Kein geteiltes Recht für Brummifahrer

Vor-Ort-Termin gestern in Parkow: 'Die geben hier richtig Gummi', sagt Bernd Gielow (l.). Bürgermeister Sebastian Constien (2.v.l.) hat Verständnis  für die Sorgen der Parkower. Er macht aber deutlich: Einschränkungen und Verbote gelten für alle Kraftfahrer und treffen damit auch die Einwohner selbst. Harri Schröder (r.) ist weiter skeptisch. Ralf Badenschier
Vor-Ort-Termin gestern in Parkow: "Die geben hier richtig Gummi", sagt Bernd Gielow (l.). Bürgermeister Sebastian Constien (2.v.l.) hat Verständnis für die Sorgen der Parkower. Er macht aber deutlich: Einschränkungen und Verbote gelten für alle Kraftfahrer und treffen damit auch die Einwohner selbst. Harri Schröder (r.) ist weiter skeptisch. Ralf Badenschier

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28. September 2010, 09:18 Uhr

Parkow | Ein kleines Dorf macht erneut mobil: Parkower wollen nicht, dass schwere Maistransporter auf ihrer nur drei Meter breiten Straße und dann weiter über den Landweg zur Biogasanlage nach Bützow rollen. Dass sie bei einem möglichen Verbot aber auch die eigenen Landwirte treffen, machte ihnen Bützows Bürgermeister Sebastian Constien gestern bei einem Vor-Ort-Termin klar.

"Es ist hier lebensgefährlich", sagt Harri Schröder, der bereits vor zwei Jahren mit anderen Einwohnern gegen die "Bio -Bomber" protestierte. "Ich musste schon einmal die Böschung hin aufspringen", erzählt Bernd Gielow. Gielow, Schröder und andere haben Angst um ihre Sicherheit und die ihrer Kinder und Enkelkinder. "Die Straße ist nur drei Meter breit, der Fußweg 1,40 Meter. Hier kann kein Fahrzeug ausweichen", sagt Harri Schröder. "Manchmal donnern die Laster im Minutentakt durchs Dorf. Warum können sie nicht über Bützow fahren? Das sind nur 1,6 Kilometer mehr."

Hintergrund: Mit dem Bau der Biogasanlage in Bützow fahren bedeutend mehr Laster durch das Dorf. Dagegen protestierten die Parkower bereits vor zwei Jahren. Seit dem gilt im Ort eine 30-km/h-Begrenzung. Das habe gar nichts gebracht. Die Brummifahrer geben "richtig Gummi", sagt Gielow. Besonders gefährlich wird es in den Kurven. Man sehe den Gegenverkehr nicht. Außerdem leiden die Straße, die zum Teil gepflastert ist, und der Gehweg unter den Lasten, sagt Schöder.

"Dass die Straße kaputtgefahren wird, das möchten wir auch verhindern", erklärt Bützows Bürgermeister. Es habe Gespräche mit dem Geschäftsführer der Bützower Wärme GmbH, Peter Dethloff, gegeben. "Er wollte mit dem Lohnunternehmen klären, dass nur die leeren Lkw durch Parkow fahren, die vollbeladenen über Langen Trechow."

Das ist den Parkowern zu wenig. Sie möchten die breiten Fahrzeuge ganz aus dem Dorf haben. Er werde durch den Landkreis prüfen lassen, ob rechtlich eine Breitenbegrenzung angeordnet werden kann, erklärte Sebastian Constien. "Aber bedenken Sie, das trifft dann auch Ihre eigenen Landwirte", macht Cons tien deutlich. "Ich kann doch unseren Landwirten nicht verbieten, hier langzufahren", erwidert Schröder. Geteiltes Recht gebe es aber nicht, erklärt der Bürgermeister unmissverständlich.

Als kurzfristige Maßnahmen sollen in Kurven Büsche und Bäume beschnitten werden, um die Sicht zu verbessern. Außerdem wolle man über Peter Dethloff auf die Brummifahrer einwirken, dass sie nur sehr langsam durch Parkow rollen, die vollbeladenen über Langen Trechow fahren. Klaus Rambow vom Ordnungsamt fordert die Parkower auf, auf dem "kurzen Weg" zu informieren, wenn sich die Brummi- und Traktorfahrer nicht daran halten. "Wenn es keine Einsicht gibt, machen wir die Straße dicht. Es geht um die Sicherheit der Parkower", sagt Constien. Eine generelle Umleitung durch Bützow sei aber verkehrstechnisch nicht machbar. Dann käme es dort zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Auch ein Durchgangsverbot für Parkow treffe wieder alle Kraftfahrer. "Also auch die Pkw-Fahrer. Wollen Sie das?", fragt Constien.

Zufrieden sind Harri Schröder und die Parkower, die im Kreis stehen, nicht. Sie blicken weiter skeptisch, als sie sich auf den Heimweg machen.

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