zur Navigation springen
Lokales

24. August 2017 | 03:06 Uhr

Kinderstube für den Wald von morgen

vom

Gädebehn | "Endlich hat es mal geregnet", sagt Jürgen Schindler. Auch wenn es längst noch nicht ausreicht, so hilft der Regen schon mal", meint der Leiter der Forstbaumschule im Forstamt Gädebehn. Hier werden an zwei Standorten - direkt bei Gädebehn und bei Kölpin - Forstpflanzen angezogen. Hauptbaumsorten sind Stiel- und Traubeneiche, Rotbuche, Rot erle sowie Gemeine Fichte, Gemeine Kiefer, Lärche, mehrere Tannenarten sowie Douglasien. Die Forstbaumschule Gädebehn sichert damit eine Grundversorgung der 29 Forstämter des Landes mit Bäumen, aber auch mit Sträuchern.

40 Hektar gehören zur Baumschule, die Hälfte dieser Fläche wird für die Anzucht von Laub- und Nadelgehölzen genutzt. Elf Hektar dienen als Weihnachtsbaum-Plantage: Nordmanntanne und Küstentanne gedeihen hier. Bei den restlichen Hektar handelt es sich um Brachflächen, die sauber gehalten werden müssen. Sie wurden unter anderem mit Futtererbsen oder Lupinen bestellt, die später untergepflügt werden und so die Bodenstruktur verbessern sollen, erklärt Schindler. Auf 1,5 Hektar wächst Getreide, vorwiegend Roggen. Es wird gedroschen, ein Teil des Ertrages bewahren die Gädebehner für die Aussaat des Folgejahres auf, ein Teil wird für die Bestellung von so genannten Wildäckern benötigt. Das sind ausgewiesene Flächen in Wald, die eigens für das Wild angelegt werden. So soll verhindert werden, dass sich zum Beispiel Wildschweine an anderen Kulturen schadlos halten und die Erträge der Landwirte mindern.

Aber auch das Stroh werde in der Baumschule benötigt, erklärt Schindler. Für die Anzucht von Eichen. "Eicheln müssen nach der Ernte gleich in den Boden, sie können nicht wie etwa Bucheckern speziell vorbehandelt und dann sogar mehrere Jahre gelagert werden. Bei den Eicheln ist die Pilzgefahr groß. Daher werden sie noch im Herbst ausgesät. In der freien Natur bieten die Baumkronen der Saat guten Schutz. In der Baumschule müssen wir dafür sorgen." So wird die Saat mit Stroh abgedeckt. Das schützt zum einen vor starkem Frost, zum anderen kann der Keimprozess damit reguliert werden. Denn im Frühjahr wird das Stroh abgenommen, Licht, Luft und Sonne regen das Wachstum an. Und später dient das Getreide - in kleinen Mengen ausgesät - sogar als Schirmschutz für die Bäumchen.

Bedingt durch die extreme Trockenheit in diesem Frühjahr sind vor allem auf sandigen Standorten einige Aufforstungen regelrecht vertrocknet, erzählt Ingo Nadler, der Leiter des Forstamtes Gädebehn. "Alle jungen Bäume, die in diesem Jahr gepflanzt wurden, haben noch kein Wurzelwerk ausbilden können. Sie haben unter der Hitze enorm gelitten." Wie hoch der Schaden ist, könne er derzeit noch nicht sagen. Fakt aber ist, das einige Flächen erneut aufgeforstet werden müssen.

In der Baumschule versuchen die Mitarbeiter gegen die Trockenheit anzugehen - mit Beregnung. Um Schaden durch intensive Sonneneinstrahlung zu vermeiden, wird ganz früh gegen 4 Uhr und abends gegen 20 Uhr gewässert. Das Wasser gewinnen die Forstwirte aus einem Regenrückhaltebecken, ein Teil wird auch aus der Warnow entnommen - mit Genehmigung. Den Mitarbeitern werde in diesen Wochen viel abverlangt, sind sich Nadler und Schindler einig. Die Arbeitszeiten mussten den Gegebenheiten angepasst werden. Das Beregnen der Flächen ist mit einem erheblichen Kräfteaufwand verbunden. Um die Kulturen gut durch den heißen Sommer zu bringen, wird jede Hand gebraucht. Nadler: Wir haben Urlaubssperre ausgesprochen und Mitarbeiter aus anderen Revieren herangezogen."

zur Startseite

von
erstellt am 02.Aug.2010 | 05:54 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen