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Lokales

23. September 2017 | 02:25 Uhr

Kein Eis mehr im Dorf

vom

svz.de von
erstellt am 21.Jun.2010 | 07:41 Uhr

Hoppenrade | Er war Einkaufszentrum für die älteren Leute und Treffpunkt im Ort. Hier steht der Schaukasten der Gemeinde und sämtlich Aushänge und Anschläge von jedem, der etwas kundtun will: Der kleine Gemischtwarenladen von Anette Hacker in Hoppenrade. Seit gestern ist dessen Türen verschlossen.

Vorbei die Zeit, in der Dorfbewohner hier Neuigkeiten austauschten, Kinder sich fix ein Eis holten. Mit Wehmut, aber auch mit einem Blick nach vorn hat Anette Hacker am Sonnabend zum letzten mal die Tür verschlossen. Die Regale sind fast leer, keine Wurst, kein frisches Gemüse und kein Eis. "Es geht einfach nicht mehr", sagt Anette Hacker. Vier Worte, die symbolisch für so viele Prignitzer Tante-Emma-Läden stehen, die in den vergangenen Jahren schlossen.

"Ich arbeite hier seit 26 Jahren, mein halbes Leben", so Anette Hacker. Im September 1990 hatte sie den kleinen Dorfkonsum übernommen und "leider wurde es seitdem immer schwieriger".

Zwar kamen jeden Abend Leute und tranken hier ihr Feierabendbier. Aber meistens führte der Weg der Dorfbewohner nur dann in den kleinen Laden, wenn mal schnell was geholt werden musste. "Es werden immer weniger Leute, die hier wohnen. Die Alten sterben, die Häuser stehen leer oder werden an Berliner verkauft, die nur am Wochenende hier sind", erzählt die Verkäuferin eine für die Prignitz typische Geschichte. "Und wenn man hin und wieder nur eine Schachtel Zigaretten verkauft, kann man davon nicht leben", so Hacker.

Sicherlich sei die Schließung des Lädchens ein markanter Schritt in ihrem Leben, aber das gehe trotzdem weiter. Sie werde demnächst beim CJD Prignitz arbeiten.

Für die Menschen im Ort bedeute die Schließung dennoch einen Einschnitt. Plötzlich fehle der Mittelpunkt im Ort. Doch den Lauf der Dinge könne man nicht aufhalten, sagt Anette Hacker, und nur aus Liebhaberei könne sie den Laden nicht auch nicht weiter betreiben.

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