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Nahverkehr Schwerin : Klatt soll Chef des Nahverkehrs bleiben

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

OB schlägt Stadtvertretern vor, den Geschäftsführer-Vertrag zu verlängern, nachdem Prüfer den Vorwurf der Vetternwirtschaft nicht bestätigten

Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow will die seit Oktober öffentlich geführte Diskussion um den Chef des kommunalen Nahverkehrs beenden und heute der Stadtvertretung vorschlagen, den bis Oktober laufenden Geschäftsführervertrag zu verlängern. Grundlage dafür ist der jetzt vorliegende Bericht der Wikom Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die im Auftrag der Landeshauptstadt die Vorwürfe der sogenannten Vetternwirtschaft im Nahverkehr und möglicher Verstöße gegen eine ordentliche Unternehmensführung unter die Lupe genommen hat. „Der Vorwurf der Vetternwirtschaft ist juristisch nicht haltbar“, sagte Rechtsanwalt Turgut Pencereci, der gemeinsam mit den Prüfern der Wikom die Untersuchung geleitet hatte.

Das war passiert: Im Oktober vergangenen Jahres sollte Norbert Klatts Geschäftsführervertrag vorzeitig verlängert werden. Dafür war eine Zustimmung des Aufsichtsrates des Nahverkehrs und der Stadtwerke, dem Gesellschafter des kommunalen Verkehrsbetriebes, notwendig. Doch genau an dem Tag waren Vorwürfe gegen Klatt laut geworden, der das Unternehmen seit 1995 führt. Heute sind auch seine Frau, seine Tochter, sein Schwiegersohn und sein Sohn beim Nahverkehr beschäftigt – zum Teil in leitender Funktion. Von „Vetternwirtschaft“ war schnell die Rede, selbst von finanzieller Bevorteilung der Familienangehörigen. Denn Klatt soll bei der innerbetrieblichen Karriere seiner Familie kräftig mitgeholfen haben, lautete der Vorwurf.


Prüfer: Geschäftsführer kam Informationspflicht nicht nach


Es folgten öffentliche Anschuldigungen, von unzufriedener Belegschaft war die Rede, von einem gegen einen diktatorischen Führungsstil ankämpfenden Nahverkehrs-Betriebsrat. Auf einer Belegschaftsversammlung, an der etwa ein Drittel der Beschäftigten teilnahm, waren Ende November weitere Vorwürfe laut geworden, die weit über das Beschäftigen von Familienangehörigen hinaus ging. Das hatte auch Oberbürgermeisterin Gramkow gehört, die an der vom Betriebsrat einberufenen Versammlung teilgenommen hatte. Klatt selbst war dem öffentlichen Druck da schon nicht mehr gewachsen. Er war krank.

Heute wird er wieder die Unternehmensführung übernehmen. Eine „Gelbe Karte“ hat ihm Gramkow dennoch gezeigt. Denn der Prüfbericht hätte auch gezeigt, dass es mit Klatts Informationspolitik nicht zum Besten stand. Er habe „seine umfassenden Informationspflichten gegenüber dem Aufsichtsrat und den Gesellschaftern verletzt“, sagte Gramkow. Alle anderen Vorwürfe – auch die aus der Betriebsversammlung oder des Betriebsrates – „blieben immer im Vagen, Belege wurden nicht geliefert“, heißt es im Prüfbericht der Wikom.

Gramkow will jetzt der Stadtvertretung nicht nur empfehlen, Norbert Klatt erneut als Geschäftsführer zu bestellen. Sie wird auch vorschlagen, durch externe Ausschreibung einen zweiten Geschäftsführer zu finden, der hauptsächlich das Personalmanagement übernimmt. Als Interimslösung wird eine Geschäftsführerin aus dem Stadtwerke-Verbund diese Aufgabe wahrnehmen. Außerdem soll in den Aufsichtsrat des Nahverkehrs ein Arbeitnehmer-Vertreter berufen werden. Darüber hinaus regt Gramkow auf Empfehlung der Wikom Mediationsgespräche zwischen Klatt und dem Betriebsratsvorsitzenden an. Für alle Mitarbeiter städtischer Unternehmen wird zudem eine interne Beschwerde-Hotline eingerichtet. So soll flexibel und schnell auf Probleme reagiert werden.

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erstellt am 08.Jan.2014 | 20:31 Uhr

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