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Lokales

24. November 2017 | 12:30 Uhr

Klärung zum Breeser Deichbau

vom

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erstellt am 23.Jan.2011 | 05:21 Uhr

Wittenberge/Breese | Viele freiwillige Helfer folgten am vergangenen Wochenende dem Aufruf des kreislichen Hochwasserstabes und füllten Sandsäcke. Bereits am Freitag griffen spontan 82 Schüler des Marie-Curie-Gymnasiums in Wittenberge zu Schippe und Säcken. Auch rund 30 Mitarbeiter der Stadtverwaltung ließen sich nicht lange bitten. und sorgten gemeinsam mit anderen Helfern dafür, dass bis Sonnabendnachmittag 16 000 Säcke als Reserve für den Hochwasserschutz bereit stehen. Insgesamt im Kreis waren es rund 25 000 Sandsäcke.

Weil sie in Breese nicht mehr benötigt wurden, kamen am Sonnabend beispielsweise Mannuela und Maik Minnich extra nach Wittenberge, um zu helfen. "Wir wohnen zwar im Springbusch in der zweiten Reihe, da wird es nicht so schlimm, aber man weiß ja nie, wie es noch kommt" , beschrieben sie ihre Motivation. So wie sie trafen auch rund 80 weitere Helfer auf dem Abfüllplatz an der alten Ölmühle ein und legten kräftig Hand an.

Derweil machte sich Brandenburgs Innenminister Dr. Dietmar Woidke (SPD) ein Bild von der Hochwasserlage an Elbe, Stepenitz und Löcknitz. Bereits 2002 hatte er beim damaligen Hochwasser selbst mit Hand angelegt, beim Hochwasser 2006 war er als Umweltminister in die Prignitz gekommen. Noch heute kann er sich gut an die äußerst angespannte Situation am Rühstädter Bogen erinnern. "Damals habe ich gesagt, so möchte ich hier nicht noch einmal stehen." Der Rühstädter Bogen hat mittlerweile einen sanierten Deich. Etwa 90 Prozent der Elbdeiche sind im Landkreis Prignitz auf neuestem Stand. Was noch fehlt, ist der Abschnitt zwischen Bälow und Wittenberge.

Was ebenso fehlt, ist der Deich für Breese. Der Ort liegt zwar nicht an der Elbe, hat aber mit dem Rückstauwasser der Stepenitz zu kämpfen, wenn diese nicht in den Strom abfließen kann. "Innerhalb von zehn Jahren haben wir jetzt zum dritten Mal ein Elbehochwasser von über sieben Metern. Da drückt das Stepenitzwasser derart zurück, dass wir mindestens 20 Grundstücken gar nicht helfen können", beschrieb Breeses Bürgermeister Werner Steiner dem Minister die Situation. Zudem seien diesmal nur 7.10 Meter am Pegel Wittenberge prognostiziert gewesen. "Auf einmal hieß es 7,30 Meter, wir mussten sofort handeln. Wenn wir dann nicht vorbereitet sind, keine Sandsäcke haben, ist es zu spät." Steiner weiß, dass "wir im Plan sind, was den Breeser Deichbau anbelangt, aber mit dem Brandenburger Haushalt geht es ständig rauf und runter", beschreibt er seine Angst davor, dass nicht rechtzeitig etwas passiere, bevor das nächste Hochwasser kommt, "und wir hier machtlos sind".

Verbunden werden soll der Deichbau in Breese mit dem Ausbau der Landesstraße 11 zum Wittenberger Industriegebiet Süd und damit dem neuen Elbehafen. Ein Teil der Straße soll auf dem neuen Deich verlaufen, so jedenfalls die Planungen 2010. Noch im Herbst hieß es allerdings, der Straßenbau sei wegen der Haushaltslage erst einmal auf Eis gelegt. Nach Aufhebung der Haushaltssperre wurde verlautbart, der Straßenbau befinde sich wieder im Landesstraßenbedarfsplan bis 2024. Der Prignitzer Landrat Hans Lange sprach am Sonnabend aber von schon wieder anderen Potsdamer Vorstellungen, was den neuen Straßenverlauf der L 11 anbelange, der so im Kreis nicht hinnehmbar sei. Mittlerweile, so Lange, läge die Verantwortung für den Deich- und Straßenbau in drei Landesministerien. Woidke versprach, seine Ministerkollegen und auch den Prignitzer Landrat an einen Tisch zu holen, um das Problem erndlich zu klären. "Ich möchte hier nicht noch einmal so stehen", erklärte er am Sonnabend. Fügte dem "Prignitzer" gegenüber aber gleich an, dass das nicht gleich zu setzen sei, mit dem eiongelösten versprechen von Rühstädt. "Denn damals trug ich allein die Verantwortung.

Ein gewichtiges Wort mitzureden in Potsdam hat auch Finanzminister Dr. Helmuth Markov (Linke). Er war gestern zum Neujahrsempfang des Landrates in die Prignitz gekommen und sah sich danach ebenfalls die Breese Situation an. Dem "Prignitzer" gegenüber versicherte er, sich gleich in dieser Woche bei seinen zuständigen Ministerkollegen danach zu erkundigen, ob die Finanzierung für das Breeser Vorhaben abgesichert ist.

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