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Für immer mehr Praxen im ländlichen Bereich fehlen Nachfolger : Kinderärzte händeringend gesucht

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Fragt man kleine Mädchen nach ihrem Berufswunsch, rangiert Kinderärztin weit oben. Müssen die Mädchen - oder ihre Brüder - aber zum Arzt gehen, ist es immer häufiger der Hausarzt der Eltern, der sich um sie kümmert.

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erstellt am 21.Mär.2011 | 06:28 Uhr

Schwerin | Fragt man kleine Mädchen nach ihrem Berufswunsch, rangiert Kinderärztin weit oben. Müssen die kleinen Mädchen - oder ihre Brüder - allerdings zum Arzt gehen, ist es immer häufiger der Hausarzt der Eltern, der sich um sie kümmert. Denn Kinderärzte sind in Mecklenburg-Vorpommern dünn gesät.

Jeder fünfte Kinderarzt ist schon jetzt über 60

Seit 2007 haben in Mecklenburg-Vorpommern 13 Kinder- und Jugendärzte ihre Praxen geschlossen, ohne einen Nachfolger zu finden. Gegenwärtig gibt es noch 114 niedergelassene Fachärzte, die sich auf das Wohl der Jüngsten spezialisiert haben. Doch wie bei anderen Facharztgruppen, so droht auch bei ihnen die Überalterung. Schon jetzt liegt das Durchschnittsalter der Kinderärzte mit eigenen Praxen im Land bei 54 Jahren, fast jeder fünfte Kinder- und Jugendarzt ist nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern (KVMV) sogar 60 Jahre oder älter. Düstere, aber dennoch realistische Schätzungen gehen davon aus, dass innerhalb der nächsten zehn Jahre etwa 40 Prozent aller niedergelassenen Haus- und Fachärzte in den Ruhestand gehen werden - darunter weitere Kinder- und Jugendärzte.

Vorerst sind bei der KVMV nur zwei Versorgungsbereiche "partiell geöffnet": Uecker-Randow und Bad Doberan. "Partiell geöffnet" bedeutet, dass dort keine Überversorgung mehr besteht und daher nicht nur frei werdende Praxen wieder besetzt werden können, sondern darüber hinaus sogar noch Neuzulassungen möglich sind.

Doch nicht nur in diesen beiden Regionen ist es für Eltern Zeit und Nerven raubend, einen Facharzt für ihr Kind zu finden. "Der Blick in den Anzeigenteil des Ärzteblattes ergibt da ein ziemlich realistisches Bild", meint Dr. med. Christiane Trapp, stellvertretende Landesverbandsvorsitzende des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in Mecklenburg-Vorpommern. Allein in der aktuellen Ausgabe würden in Anzeigen außer für Bad Doberan auch für die Regionen Waren, Neubrandenburg/Neustrelitz und Güstrow Kinderarztpraxen zur Nachfolge angeboten. Auch in Ueckermünde, so weiß die BVKJ-Sprecherin, würde händeringend nach einem neuen Kinder- und Jugendarzt gesucht, der sich dort niederlassen möchte.

Damit, die Kinder dem Hausarzt der Eltern vorzustellen, lässt sich das Versorgungsproblem nicht lösen. "Kinder sind keine kleinen Erwachsenen", betont Dr. Christine Trapp. Sie hätten andere Erkrankungen, dazu kämen die verschiedenen Entwicklungsabschnitte mit ihren ganz spezifischen Problemen. "Der Kinder und Jugendmediziner ist deshalb ein Facharzt speziell für Kinder, der alle Bereiche und nicht nur einzelne Organe betrachtet", beschreibt Dr. Trapp, was für sie auch den Reiz ihrer Fachrichtung ausmacht.

Bürokratie macht Niederlassung unattraktiv

Ein Reiz, den auch schon Medizinstudenten sehen. "Das Problem ist nicht etwa fehlender Medizinernachwuchs in unserer Fachrichtung", so Dr. Trapp. Problematisch sei vielmehr, dass immer mehr junge Ärzte vor dem Schritt in die Selbstständigkeit zurückschreckten. Das hätte sehr viel mit der immer weiter ausufernden Bürokratie zu tun, die niedergelassenen Ärzten Zeit raubte, die sie eigentlich den Patienten widmen müssten. Auch die immer wiederkehrenden Auseinandersetzungen über Budgets und andere Reglementierungen durch die Krankenkassen als Kostenträger würden junge Kinderärzte abschrecken. Dazu kommt: "Der Frauenanteil ist in dieser Facharztgruppe besonders groß. Vor allem in der Phase, in der sie Kinder bekommen bzw. in der der Betreuungsaufwand für die Kinder noch groß ist, ziehen es viele Kinder- und Jugendärztinnen vor, in Krankenhäusern zu arbeiten", hat die Verbands-Sprecherin beobachtet. "Wenn sie älter werden, würden viele Kolleginnen dann aber doch gerne aus der Klinik in die eigene Niederlassung gehen", meint Dr. Trapp, die Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am KMG Klinikum Güstrow ist. Vor allem für diese Kolleginnen - und Kollegen - müssten Brücken gebaut werden, die ihnen den Schritt in die Selbstständigkeit erleichtern. Dazu, so Dr. Trapp, müssten Programme gehören, die - ähnlich wie bei Hausärzten - auch für Kinderärzte die Niederlassung im ländlichen Bereich attraktiver machen.

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