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Lokales

25. September 2017 | 06:20 Uhr

Resumee : Kein gutes Jahr für Adebar

vom

„Das außergewöhnlich sonnenreiche, aber auch regenreiche Jahr ist ein mageres Storchenjahr“ sagt Reinhard Schaugstat. Von 31 Horstpaaren in der Region Güstrow brüteten nur 20 erfolgreich.

svz.de von
erstellt am 15.Nov.2011 | 10:57 Uhr

Ein mageres Storchenjahr resümiert Reinhard Schaugstat. Von 31 Horstpaaren in der Region Güstrow brüteten nur 20 erfolgreich. Sie zogen 45 Junge groß. "Ein Drittel der Storchenpaare aber blieb ohne Nachwuchs", bedauert der Güstrower Storchenvater. Eine der Ursachen ist schnell zu benennen. "Der nasseste Sommer aller Zeiten vertrieb mehrere brutwillige oder bereits brütende Störche", berichtet Schaugstat. Der extremen Witterung seien mindestens 25 Küken zum Opfer gefallen.

Reinhard Schaugstat macht die Entwicklung deutlich: 1971 hatte der Altkreis Güstrow 55 Brutpaare und 166 Jungvögel. 1901 wurden im damaligen Amtsgerichtsbezirk Güstrow etwa 300 besetzte Storchennester registriert. "Dieser reiche Fauna-Schatz ging durch Abschuss, Bauernsterben, Elektrover drahtung, Grünlandumbruch und Klimaverschiebungen fast verloren", zählt der Storchenexperte auf und fragt sich, wann wohl der letzte Storchen-Choral verklingen wird, sei doch in 110 Jahren der Weißstorchbestand um 90 Prozent geschrumpft.

Güstrower Störche erstaunlich früh flügge

Dennoch erfreut sich Reinhard Schaugstat jedes Jahr aufs Neue an den Tieren und hat viele Helfer in den Dörfern, die ihm Strochengeschichten erzählen, z.B. von der Ankunft der Adebare. Über Lüssow löste sich aus einem 70 Vögel starken Kranichkeil ein mitziehender Weißtorch. Bereits am 4. März war ein Paar am Lößnitzlauf in Reinshagen gesichtet worden. Am 11. März belegten die Güstrower Rotbeine ihr Plascheck-Nest. Vermutlich hatten diese Vögel in Westeuropa überwintert. Schnelle West-Zieher schaffen die Spanien-Route an fünf bis sechs Tagen, betont Schaugstat. Das Eintreffen der afrikanischen Zugstörche hatte sich dagegen um zwei bis vier Wochen verspätet.

Das große Fliegen begann nach der Julimitte. Der rasche Ausflug des Güstrower Jungen am 7. Juli wurde während der 110-jährigen heimischen Weißtorcharbeit nie zuvor registriert. Wieder besetzt wurden die Horste in Laage und Parum, wo letztmalig 1971/72 Störche brüteten. Ende September sei noch über ein Brutpaar in Linstow berichtet worden. Nach 62 Jahren war das Nest endlich besetzt worden. Noch zur Septembermitte, als die ersten Pilgerstörche schon den afrikanischen Kontinent passierten, hielten sich Einzelvögel in Güstrow, Prüzen, Langensee und am Zehlendorfer Moor auf. Ein letztes "Sommerpaar" strich am 16. Oktober über Lübsee-Bansow.

Von schönen Erlebnissen mit Störchen berichtet Schaugstat. Gesehen wurden z.B. vier Klapperstörche mit Enten und Gänsen auf dem nassen Sportplatz in Prüzen. An der Strenzer Wiese fischte ein Storch unter 180 Reihern. 24 Vögel stocherten tagelang am Augraben bei Dehmen und den halben August gab es für die Wattmannshägener Störche hinter der gefluteten Kirchensenke Fische und Frösche satt. In Hoppenrade und Polchow wurden dagegen bettelnde Rotbeine auf Hühnerhöfen beobachtet.

Auch die Horst- und Revierkämpfe gehören zum Storchenalltag. Immer geht es um günstige Futterplätze. Stundenlang stritten stechende und tretende Altvögel in Polchow. Am Tolziner Nest

versuchte ein Seeadler, in die schnäbelbewehrte Reisiggrube zu greifen.

Weiter berichtet der Storchenexperte, dass ein 2009 in Schleswig-Holstein beringter Adebar zum zweiten Mal das Zehlendorfer Nest besiedelte. "Sein Ausweis beurkundet den Vogel als brutjüngsten deutschen Storch", berichtet Schaugstat. Ein farbberingter Schwede habe kurz bei Ganschow gastiert und die Stralsunder Beringungszentrale ins Grübeln gebracht. Bisherige Nachforschungen ergaben, dass Schweden keine freilebende Storchenpopulation hat. Man nimmt an, dass der Vogel zu einem Auswilderungsprojekt gehört.

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