneter hat er mit allen zu Gebot stehenden Mitteln dafür gerungen, dass Wittenberge eigene Stadtwerke gründet und nicht auf das Prignitzer Versorgungsunternehmen PVU setzt. "Wir haben im Sinne der Stadt eine sehr gute Entscheidung getroffen", ist Dr. Kantor noch heute sicher.

Klaus Kantor ist auch ein mutiger Mann. Denn Mut gehört schon dazu, wenn man sich als 57-Jähriger - das war 1998 - kurzfristig entschließt, ein Haus zu bauen, in dem man eine eigene hochmoderne Gemeinschaftspraxis unterbringen kann. Kantor sagt, er konnte wie immer auf die Tatkraft seiner Gattin und die seiner Söhne setzen. "Alles musste sehr schnell gehen. Es gab steuerliche Anreize, wenn man bis zum Jahresende fertig war." Kantors haben es geschafft. 2004 stieg in die Praxis Zahnarzt Stefan Wolf mit ein. Er übergebe gern den Staffelstab, sagt Dr. Kantor. "Denn schließlich bin ich mit meinen 68 Jahren ja schon eine ganze Weile Rentner." Dann lächelt er und fügt an: "Ein Jahr länger hätte ich es auch noch ausgehalten."

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