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Tochter mit Essig und heißem Wasser gequält : Kind will Schmerzensgeld vom Amt

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Ein Vormund der heute neunjährigen Lea-Marie aus Teterow hat den Landkreis Güstrow nach den jahrelangen Misshandlungen des Kindes auf 30.000 Euro Schmerzensgeld wegen unterlassener Hilfeleistung verklagt.

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erstellt am 11.Mär.2011 | 06:40 Uhr

Rostock | Ein von der Mutter misshandeltes Kind verlangt vom Jugendamt Güstrow Schmerzensgeld wegen unterlassener Hilfeleistung. Vor der Zivilkammer des Rostocker Landgerichts beginnt am Donnerstag ein Prozess gegen den zuständigen Güstrower Landkreis, wie eine Gerichtssprecherin gestern ankündigte. Der Landkreis beantragt, die sogenannte Amtshaftungsklage abzuweisen.

Vor Gericht fordert eine gesetzliche Vertreterin für die heute neun Jahre alte Lea-Marie 30 000 Euro, weil eine Jugendamtsmitarbeiterin einen ärztlichen Hinweis auf die Misshandlungen nicht an die zuständige Sozialarbeiterin weitergeleitet hat. Dem Mädchen waren bis zu seinem fünften Lebensjahr 2006 von der Mutter in mehr als zwei Dutzend Fällen Verletzungen zugefügt worden, indem ihr ätzende Flüssigkeiten verabreicht und sie mit heißem Wasser übergossen wurde. Nach den Misshandlungen brachte die Mutter ihre Tochter fast immer zum Arzt oder holte den Notarzt, wechselte dabei aber die Kliniken.

Einfacher Hausbesuch einer Sozialarbeiterin hätte genügt

Eine behandelnde Ärztin aus Demmin meldete im Mai 2003 die Verletzungen, deren Herkunft ihr die Mutter nicht schlüssig erklären konnte. Diese Meldung wurde im Güstrower Jugendamt nicht weitergeleitet, dafür wurde die Mitarbeiterin wegen fahrlässiger Körperverletzung später vom Amtsgericht Güstrow für schuldig befunden und verwarnt. Erst drei Jahre nach dieser Meldung wurde die Misshandlungsserie von einer Klinikärztin beendet, die die Behörden alarmierte. Die knapp Fünfjährige litt damals bereits unter einer verätzten, krankhaft verengten Speiseröhre, offenen Wunden im Mundbereich und Hautverletzungen.

Die Mutter wurde zu neun Jahren Haft verurteilt, sie gab zur Erklärung an, mit dem Kleinkind überfordert gewesen zu sein. Ein einfacher Hausbesuch einer Sozialarbeiterin hätte das deutlich gemacht, begründet die Klägerin des Kindes den Schadensersatzanspruch. Zudem hätte die Mutter eigenen Worten zufolge gern Hilfe angenommen.

Der beklagte Landkreis wehrt Ansprüche ab. Das Fehlverhalten der Mitarbeiterin 2003 sei nicht die Ursache für spätere Misshandlungen.

Ersatzansprüche auch an die Kinderärztin

Außerdem bestünden weitere Ersatzansprüche beispielsweise auch gegen die behandelnde Kinderärztin, der die vielen Krankenhausaufenthalte des Mädchens bekannt waren, oder gegen die Mutter.

Die Mutter war bereits zusätzlich zu ihrer Haftstrafe zu einem Schmerzensgeld in Höhe von 30 000 Euro verurteilt worden. Sie sei aber mittellos, sagte eine Gerichtssprecherin.

Der Prozess ist öffentlich. Mit einem Urteil ist laut Gerichtssprecherin erst nach dem 17. März zu rechnen.

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