Keiner will Parchim als Kreisstadt haben

Gut gelaunt und kämpferisch für Ludwigslust: Detlef Müller, Petra Billerbeck, Helmut Schapper, Reinhard Mach und Rolf Christiansen (v. l.)uwe köhnke
Gut gelaunt und kämpferisch für Ludwigslust: Detlef Müller, Petra Billerbeck, Helmut Schapper, Reinhard Mach und Rolf Christiansen (v. l.)uwe köhnke

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16. Juni 2010, 09:40 Uhr

ludwigslust | In der Kreisstadt herrscht Alarmstimmung. Nachdem bekannt wurde, dass sich der Innenausschuss des Landtages heute für Parchim als Kreisstadt des künftigen Großkreises Südwestmecklenburg aussprechen wird, stehen die Zeichen auf Aktion. Das werden die Ausschussmitglieder bereits heute Morgen bemerken, wenn sie sich auf dem Weg zu ihrer Beratung einem Ludwigsluster Aufgebot gegenüber sehen. Wobei der designierte Ludwigsluster Bürgermeister Reinhard Mach gestern bereits deutlich machte: Im Mittelpunkt steht Argumentieren statt Protestieren.

Seine Amtsvorgängerin Petra Billerbeck rückt noch einmal die Fakten zurecht, die jetzt als Begründung der überraschende Entscheidung für Parchim herhalten müssen. Parchim ist größer als Ludwigslust? Zu kurz betrachtet, denn im Städtedreieck Ludwigslust-Neustadt-Glewe-Grabow leben mehr Menschen auf geballtem Raum als bei den Nachbarn im Osten. Ludwigslust ist wirtschaftsstärker als Parchim? Genau anders herum sei es richtig. Parchim habe mehr Potenziale, sich allein zu entwickeln als Ludwigslust, das den Kreisstadt-Bonus nötiger habe.

Der Tenor auf der gestrigen Pressekonferenz im Ludwigsluster Rathaus war optimistisch. Allgemeine Auffassung: Es ist noch nicht alles verloren. Der SPD-Landtagsabgeordnete Detlef Müller kündigt bereits einen Änderungsantrag für die Plenarsitzung des Landtages an. Nun gehe es darum, die entsprechenden Mehrheiten zu organisieren. Bei den Sozialdemokraten ist er sicher, das hinzubekommen. Schwierigkeiten weiß Müller beim Koalitionspartner CDU. Die sei im Parchimer Bereich stärker vertreten. Reinhard Mach sieht die Notwendigkeit, jetzt auf mehreren Ebenen gleichzeitig zu agieren. "Überall wo Landtagsabgeordnete sind, müssen auch wir präsent sein", sagt er. Man müsse die Parlamentarier von Ludwigslust als der sachlich richtigen Kreisstadt-Variante überzeugen. "Das können wir als Ludwigsluster nicht allein. Dazu ist die Unterstützung der gesamten Region nötig", so Mach.

Unterdessen formiert sich Pro Ludwigslust in der Region. Der Grabower Stadtvertreter Stefan Sternberg nutzte eine Zusammenkunft in der Berliner Landesvertretung MVs, um für Ludwigslust zu werben. Eine Konferenz mit vielen Landespolitikern heute in Dargun bietet ebenfalls eine Plattform. Das Ludwigsluster Lindenfest-Wochenende soll ein einzigartiges Bekenntnis für Ludwigslust als Kreissitz werden. Eine Woche später beim Grabower Stadtfest wird das traditionelle Drachenbootrennen unter dem Motto "Drachen kämpfen für Ludwigslust" stehen. Der Neustädter Burgadel hat schon signalisiert, das Ludwigsluster Anliegen mit zu unterstützen. Stefan Sternberg hat gemerkt: "Viele Landtagsabgeordnete wissen zu wenig über das ganze Thema." Da gebe es noch Chancen, den sachlichen Argumenten für Ludwigslust Gehör zu verschaffen.

Landrat Rolf Christiansen erinnert an den ersten Kabinettsentwurf zur Kreisgebietsreform, der Ludwigslust und Parchim an vielen Stellen vergleichbar sieht, aber die bessere Erreichbarkeit Ludwigslusts als deutliches Plus sieht. Dabei geht es dem Landrat um die vielen ehrenamtlich tätigen Bürger, die von vielen Ecken des künftigen Landkreises deutlich längere Wege nach Parchim als nach Ludwigslust auf sich nehmen müssen. Das meint auch Helmut Schapper, der Präsident der Ludwigsluster Stadtvertretung, der gleichzeitig in der CDU-Fraktion des Kreistages einen Sitz hat. Schapper sieht noch Chancen für Ludwigslust, weil die Abstimmung in den Landtagsfraktionen frei gegeben sei und man daher Möglichkeiten nutzen könne, Abgeordnete von den Ludwigsluster Argumenten zu überzeugen.

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