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Befahren von sensiblen Flussläufen eingeschränkt : Kanuverleiher schützen Bachmuschel

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Kanuverleiher aus dem Sternberger Seenland wollen helfen, die vom Aussterben bedrohte Bachmuschel zu retten. Das war Konsens einer Beratung zum Auftakt der Wasserwandersaison 2011 im Naturparkzentrum in Warin.

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erstellt am 24.Mär.2011 | 08:19 Uhr

Warin | Kanuverleiher aus dem Sternberger Seenland wollen helfen, die vom Aussterben bedrohte Bachmuschel zu retten. Das war Konsens einer Beratung zum Auftakt der Wasserwandersaison 2011 im Naturparkzentrum in Warin.

Die Bachmuschel war ursprünglich deutschlandweit und in ganz Mecklenburg verbreitet, erklärte Katrin Runze vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG). Inzwischen gibt es sie in manchen Bundesländern gar nicht mehr, in anderen ist sie vom Aussterben bedroht. Neun Zehntel der deutschlandweiten Bestände sind in Mecklenburg-Vorpommern, so in der Löcknitz, in der Nebel und in der Warnow. "Wir haben eine ganz große Verantwortung", so Runze. Nur noch 19 Vorkommen seien im Land erhalten, davon nur noch elf mit jungen Muscheln.

Im Naturpark Sternberger Seenland gibt es von der vom Aussterben bedrohten Art neben der in der Warnow größere Bestände im Teppnitzbach und der Bresenitz. In der Bresenitz mit fast 90 000 Flussmuscheln und einem gesunden Altersaufbau der Bestände steckt nach Auffassung der Fachleute sogar ein Potenzial, über das eine Wiederbesiedlung der Mildenitz erfolgen könnte.

Der Schutz der Muschelbänke ist ein Teil einer freiwilligen Vereinbarung, den Kanuanbieter aus dem Sternberger Seenland Ende April unterzeichnen wollen. Die Verleiher verpflichten sich darin u.a., besonders sensible Flussläufe überhaupt nicht mehr bzw. nur bei ausreichendem Wasserstand zu befahren. Das betrifft auch das Warnowdurchbruchstal bei Görnow. "Wenn man sich selbst Regeln gibt, kann es auch den Wert dieser Strecke demonstrieren", erklärte Kanuverleiher Sven-Eric Muskulus. Die Kanuanbieter könnten ihren Kunden auf diese Weise zeigen, dass es in der Region etwas besonderes gibt.

Laut Wolfgang Klein vom Kanucamp Sternberger Burg könne es nicht angehen, dass die Kanuanbieter eine Selbstverpflichtung eingehen, während andere weiter machen, was sie wollen. Er sprach dabei u.a. Probleme mit Krautungen an den Wasserläufen an.

Die Bachmuscheln benötigen eine intakte Umwelt. Katrin Runze nannte als Voraussetzung für ihre Entwicklung u.a. stuktur-, sauerstoffreiche und naturnahe Bäche, die schnell bis mäßig fließen. Der Nitratgehalt muss sehr niedrig sein, die Gewässersohle kiesig-sandig und darf nicht durch Schlamm verstopft sein. Zudem benötigen die Larven der Muscheln Wirtsfische wie Döbel, Stichlinge und Rotfedern. "Wenn die Fische nicht da sind, funktioniert das System nicht", so Runze. Sie nennt als Gründe für die Gefährdung der Muschel u.a. Gewässerausbau, Grundberäumung, Krautungen, nach denen zuweilen Tausende Bachmuscheln an Land liegen, Eintrag von Nährstoffen von angrenzenden Flächen und Sedimenten aus Drainagen aber auch den Bootsverkehr.

Es gibt noch viel zu klären, um die Bachmuschel vor dem Aussterben zu retten, war in Warin zu hören. Von der Anpassung der Gewässerunterhaltung bis hin zur Verringerung der Nährstoffeinträge - z. B. durch das Anlegen von Randstreifen.

Bernhard Fiedler vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) Westmecklenburg sagte, es sei schade, dass es bisher nicht gelungen ist, auch die Angler mit ins Boot zu holen. Dabei geht es nicht nur um Schäden, die entstehen, wenn Angler auf den Muschelbänken stehen, sondern auch um die Regulierung des Fischbesatzes. Torsten Ode vom Verein für Salmoniden- und Gewässerschutz, der einen Teil der Fließgewässer betreut, signalisierte Bereitschaft zur Mitarbeit.

"Wir als Kanuanbieter haben eine Basis geschaffen", meinte Sven-Erik Muskulus zur unterschriftsreifen Vereinbarung, die u.a. auch beinhaltet, dass die Verleiher nachts keine Boote ins Seengebiet schicken. So sollen auch andere geschützte Arten Ruhe bekommen: der Biber und der Otter. Sie sind nachtaktiv.


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