Kapelle für alle Religionen der Welt

Ein Gongschlag zur Grundsteinlegung der Kapelle im Wald bei DrenkowDetlef Schumann
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Ein Gongschlag zur Grundsteinlegung der Kapelle im Wald bei DrenkowDetlef Schumann

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28. Juli 2010, 01:57 Uhr

drenkow | Die Landbau Gemeinschaft Parchim Putlitz e.V wurde vor sieben Jahren mit dem Ziel gegründet, ein kulturelles und pä dagogisches Angebot für Jugendliche in der ländlichen Region von Parchim und der nördlichen Prignitz anzubieten. Ihren Sitz hat die Gemeinschaft auf dem SiebenGiebelhof in Drenkow. Jetzt wird ein Erlebnis- und Lehrpfad auf den angrenzenden Wald- und Wiesenflächen des Hofes entstehen und die Jugendarbeit schlüssig ergänzen. Eine für alle Glaubensrichtungen offene Kapelle soll nach den Sinneserfahrungen des Lehrpfades ein Ort der Stille werden, um "nach innen zu horchen", wie es Jörg Grigat vom SiebenGiebelhof formuliert.

Grigat und die Mitstreiter der Landbau Gemeinschaft möchten mit dem "Kapellchen", für das der Grundstein jetzt gelegt wurde, ein Forum schaffen, an dem alle Religionen in der Region mitwirken können. Warum diese konfessionstolerante Form? Jörg Grigat argumentiert, dass die institutionalisierten Religionen bisher keinen Frieden in der Welt haben schaffen können. Also sollten sich alle Menschen zusammentun und verkünden, dass sie Krieg ablehnen. Ganz klein und bescheiden kann nun die Drenkower Kapelle eine Brücke über die Abgrenzungen, die zwischen den Gemeinsamkeiten stehen, schlagen: Gemeinsamkeiten suchen, statt Trennendes zu betonen.

Der sechseckige Bau steht aber nicht ohne Grund an der Strecke des künftigen Lehrpfades. Die dort gesammelten vielfältigen und tiefen Sinneserfahrungen brauchen einfach einen Ort der Stille, um von den Besuchern verarbeitet zu werden. Jörg Grigat ist sich sicher: "Ich bin dann sehr schnell bei der Frage: Wer bin ich? und: Was ist wahr?" Die Besucher können viele im heutigen hysterisch-hektischen Alltag verlorengegangenen Erfahrungen und Sinne wiederentdecken. Und sie finden dann vielleicht eine andere Perspektive auf unsere Umgebung.

Mit dem Bau des 1,8 Kilometer langen Lehrpfades knüpft die Landbau Gemeinschaft an ein uraltes pädagogisches Konzept - das der bäuerlich-landwirtschaftlichen Großfamilie - an. In einer natürlichen und eben nicht, wie zum Beispiel die Schule, einer künstlich geschaffenen Umgebung, wird den Jugendlichen ermöglicht, einen intimen intuitiven Zugang zu Sinn und Notwendigkeit des Lebens zu entwickeln.

Auf dem SiebenGiebelHof, wo die Milch der 20-köpfigen Kuhherde in der Hofkäserei vollständig zu verschiedenen Milchprodukten verarbeitet wird, wo sich der Weg des Getreidekorns von der Aussaat über Ernte, Reinigung, Mühle bis hin zum Brot, das in einem uralten mit Feuer beheizten Ofen gebacken wird, verfolgen lässt, lernen gerade die Jugendlichen, die aus stark belasteten sozialen Verhältnissen stammen, dass so viele Arbeiten sinnvoll und notwendig sind: Damit das große Ganze funktioniert, damit die Tiere gesund bleiben und der eigene Abendbrottisch gedeckt sein kann.

Über das Erlernen dieser durchaus als schön empfundenen Notwendigkeit entwickeln die Jugendlichen ein eigenes Gespür für Verantwortung, Ästhetik, Geschmack und Lebenslust. Die Landbau Gemeinschaft verknüpft damit die Hoffnung, dass diese Jugendlichen zukünftig in der Lage sein werden, ihre Aufgaben in unserer Gesellschaft ebenso zielsicher zu finden und verantwortungsbewusst wahrzunehmen. Eröffnet wird der Erlebnis- und Umweltlehrpfad voraussichtlich im nächsten Jahr.

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