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Lokales

21. November 2017 | 22:36 Uhr

Kein Zuschuss für privaten Hausumbau

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svz.de von
erstellt am 04.Jan.2011 | 06:58 Uhr

Prignitz | Dass nach wie vor junge Leute die Prignitz wegen der Ausbildung oder auch besser bezahlter Jobs verlassen, ist bekannt. Viele Kommunen möchten dem entgegenwirken, vor allem jungen Familien die Chance bieten, sich hier häuslich niederzulassen. Ein gute Möglichkeit dafür sind Förderprogramme im Rahmen der integrierten ländlichen Entwicklung (ILE) oder Leader. Denn darüber flossen bislang nicht nur Zuschüsse in kommunale Vorhaben, sondern auch in private, wie die Sanierung von Wohnhäusern oder -gehöften.

Doch nachdem Brandenburgs Landesregierung diese Förderprogramme im vergangenen Sommer aufgrund der Haushaltslage gänzlich gestoppt hatte, fließen nun zwar wieder Zuschüsse, aber ausschließlich in kommunale Vorhaben. Und daran werde sich bis auf weiteres auch nichts ändern, erfuhr der "Prignitzer" auf Nachfrage im Potsdamer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft. Ob Förderprojekte der Dorferneuerung oder des Familienprogramms für die Sanierung ländlicher Häuser und Höfe: Alle seien mit Landesmitteln zu untersetzen, "und die stehen nicht zur Verfügung", so Pressesprecher Kai Dietrich.

Gefördert würden in Brandenburg weiterhin Projekte des ländlichen Tourismus, der Breitbandversorgung, der ländlichen Berufsbildung und Agrarinvestitionen. Da gebe es auch keine Kürzungen, so Dietrich. Bei anderen Projekten im kommunalen ländlichen Bereich könne es durchaus zu Abstrichen kommen.

In der Prignitz stößt diese Botschaft auf wenig Verständnis. Bereits im August 2010 hatten sich die sechs Mitgliedsgemeinden und Ämter der GbR "Brandenburgische Elbtalaue" mit einem Brief an Ministerpräsident Matthias Platzeck gewandt und auf die Notwendigkeit der ILE- bzw. Leader-Fördermöglichkeiten hingewiesen als Anreiz für die Belebung von Dörfern. "Damit sollten die politisch Verantwortlichen ein Zeichen setzen, um auch den jungen Familien durch die Förderinstrumente weiterhin eine Perspektive in der Prignitz zu eröffnen", hieß es in dem Schreiben.

Das Zeichen blieb aus, diese Förderung fiel dem Rotstrich zum Opfer. "Das ist kontraproduktiv für unsere demografische Entwicklung", kritisiert Hans-Jürgen Arndt, Direktor des Amtes Bad Wilsnack/Weisen. "Damit wird die ländliche Entwicklung abgekoppelt, der Verfall in so manchen Dörfern wird fortschreiten", prognostiziert er. Im Amtsbereich hätten mehrere junge Familien nachgefragt, sich für diese Art der Förderung interessiert, um Grundstücke zu übernehmen und auszubauen. "Sie werden woanders hingehen", zeigt Arndt die Konsequenzen auf.

Noch härter traf es die Gemeinde Karstädt, denn da war ein Teil der privaten Förderanträge bereits bewilligt worden, bevor der Stopp kam. "Die Bürger, die nun keine Zuschüsse mehr erhalten, fühlen sich in die Irre geführt", macht Bürgermeister Udo Staeck deutlich. Und er kündigt an: "Wir geben uns mit dieser Entscheidung nicht zufrieden, denn sie wirkt der Ansiedlung junger Leute entgegen."

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