"Kaum noch Möglichkeit zum Sparen"

Arbeitet derzeit an Rostocks  Museumskonzept: Kultursenatorin Liane Melzer georg scharnweber
Arbeitet derzeit an Rostocks Museumskonzept: Kultursenatorin Liane Melzer georg scharnweber

von
07. April 2010, 08:20 Uhr

Rostock | Stellenabbau in den städtischen Museen und Gründung einer Theater-GmbH: Im Kulturbereich hat die Stadt in den vergangenen Jahren den Rotstift angesetzt. Liane Melzer (SPD), Senatorin für Jugend, Soziales und Kultur, spricht im Interview mit NNN-Volontärin Christine Weber über die Perspektiven, die es für die Kultur in der Hansestadt trotz Sparzwängen gibt.

Frau Melzer, die Zuschüsse von Bund und Land für die Kommunen sinken. In Rostock steigen gleichzeitig die Kosten - besonders im sozialen Bereich. Welche freiwilligen Leistungen müssen angesichts dieser Situation auf den Prüfstand?

Melzer: Die Ausgaben für Jugend und Soziales liegen in diesem Jahr bei 212 Millionen Euro. Gemessen an den Gesamtausgaben von 465 Millionen ist dieser Anteil groß. An diese Ausgaben kommen wir aber nicht ran, weil es Pflichtaufgaben sind. Das einzige, was wir tun können, ist eine genaue Analyse von Einzelfällen, um so effiziente und passgenaue Angebote zu schaffen. Freiwillige Leistungen betreffen vor allem die Kultur. Aber hier wurde in den vergangenen Jahren so viel gespart, dass ich kaum noch Möglichkeiten sehe.

Wer kann aus Ihrer Sicht denn einspringen, wenn die Stadtkasse derartig leer ist?

Das Engagement von Bürgern ist sehr hilfreich. Ich würde mich freuen, wenn die freie Wirtschaft die Kultur noch weiter unterstützen würde. Schließlich profitiert sie auch von einer lebendigen und attraktiven Kulturszene. Die Köpfe und Nachwuchskräfte, die die Unternehmen gewinnen wollen, kommen nur nach Rostock, wenn das Umfeld stimmt - wenn gute Kitas und Schulen für ihre Kinder da sind und das Kulturangebot interessant ist.

Das Theater ist seit dem 1. April eine GmbH, die Kunsthalle wird über einen Verein organisiert. Sind solche Modelle auch für andere städtische Kultureinrichtungen denkbar?

Bei den Museen halte ich es für äußerst schwierig, den Betrieb zum Beispiel ausschließlich über Stiftungen zu sichern. Nur durch eine Verselbstständigung bekommt man ja auch nicht mehr Geld. Bei Theatern sieht das aber anders aus. In Mecklenburg-Vorpommern sind ja fast alle Theater inzwischen GmbHs. Das halte ich für sinnvoll, wenn die Stadt hundertprozentiger Eigentümer bleibt. Schließlich gibt es dem Haus auch mehr Freiheiten, wenn es nicht als Amt der Stadt zum Beispiel den Zwängen einer vorläufigen Haushaltsführung unterliegt.

Läuft die Stadt mit solchen Modellen nicht Gefahr, genau in dem Bereich Einfluss zu verlieren, mit dem sie für sich werben will - um Touristen, Studenten und Unternehmen?

Das ist in der Tat eine Gefahr. Und sie steigt, je enger die finanziellen Spielräume sind. Beim Theater und der Kunsthalle behält die Stadt als Gesellschafterin beziehungsweise Eigentümerin ihre Steuerungsmöglichkeit. Es ist auch klar, dass ein Engagement aus der Wirtschaft kein Ersatz für die Förderung durch die Stadt sein kann. Gerade für Museen muss die Stadt weiter ausreichend Mittel bereitstellen. Denn die Austellungs stücke der Museen sind das Eigentum aller. Wir müssen sicherstellen, dass wir sie für alle präsentieren können.

Ein Museumskonzept der Stadt ist in Arbeit. Wie ist momentan der Stand?

Zurzeit sind wir in einer Phase, in der es einige Workshops dazu gibt. Wir haben uns auch Anregungen von Museumsdirektoren aus anderen Städten geholt. Einige Schwerpunkte kristallisieren sich heraus: Zum einen überlegen wir, wie wir das maritime Technikmuseum anders präsentieren können. Zum anderen hoffe ich, dass es gelingt, das Haus in der August-Bebel-Straße 1 zu sanieren zur Erweiterung des Kulturhistorischen Museums. Dort könnten die Geschichte der Hanse präsentiert werden und die große Böhmer-Sammlung zur "entarteten" Kunst.

Die Stelle der Leiterin des Kulturhistorischen Museums stand auch zur Debatte, als es um Personaleinsparungen zur Haushaltssicherung ging. Wie wollen Sie mit solchen Einschnitten umgehen?

Glücklicherweise hat die Bürgerschaft in ihrer letzten Sitzung beschlossen, dass die Stelle nach dem Ruhestand der Leiterin Heidrun Lorenzen wiederbesetzt wird. Ich hoffe nun, dass es dabei auch bleibt.

Die Mittel der freien Kinder- und Jugendarbeit fallen auch in Ihren Bereich. Bislang ist noch unklar, wie es mit dem Jugendalternativtzentrum (JAZ) weitergehen soll. Wie sehen Ihre Pläne aus?

Es ist vorgesehen, dass wir uns als Verwaltung noch einmal mit den Betreibern an einen Tisch setzen, um zu fragen: Was will das JAZ? Möglichst noch in diesem Monat. Ich hoffe, dass dieses Treffen auch bald zustande kommt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen