Kinderbetreuung wird zum Jobmotor

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20. Juli 2012, 08:58 Uhr

Die öffentliche Kinderbetreuung ist ein Jobmotor. Im März 2011 arbeiteten 15 700 pädagogische Fachkräfte in Brandenburger Kindertageseinrichtungen, wie die Bertelsmann Stiftung gestern in ihrem "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme" in Gütersloh mitteilte. Fünf Jahre zuvor seien es erst 12 500 gewesen. Das sei ein Zuwachs um rund 25 Prozent. Allerdings würden vier von fünf Erzieherinnen nur in Teilzeit arbeiten. Bundesweit liegt der Anteil bei rund 60 Prozent, in Berlin bei 50 Prozent. "Kinder brauchen in ihrer Kita eine feste Bezugsperson. Das ist eine zentrale Frage der Qualität", so Stiftungs-Vorstandsmitglied Jörg Dräger.

Insgesamt bestehen in Brandenburg aber gute Voraussetzungen für eine frühkindliche Bildung, da fast alle Kinder vor der Schule mindestens drei Jahre in einer Einrichtung waren.

Die Studie sieht einen weiter steigenden Fachkräftebedarf. Zum einen gebe es ab August kommenden Jahres einen Rechtsanspruch auf Kita-Betreuung für alle Kleinen unter drei Jahren. Der andere Grund sei, dass in Brandenburgs Krippen derzeit 6,2 Kinder von einer Erzieherin betreut werden. Das sei der ungünstigste Personalschlüssel aller Bundesländer. In den westlichen Ländern kämen auf eine Erzieherin nur 3,8 Krippenkinder. Auch in den Kindergartengruppen hält die Studie den Brandenburger Schlüssel von 11,6 Kindern pro Erzieherin für verbesserungswürdig. "Ein besserer Personalschlüssel wäre sicher pädagogisch sinnvoll, ist für Brandenburg aber nicht finanzierbar", reagiert die Sprecherin des Bildungsministeriums Antje Grabley auf die Forderungen der Bertelsmann Stiftung. Das Land habe vor zwei Jahren die Kinderzahl pro Erzieherin in der Krippe von sieben auf sechs und im Kindergarten von 13 auf 12 reduziert. "Diese kleine Stellschraube kostet das Land jedes Jahr 36 Millionen Euro zusätzlich", so Grabley. Eine Halbierung des Schlüssels sei deshalb undenkbar.

Der Rechtsanspruch mache dem Land dagegen keine Sorgen, so die Sprecherin. Schon jetzt würden 55 Prozent aller Kinder unter drei Jahren in einer Einrichtung betreut. Die vom Bund vorgegebene Richtlinie für Krippenplätze von 35 Prozent sei also bereits weit übertroffen.

Allerdings werden in den nächsten zehn Jahren die Erzieherinnen im Land reihenweise in Rente gehen. Ein Fünftel sei schon jetzt älter als 55 Jahre, gut die Hälfte zudem zwischen 40 und 55 Jahren alt. Laut Ministerium gebe es deshalb eine Reihe von Qualifizierungsprojekten, werde um die Absolventen der Fachschulen geworben, würden die Kapazitäten an Hochschulen und Fachschulen erweitert. Als wenig erfolgreich habe sich allerdings die Ausbildung von Quereinsteigern erwiesen. Deren Absolventen fallen reihenweise durch die vom Ministerium verantworteten Prüfungen. Offenbar seien sie nicht gut genug vorbereitet, so Grabley. Für die Ausbildungsinghalte sei das Ministerium allerdings nicht verantwortlich.

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