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Lokales

24. September 2017 | 07:12 Uhr

Karstädter Molkerei jetzt nordisch

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erstellt am 17.Mär.2011 | 10:12 Uhr

Karstädt/Upahl | Rückwirkend zum 1. Januar firmiert die Hansa-Milch Mecklenburg-Holstein eG, zu der neben dem Stammwerk Upahl auch die Molkerei Karstädt gehört, unter dem Namen Hansa Arla Milch eG. Es bedarf noch der Zustimmung der Kartellbehörde, um den Zusammenschluss endgültig zu vollziehen.

Auf ihrer Mitgliedervollversammlung in Travemünde Anfang März stimmten 96 Prozent der anwesenden 355 (von rund 1200) Milchbauern für einen Zusammenschluss mit Arla Food amba. Hinter der skandinavischen Molkereigenossenschaft - tätig auch in Großbritannien, Finnland sowie Polen und bekannt u. a. mit Käsespezialitäten wie Buko, Castello oder Höhlenkäse - stehen rund 7200 Milcherzeuger aus Dänemark und Schweden. Auf der zeitgleich in Billund (Dänemark) stattfindenden Arla-Vollversammlung stimmten alle Anwesenden für eine Fusion mit Hansa Milch. Deren Vorstandsvorsitzender Uwe Krause wertet den Zusammenschluss als "Grundstein für erfolgreiches Wachstum und Stärkung der Marktposition". Durch den Zusammenschluss erhalten die Genossenschaftsmitglieder eine unbefristete Milchabnahmegarantie auch über das Ende der Quote 2015 hinaus. Das gebe Planungssicherheit für deren betriebliche Entwicklung. "Außerdem sichert Arla einen Milchauszahlungspreis auf der selben Berechnungsgrundlage wie für die dänischen und schwedischen Mitglieder zu", erklärt Manfred Remus, Vorstand der Hansa Milch AG.

Nach Aussage von Arla-Chef Peder Tuborgh lag der Preis in den vergangenen Jahren meist über dem von Hansa-Milch, so dass die deutschen Mitgliedsbetriebe künftig mit mehr Geld rechnen können. Neben der breiten Fusionszustimmung legten etwa 40 Mitglieder Widerspruch ein. Zu ihnen gehören Uwe Kessler aus Pirow und Helge Dieckmann aus Berge.

Der Pirower Agrarchef will sich mit dem formellen Widerspruchsrecht Bedenkzeit schaffen, bevor er vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch macht oder nicht. Helge Dieckmann aus Berge, der in Brunow 3,5 Millionen Kilogramm Milch erzeugt, will das Sonderkündigungsrecht nutzen. "Sicherlich ist eine Bündelung von Molkereipotenzial gegenüber dem Einzelhandel wichtig. Es wurden viele Versprechungen gemacht, doch kein Nachweis erbracht, dass wirklich mehr für uns herauskommt", meint Dieckmann. Er kritisiert, dass mit der Fusion das Anlagevermögen von 42 Millionen Euro der Hansa Milch eG bei Arla zum Nulltarif eingebracht wurde. Ebenso monierte der Landwirt, dass die Hansa-Mitglieder in der Vertreterversammlung und im Aufsichtsrat zahlenmäßig gering vertreten sind. Für ihn sei die Rohmilcherfassung in einer Erzeugergemeinschaft und der Verkauf an Molkereien die bessere Variante, um bestmögliche Preise zu erzielen.

Lothar Pawlowski, Vorsitzender der Agrargenossenschaft Karstädt, mit knapp 10 Millionen Kilogramm Milch größter Milcherzeugerbetrieb der Prignitz, wertet die Fusion als "Chance, die zu nutzen richtig war". "Hätten wir nicht zugestimmt, hätte sich Arla einen anderen Partner gesucht." Bereits jetzt habe das skandinavische Unternehmen in Deutschland einen Marktanteil von zwölf, in Großbritannien gar von 46 Prozent. Erfolgreich bestehen könne man am zunehmend globalisierten Markt nur in leistungsfähigen größeren Strukturen, so der Karstädter. Er verweist auf die Anfang Februar beschlossene Fusion der Nordmilch eG mit Humana zu Deutschlands größtem Molkereiunternehmen, der Deutschen Milchkontor GmbH. "Arla verfolgt sehr ambitionierte Wachstumspläne, einbezogen darin sind sowohl Upahl als auch Karstädt", unterstreicht Hansa Milch-Sprecher Michael Frölich. So wolle Arla den 2010 erzielten Umsatz von 6,6 Milliarden Euro auf zehn Milliarden Euro im Jahr 2015 steigern.

Weitere deutsche Vertreter in den Leitungsgremien würden nichts an der gemeinsamen Zielsetzung ändern, einen hohen Milchpreis zu erwirtschaften", meint Frölich zur Kritik Dieckmanns.

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