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Lokales

25. September 2017 | 01:09 Uhr

Klar Schiff auf der MS "Volkstheater"

vom

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erstellt am 10.Jun.2010 | 08:20 Uhr

Kröpeliner-Tor-Vorstadt | "Klettre ruhig noch weiter nach oben, Michael", ruft Mirko Bott. "Die Zuschauer in den ersten Reihen können dich sonst nicht sehen." Noch ein paar Stufen mehr erklimmt Bariton Michael Scarcelle singend. Auf der Vorbühne hat sich die gesamte Stimmgewalt des Opernchors versammelt. Bott, der Regisseur, hat sie ganz genau ausgerichtet. "Jeder merkt sich, wie er stehen muss. So ist es perfekt." Es ist das erste Mal, dass die Sänger und Tänzer in der Halle 207 proben. Zunächst gilt es, die Bühne kennenzulernen. "Ihr müsst den ganzen Raum nutzen. Bewegt euch mehr", fordert Chefchoreograf Bronislav Roznos von seinen Tänzern. In weiten Schritten geht es über die Bretter, die aussehen, als hätten hier noch vor wenigen Tagen Werftarbeiter geschweißt und gehämmert. Alles optische Täuschung, für die Bühnenbildnerin Andrea Eisensee verantwortlich ist.

Motto-Show mit Klassikern aus der Seefahrt

Die Halle 207 hat sich innerhalb weniger Wochen in einen maroden Dampfer verwandelt. Farbe blättert von den Wänden, Rost frisst sich durch die Eisenstreben, Schornsteine ragen auf dem Oberdeck empor. Darüber glitzert ein Sternhimmel. Alles Illusion, die Hintergrund für Musik, Tanz und Schauspiel ist. Blaue Leuchtröhren ziehen in Wellenlinien die Balustrade entlang. "Dazwischen kommen noch Schwimmringe", wirft die Bühnenbildnerin ein. Darunter reihen sich die Stühle, die bald Platz für Hunderte Theaterbesucher bieten sollen. Am 19. Juni sticht das Volkstheater zum zweiten Rostocker Sommerfestival Broadway in See.

Maritim geht es zu in der Revue dieses Sommers. "Ahoi!" heißt die heitere Motto-Show mit Liedern aus den Bereichen Seefahrt und Urlaub - im weiteren Sinne. Da stimmen die Herren den "Steuermannschor" aus Wagners "Der fliegende Holländer" an, Solistin Lisa Mostin rührt mit "My heart will go on" - zur Vorstellung wird sie in Nebelschwaden versinken - und natürlich darf in Rostock ein Schlager wie "Wo de Ostseewellen trecken an den Strand" nicht fehlen. Einen großen Seesack schleppt Michael Scarcelle auf die Bühne. Schnell muss es gehen. Er ist schon spät dran, um noch an Bord zu gehen. "Mario", ruft ihm Rosita Mewis vom anderen Ende der Halle hinterher und singt: "Junge, komm bald wieder, bald wieder nach Haus. Junge, fahr nie wieder, nie wieder hinaus." Dabei bewegt sie sich langsam an den Stuhlreihen vorbei auf die Bühne zu. Hoppla. Vorsicht bei der zweiten und der vierten Stufe. Die sind etwas höher als die anderen. Der Kollege von der Technik hat es bei der Sicherheitseinweisung gesagt. Aber erstmal müssen sich die Sänger noch an den Raum gewöhnen.

"Dieses Jahr haben wir jede Stuhlreihe auf eine extra Stufe gestellt", berichtet Eisensee. Gute Sicht also von jedem Platz aus. Außerdem wurde das Oberlicht verdunkelt. "So haben wir mehr Möglichkeiten, um mit Licht zu arbeiten." Regisseur Bott stimmt zu: "Im zweiten Teil der Revue beginnen wir mit Nacht an Bord. Nur ist es im Sommer gegen 21 Uhr noch nicht dunkel." Mit der Verdunklung gibt es nun keine Probleme in dieser Hinsicht mehr.

Noch bessere Akustik durch luftiges Bühnenbild

"Halt, da könnt ihr nicht abgehen. Da steht das Orchester", fährt Bott dazwischen. Noch etwas orientierungslos haben die Damen des Opernchors den hinteren der Teil der Bühne angesteuert. Per Mikrofon gibt der Regisseur neue Anweisungen vom Regiepult aus. "Bitte über die Treppe auf der linken Seite abgehen." Im hinteren Teil der Bühne wird in diesem Jahr die Norddeutsche Philharmonie Aufstellung nehmen und so für die Zuschauer gut sichtbar sein. Beobachten kann das Publikum auch, was neben der Bühne passiert. "Das hat ein bisschen was von Off-Theater", schwärmt Eisensee. Aber die luftigere Gestaltung kommt auch der Akustik zugute.

"Wir machen reine Unterhaltung", sagt Bott. "Wir verändern nicht die Welt und es gibt keine Anspielungen auf die Finanzkrise. Unser einziges Ziel ist es, dass die Leute mit einem Lächeln im Gesicht aus der Halle gehen." Der erste Lacher bei der Probe: Sängerin Ines Wilhelm über eine Szene ihrer Kollegen Gabriele Schwabe und Franz Mewis nach etwa drei Minuten.

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