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Lokales

17. November 2017 | 18:59 Uhr

Kein Katastrophenalarm an der Elbe

vom

svz.de von
erstellt am 20.Jan.2011 | 07:33 Uhr

Prignitz | Alarmstufe IV seit gestern, 10 Uhr, an der Elbe, aber kein Katastrophenalarm. So die eindeutige Aussage vom Prignitzer Landrat Hans Lange beim gestrigen Pressegespräch des Hochwasserstabes. Zwar hatte die Elbe bereits gestern früh sieben Meter am Pegel Wittenberge, aber "mit der Alarmstufe IV und ihren Möglichkeiten sind wir in der Lage, die Situation zu meistern". Lange rechnet ab Mitte kommender Woche mit einem Rückgang des Elbhochwassers.

Dresden meldete zwar bereits gestern eine deutliche Entlastung, die Elbe war innerhalb von zwölf Stunden um 70 Zentimeter gefallen, "aber das können wir in der Prignitz nicht erwarten wegen der Zuläufe aus Havel, Saale, Mulde und Schwarzer Elster", schätzt Bodo Schwiegk, Regionalabteilungsleiter des Landesumweltamtes, das seit Mittwoch sein Lagezentrum in Lenzen besetzt hält, ein. Die Havel zwischen Rathenow und Havelberg sei bis gestern um weitere 16 Zentimeter gestiegen, betrug am Pegel Havelberg 4,04 Meter, die Alarmstufe III sei ausgerufen worden. Wegen des höheren Elbwassers habe sich der Abfluss aus der Havel in die Elbe von bis zu 270 Kubikmetern pro Sekunde auf 140 reduziert.

Der Hochwasserstab will auch am kommenden Wochenende die Lage mit eigenen Kräften meistern. Die Schöpfwerke in Garsedow, Cumlosen und Gaarz arbeiteten mit voller Leistung, es gebe keine technischen Probleme. Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen erfolgten gestern aber bei Bälow. Auf der Deichstraße zwischen Bälow und Sandkrug türmten sich am Vormittag Tonnen von Sand. "Wir sind dabei, auf 150 Meter Länge eine Berme vor den Deichfuß zu setzen", sagte André Schwark von Universal-Bau Perleberg. Auf einem Vlies würden in den kommenden zwei Tagen rund 2000 Tonnen Sand auf einer Tiefe von 3 Metern rund 1,5 Meter hoch aufgeschüttet, erklärt der Bauleiter. "Hintergrund der Maßnahme sind die Erfahrungen vergangener Hochwassersituationen, wo es an dieser stelle viel Sickerwasser gab." Während der Arbeiten ist die Straße halbseitig gesperrt.

In Wittenberge mussten am Veritaspark auf einer Länge von etwa 300 Metern Sandsäcke geschichtet werden. Entlastungsmaßnahmen sind auch im Bereich der Löcknitz notwendig.

So beherrschbar das Hochwasser an den Elbdeichen scheint, so unsicher erachtet Werner Steiner die Situation in Breese. Der ehrenamtliche Bürgermeister mahnt - ebenso wie die Gemeindevertretung - seit Jahren den Bau von Stepenitzdeichen an. Dafür läuft die Planung zwar, "aber das dauert viel zu lange", sagte Steiner gestern. "Das Wasser steht jetzt an der Oberkante der Straße. Fällt die Flut nur ein paar Zentimeter höher aus als prognostiziert, dann säuft hier der Großteil der Einwohnerschaft einfach ab." Allein in den vergangenen zehn Jahren hätte es diese prekäre Situation dreimal gegeben, und von Mal zu Mal werde es für Breese ernster. Steiner führt das nicht allein auf den Klimawandel zurück, der unbestritten seinen Anteil an den Flutereignissen trage. In Richtung Elbe sei inzwischen alles eingedeicht, was die Lage von Breese völlig verändert habe. "Es müssen unbedingt endlich auch im Hinterland Deiche gebaut werden. Wir packen jetzt wieder Sandsäcke, aber die können das nicht ersetzen." An der Elbe, so der Bürgermeister, mag es "nur" Alarmstufe IV sein, "für uns hier ist es eine Katastrophensituation." Rund 80 Prozent der 1600 Einwohner von Breese gelten im Falle eines Hochwassers als akut gefährdet.

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