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Lokales

11. Dezember 2017 | 11:02 Uhr

Kinderpornografie: Schweriner angeklagt

vom

svz.de von
erstellt am 09.Sep.2010 | 08:43 Uhr

Schwerin | Der Schweriner Frank J. muss sich in Darmstadt in einem der bundesweit größten Prozesse um Kinderpornografie im Internet mit mehr als 100 000 sichergestellten Sex-Dateien verantworten. Der in der Paulsstadt wohnhafte, 33-jährige Oberfeldwebel ist einer von neun Angeklagten im Alter zwischen 30 und 58 Jahren, die zwischen 2006 und 2009 streng geheime Treffpunkte im Internet organisiert haben sollen, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Günter Wittig in Frankfurt gegenüber SVZ sagte. Prozessbeobachter berichten, dass der gebürtige Schweriner Frank J. mehr als 66 000 kinderpornografische Dokumente besessen habe. In Darmstadt wird verhandelt, weil der Hauptangeklagte aus der Region stammt. Der 57-Jährige soll seine Nichte und zwei weitere Kinder im Grundschulalter persönlich sexuell missbraucht haben.

Ziel aller Angeklagten sei gewesen, möglichst viele und aktuelle Bilder und Videos zu sammeln, sagte Oberstaatsanwalt Rainer Franosch. Um Geld sei es nicht gegangen. In Netzwerken sollen diese Dateien massenweise ausgetauscht worden sein. Franosch: "Das waren keine harmlosen Nacktbildchen." Sogar Vergewaltigungen, Fessel- und Folterszenen seien abgebildet worden. Die Opfer: Säuglinge, Kinder und Jugendliche. Die Aufnahmen, die auch aus Deutschland stammen würden, hätten für ihn als Ermittler "eine erhebliche Belastung" bedeutet, so Franosch. Weltweit rund 500 Nutzer sollen beteiligt gewesen sein, etwa 140 von ihnen seien ermittelt. Gegen sie liefen gesonderte Verfahren.

Im Internet habe sich die Bande "abgeschottet vom polizeilichen Zugriff" zu bewegen versucht, so Franosch. "Die Treffpunkte konnten selbst mit Suchmaschinen wie Google nicht gefunden werden." Für die "streng hierarchisch aufgebauten" Treffs seien Bezeichnungen wie "Zauberwald" und "Sonneninsel" gewählt worden. Teilnehmer hätten sich mit Spitznamen wie "Waldmeister" - so soll sich Frank J. genannt haben - und "Lumpi" getarnt. Wer dazugehören wollte, habe "eine Keuschheitsprobe ablegen" müssen, wie es ein Ermittler nannte. Je mehr pornografisches Material herbeigeschafft wurde, umso höher sei ein Nutzer in der Hierarchie geklettert.

Die Bande war nach einem anonymen Hinweis vor einem Jahr aufgeflogen. Die Wohnung von Frank J. sei im Herbst 2009 durchsucht worden, so Klaus Wiechmann von der Polizeidirektion Schwerin auf SVZ-Anfrage. Bis Mitte Dezember sind fast zwei Dutzend Verhandlungstage geplant. Die Frage nach einem möglichen Strafmaß beantwortet die Staatsanwaltschaft so: Das Gericht habe eine Strafgewalt von "bis zu 15 Jahren". Sechs Angeklagte sitzen in Untersuchungshaft, unter ihnen auch Frank J.

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