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Tausch fällt aus: Land bezahlt 7,9 Millionen Euro an Herzogin : Kein Wald für Kunst

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Das Land MV will die 260 Museumsstücke, die Herzogin Donata zu Mecklenburg von Solodkoff gehören, nun doch nicht zum Teil im Tausch gegen Wald übernehmen. Die Kaufsumme von 7,9 Millionen Euro wird doch in bar bezahlt.

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erstellt am 30.Mär.2011 | 07:19 Uhr

Schwerin | Das Land Mecklenburg-Vorpommern will die 260 Museumsstücke, die Herzogin Donata zu Mecklenburg von Solodkoff gehören, nun doch nicht zum Teil im Tausch gegen Wald übernehmen.

Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) und Bildungsminister Henry Tesch (CDU) einigten sich am Dienstag darauf, die Kaufsumme komplett in bar bezahlen zu wollen. Das sagte Regierungssprecher Andreas Timm am Mittwoch und bestätigte einen Bericht von NDR 1 Radio MV.Die Herzogin sollte ursprünglich knapp 400 Hektar Landeswald im Wert von 3,4 Millionen Euro bekommen und den Rest in bar. Der Wert der Sammlung ist von der Kulturstiftung der Länder mit rund acht Millionen Euro angegeben worden. Das zusätzlich nötige Geld müsste aus dem Landeshaushalt aufgebracht werden, wie Timm sagte.

Über die neue Verhandlungsposition des Landes soll die Herzogsfamilie noch in dieser Woche in einem Schreiben informiert werden, wie eine Sprecherin des zuständigen Bildungsministeriums sagte. Die Familie werde dann entscheiden, ob sie unter den neuen Gegebenheiten bereit sei, weiter über den Ankauf der Kunstsammlung durch das Land zu verhandeln.

Die Herzogsfamilie von Mecklenburg-Schwerin war nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet worden und hatte die Kunstwerke nach der Wende zurückübertragen bekommen. Bis 2014 hat das Land ein Nießbrauchsrecht. Sollen die Stücke nach diesem Zeitpunkt in den Museen bleiben, muss das Land sie ankaufen. Dazu gehören Gemälde und kunsthandwerkliche Gegenstände.Bevor sich Sellering und Tesch auf die neue Verhandlungsposition einigten, hatte die SPD-Landtagsfraktion deutlich gemacht, dass sie einem Tausch von Landeswald gegen Kunst nicht zustimmen würde.

Fraktionschef Norbert Nieszery legte Donata zu Mecklenburg nahe, über eine Dauerleihgabe nachzudenken. „Damit würde sie ihrer Verantwortung gegenüber den Menschen gerecht, auf deren jahrhundertelanger harter Arbeit der Reichtum der Herzöge von Mecklenburg beruht“, meinte er.Öffentlich bekannt geworden war der Plan, die Kunstwerke teilweise mit Wald zu bezahlen, durch eine Kleine Anfrage der Linksfraktion.

Deren Vorsitzender Helmut Holter bezeichnete es als „starkes Stück, wenn sich der Ministerpräsident heute als Retter des Waldes hinstellt. Es war seine Staatskanzlei, die die Verhandlungen geführt und der Herzogin Landeswald angeboten hat.“ Holter kündigte einen Antrag für die nächste Landtagssitzung an, dessen Ziel es sei, künftig auszuschließen, dass Landesflächen gegen Museumsinventar eingetauscht werden.

Für die CDU ist es zweitrangig, ob der Ausgleich in Wald oder in Geld erfolgt, wie der Parlamentarische Geschäftsführer Wolf-Dieter Ringguth erklärte. Er warf SPD und Linken „klassenkämpferische Polemik“ vor. Damit gefährdeten sie unterschriftsreife Vereinbarungen, die wichtiges Kulturgut für das Staatliche Museum sichern würden. „Es geht hier auch um eine Bewährungsprobe für den Rechtsstaat“, so Ringguth. Im Rechtsstaat seien alle gleich zu behandeln. „Deshalb hat die SPD ihr 1946 von der SED eingezogenes Parteigebäude in Schwerin 1998 zurückerhalten.“ Ringguth zufolge stammt die Idee, die Kunstgegenstände mit Wald zu bezahlen, von der rot-roten Landesregierung (1998-2006).

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