"Kein ungedeckter Bedarf"

Können den ablehnenden Bescheid der Schweriner Arge nur schwer verstehen: Sebastian Piper (l.) und sein Ausbilder              Karl-Heinz Graf, Inhaber der Firma Messebau Schwerin in Herren Steinfeld. Reinhard Klawitter
Können den ablehnenden Bescheid der Schweriner Arge nur schwer verstehen: Sebastian Piper (l.) und sein Ausbilder Karl-Heinz Graf, Inhaber der Firma Messebau Schwerin in Herren Steinfeld. Reinhard Klawitter

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25. August 2010, 11:56 Uhr

Schwerin | Wie er künftig mit 140 Euro im Monat über die Runden kommen soll, das weiß Sebastian Piper noch nicht. 140 Euro - so viel bleiben dem 25-jährigen Schweriner nach eigenen An gaben nach Abzug seiner festen Kosten noch zum Leben, für Esse n und Trinken, Garderobe und dringend notwendige Anschaffungen. Große Sprünge konnte der an gehende Veranstaltungstechniker auch bisher schon nicht machen, aber seit ihm mit der Vollendung des 25. Lebensjahres das Kindergeld in Höhe von 184 Euro gestrichen wurde, hat sich seine finanz ielle Lage noch einmal drastisch verschlechtert. Hilfe erhoffte sich Sebas tian von der Arbeitsgemeinschaft zur Grundsicherung (Arge) in der Landeshauptstadt.

Staatliche Unterstützung erhält der Schweriner bereits: 345 Euro so genannte Berufsausbildungsbeihilfe. "Zusammen mit meinem Lehrlingsgehalt komme ich nach dem Wegfall des Kindergeldes auf 645 Euro im Monat. Ich muss davon aber als fixe Ausgaben nicht nur meine Miete und Stromkosten, sonder n auch meine Fahrkarten zur Beru fsschule nach Güstrow bezahlen", sagt Sebastian. Weil seine Einkünfte hinte n und vorne nicht reichten, habe er bei der Arge einen "Zuschuss zu den unge deckten Kosten für Unterkunft und Heizung" beantragt.

Bereichsleiterin weist Kritik zurück

Doch die Hoffnungen des Azubis erfüll ten sich nicht: Die Arge lehnte seinen Antrag ab. "Mir wurde gesagt, ich könne ja am Wochenende noch arbeiten gehen", erzählt Sebastian kopfschüttelnd. Auch sein Ausbilder, Karl-Heinz Graf, Inhaber der Firm a Messebau Schwerin in Herren Steinfeld, ist empört: "Für mich klingt das fast wie eine Auffor derung zur Schwarzarbeit."

Diesen Vorwurf weist Dörte Wendt, als Bereichsleiterin bei der Schweriner Arge für Leistungen zuständig, entschieden zurück: "Eine solche Aussage ist für mich nicht nachvollziehbar." Selbstverständlich könne ein Lehrling, der Berufsausbildungsbeihilfe beziehe, sich auch noch anderswo legal etwas hinzuver dienen, ohne dass dieser Verdienst auf die Beihilfe angerechnet werde , so Wendt. "Der Freibetrag liegt bei 138 Euro im Monat."

An der grundsätzlichen Entscheidung, den von Sebastian beantragten Zuschuss nicht zu gewähren, sei al lerdings aus Sicht der Arge nicht zu rütteln, so die Bereichsleiterin. Prinzipiell könnten Auszubildende, die Berufsausbildungsbeihilfe, Ausbildungsgeld oder BAföG erhielten, zwar einen Zuschuss zu den besagten "nicht gedeckten angemessenen Kosten der Unterkunft und Heizung" be kommen. "Die Gewährung ist jedoch an den Nachweis der indi viduellen Anspruchsvoraussetzungen gebunden", betont Wendt. Im betref fenden Fall, so habe die Prüfung der Arge ergeben, seien die entsprechenden Aufwendungen bereits durch den in der Berufsausbildungsbeihilfe enthaltenen Anteil für Unterkunft und Heizung abgedeckt. Es gäbe also keinen "ungedeckten Bedarf", sagt die Bereichsleiterin.

Wenn Sebastian in sein Portmonee schaut, kann er dieser Logik jedoch nur schwer folgen. Wenigstens sein Ausbilder stärkt ihm aber den Rücken. "Ich werde an Sebastian festhalten", so Karl-Heinz Graf.

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