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Norman Will konstruiert ergonomisches Sitzmöbel : Kippeln unbedingt erwünscht

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Wenn Norman Will über ergonomische Büromöbel spricht, dann legt er ein gesundes Selbstbewusstsein an den Tag: "Die anderen Stühle haun alle nicht hin. Die sind einfach viel zu starr", sagt der Bad Wilsnacker.

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erstellt am 07.Jan.2011 | 06:20 Uhr

Bad Wilsnack | Wenn Norman Will über ergonomische Büromöbel spricht, dann legt er ein gesundes Selbstbewusstsein an den Tag: "Die anderen Stühle haun alle nicht hin. Die sind einfach viel zu starr", sagt der Bad Wilsnacker. Sein selbst entwickelter "Freemotion"-Hocker hat auf jeden Fall etwas, was die Masse der teils hoch gelobten Konkurrenzprodukte nicht hat. Das erkennt sogar der Laie: Er ist am unteren Ende völlig lose. "Man sitzt zwar auf einem weichen Polster, aber auf kleinster Unterstützungsfläche." Den Halt beim Sitzen gibt allein der eigene Körper, im Speziellen der Rücken. Reine Trainingssache, sagt der Maschinenbaustudent und ausgebildete Physiotherapeut.

Sein Sitzmöbel ist zum Patent angemeldet. Den Patentanwalt vermittelte die Fachhochschule Magdeburg-Stendal, wo Norman Will gerade sein Bachelor-Studium absolviert. Die Entstehungsgeschichte dieses ebenso genialen wie einfachen Hockers ist schnell erzählt: "Rücken- und Bandscheibenprobleme sind weit verbreitet. Auch in meinem Freundeskreis bleiben die Leute nicht davon verschont. Meine Fußballkumpels zum Beispiel nehmen teils sehr weite Wege auf sich, um sich behandeln zu lassen. Da habe ich gesagt: Ich baue Euch mal was." Norman Will zeichnete, tüftelte, berechnete, suchte sich Lieferanten für die einzelnen Stuhl-Komponenten, gründete dann vor einem Jahr seine Firma "physio-ware". Die Einzelteile kommen aus Magdeburg, München, Dresden, Köln. "Den Polstersitz zum Beispiel fertigt mir ein Raumausstatter in Magdeburg", sagt der 33-Jährige, der noch einen weiteren Vorteil seiner Erfindung hervorhebt: "Der Stuhl ist auch was für Faule. Man muss keine Übungen machen - einfach nur sitzen." Nach vier bis sechs Wochen, so der junge Konstrukteur, stellen sich die ersten Effekte ein. Gedacht ist das Möbelstück zunächst einmal für jedermann, im Speziellen soll es jedoch Menschen mit Problemen im Lendenwirbelbereich und mit Bandscheibenvorfällen helfen, außerdem Schlaganfallpatienten und Personen, die an Multipler Sklerose leiden.

30 Stühle wurden schon produziert, sechs sind bereits im Einsatz. Die Vermarktung steckt noch in den Kinderschuhen. Seit rund zwei Monaten kann man sich auf einer Homepage ausführlich informieren und "Freemotion" im Onlineshop bestellen. Nach einer so kurzen Zeit könne man über den Erfolg des Produktes noch überhaupt nichts sagen, so Norman Will. Derzeit sei auch nicht absehbar, dass die Erfindung einmal in die Serienproduktion gehe.

Die Zukunftspläne des Wilsnackers sehen allerdings auch nicht vor, mit der Erfindung zu Ruhm und Reichtum zu gelangen. Nach dem Ende des Bachelorstudiums würde er seine Ideen und sein Wissen gern im weitesten Sinne in die Medizintechnik einbringen. Unter anderem interessieren ihn Projekte in Ulm oder auch in Osnabrück, in denen es um die Wirbelsäulenvermessung bzw. um die Konstruktion von Rollatoren geht. Auch an seiner eigenen Fachhochschule könnte er sich für die Mitarbeit an der Optimierung von Hüftgelenks-Endoprothesen begeistern.

"Wenn ich zehn Jahre jünger wäre, würde ich Medizin studieren", sagt Norman Will, der nach der zehnten Klasse, die er in Bad Wilsnack absolvierte, zunächst den Beruf des Gas-Wasser-Installateurs erlernte, später den des Physiotherapeuten, in beiden Jobs auch arbeitete, bevor er in Lüneburg das Abitur nachholte und dann das Maschinenbaustudium in Magdeburg aufnahm. Zwischendurch absolvierte er seinen Zivildienst in der Bad Wilsnacker Elbtalklinik. Die Freizeit geht fast komplett fürs Fußballspielen drauf. Während der Punktspielsaison ist er praktisch jedes Wochenende für den SSV Einheit Perleberg im Einsatz. Unter der Woche trainiert er in Ottersleben. Ein ganz klein wenig, räumt er ein, seien seine Talente auch Erbmasse. "Mein Vater ist Maschinenbauingenieur, meine Mutter Bio-/Chemie-Lehrerin." Da hat er wohl genau die Mittellinie gefunden - im übertragenen und im eigentlichen Sinn: Denn um diese Linie, in physiologischer Hinsicht, geht es, wenn man auf Norman Wills Erfindung Platz genommen hat.

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