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Hamburger Club hat Hoheit über Groß Labenzer See : Kapitale Hechte für Angler tabu

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Angler müssen die ganz großen Fische zurück in den Groß Labenzer See setzen. Wer einen kapitalen Fisch an der Angel hat, darf ihn nicht verwerten. Kritiker sprechen von Trophäenfischerei: Geangelt werde nur für das Foto.

svz.de von
erstellt am 31.Mär.2011 | 07:10 Uhr

Groß Labenz | Angler müssen die ganz großen Fische zurück in den Groß Labenzer See setzen. Das gilt für Hechte über 90 Zentimeter, Karpfen über 60 Zentimeter und Schleie über 45 Zentimeter. Der Deutsche Karpfen Angelclub e.V. 1989 aus Hamburg (DKAC), der diesen See übernommen hat, hat anders als der Landesanglerverband Mecklenburg-Vorpommern (LAV) nicht nur Mindest- sondern auch Höchstmaße festgesetzt. In der Praxis bedeutet das: Wer einen kapitalen Fisch an der Angel hat, lässt sich damit fotografieren, darf den Fang ansonsten aber nicht weiter verwerten. Kritiker sprechen von Trophäenfischerei: Geangelt werde nur für das Foto.

An den 24 000 Hektar Gewässern zwischen Elbe und polnischer Grenze, die der LAV unter Regie hat, wird es solche Höchstmaße auch in Zukunft nicht geben, wie GeschäftsführerAxel Pipping gegenüber SVZ erklärte. Er hält die Praxis am Labenzer See für bedenklich. Ein ein Meter großer Hecht wehre sich am Haken und verletze sich. Wenn er zurück gesetzt wird, könne der Fisch qualvoll an einer Pilzvergiftung verenden.

Die Hamburger Angler begründen die Festlegung von Höchstmaßen mit der Hege. Die Laichfische sollen im See belassen werden, so der Vorsitzende des Karpfenangelclubs Carsten Röwe. "Wir wollen Nachhaltigkeit erreichen." Irgendwann müsste der Fischbesatz dann nicht mehr von außen geregelt werden, hofft er. Er spricht sich gegen eine maßlose Gier aus, möglichst viele Fische aus Seen zu holen. Wer in Groß Labenz angelt, darf maximal zwei Edelfische wie Karpfen, Hecht, Zander oder Schleie am Tag entnehmen. In anderen Ländern Europas sei es üblich, dass Höchstmaße festgelegt werden, so Röwe. Auch eine große Berufsfischerei in Mecklenburg-Vorpommern habe solche Festlegungen. Der Hamburger hofft, dass sich noch mehr Vereine dem anschließen.

Auch die Vereinsspitze im Sportanglerverein 90 Warin e.V (SAV) hat offenbar keine Probleme mit der seit über einem Jahr geltenden Praxis in Labenz. "Die großen Fische haben die besseren Gene und geben sie an ihre Kinder weiter", so Frank Schildt aus dem Vereinsvorstand. Seiner Meinung nach sollten auch die Mindestmaße für Hechte, die der Landesanglerverband auf 50 Zentimeter festgelegt hat, erhöht werden auf mindestens 60 Zentimeter, wie sie derzeit auf dem Großen Labenzer See gelten. Dadurch würde man auf Dauer weniger Fischbesatz brauchen und Kosten sparen, meint Schildt.

"Ich glaube, wir haben eine gute Lösung gefunden", sagt der Fischer vom Groß Labenzer See Walter Piehl. Die Regelungen seien mit ihm abgesprochen. Der Labenzer See habe ein großes Nahrungsangebot, sei sehr tief und habe auch für den Hecht reichlich Möglichkeiten. Man müsse nicht alle großen Fische töten. Für den Fischer gelten die Höchstmaße übrigens nicht.

"Große Fische blockieren Nischen", meint hingegen Landesanglerchef Axel Pipping. Wo ein Riesenhecht ist, hätten mehrere mittlere keine Chance. Für die Reproduktion hätten große Fische zudem wenig Bedeutung, so der Geschäftsführer. Das sei wie bei älteren Menschen. Auch die durch Hamburger eingesetzten Karpfen sieht Pipping als wenig zukunftsträchtig. Der Labenzer See sei zu kalt für ihre Fortpflanzung. Diese Fischart benötige im Juli Wassertemperaturen zwischen 22 und 24 Grad.

Bis 2009 konnte man noch mit der Angelkarte des LAV auf dem Labenzer See angeln. Der Verband hatte eine entsprechende Vereinbarung mit Fischer Walter Piehl geschlossen. Da nur noch relativ wenige einheimische Angler den See nutzten und der Preis, den der Verband an den Fischer zahlen sollte, dem LAV zu hoch war, schloss Piehl schließlich einen Vertrag mit den Hamburgern.

Der Verein aus der Hansestadt will auch weiter jedem Interessenten das Angeln auf dem Groß Labenzer See gestatten, versicherte Röwe. Die Berechtigung dafür kann an den Karpfenteichen in Labenz und in einem Wariner Angelgeschäft erworben werden.

Frank Schildt vom größten Wariner Angelverein spricht von einer guten Zusammenarbeit. Der Wariner Verein erhält für seine Mitglieder von den Hamburgern Jahreskarten zur Hälfte des Preises, den Fremde zahlen.

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