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Lokales

17. Oktober 2017 | 09:59 Uhr

Kampf gegen Freileitung geht weiter

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erstellt am 04.Aug.2010 | 05:26 Uhr

Prignitz | Um die von E.ON edis geplante 58 Kilometer lange Hochspannungsfreileitung Perleberg - Gantikow - Wittstock (der "Prignitzer" berichtete) war es ein Jahr lang still geworden. Nachdem ein Runder Tisch aus Vertretern der Landkreise Prignitz und Ostprignitz-Ruppin, der Bürgerinitiative "Hochspannung tief legen" mit Dr. Rainer Schneewolf, Rainer Still und Clemens Wehr sowie des Netzbetreibers bei insgesamt sechs Treffen Argumente gesammelt und ausgetauscht hatte, erwirkte E.ON edis ein Aussetzen des Genehmigungsverfahrens für eine Freileitung und gab bei der TU Hannover ein Gutachten in Auftrag, das die Frage beantworten sollte, ob eine Erdkabelleitung nicht mehr als 1,6 mal so teuer werden würde wie eine Freileitung.

Das Ergebnis wurde beim letzten Treffen des Tisches präsentiert: Der Wirtschaftlichkeitsvergleich der Professoren Oswald und Hofmann ergab für eine Erdverkabelung einen Mehrkostenfaktor von 1,93 gegenüber dem vom Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG), das die Weichen für eine häufigere Erdverkabelung stellen soll, zugelassenen 1,6. Daher wird E.ON edis das Genehmigungsverfahren für eine Freileitung jetzt weiter betreiben. Das teilte Schneewolf, Sprecher der Bürgerinitiative, in einem Schreiben mit. "Uns rennt die Zeit davon. Wir müssen versuchen, Druck aufzubauen", sagt Dr. Schneewolf. Die Bürgerinitiative will sich noch in dieser Woche treffen

Die Prignitz- und Ostprignitzer Vertreter um Landrat Hans Lange, Ines Lehmann (Bauordnungs- und Planungsamt OPR), die Bürgermeister Holger Kippenhahn (Heiligengrabe), Gudrun Hoffmann (Plattenburg) und Stefan Freimark (Gumtow) stellten Überlegungen an, ob man die Kosten, die über den Faktor 1,6 hinausgingen, nicht von dritter Seite hereinholen könnte. Eine Anfrage der Bürgerinitiative bei der Bundesnetzagentur, die über die Umlegbarkeit von Mehrkosten entscheidet, ergab, dass ein solches Modell denkbar sei. "Doch hat es E.ON edis nicht gestattet, außer dem Faktor 1,93 sonstige Daten aus dem Gutachten, das der Runde vorliegt, an Dritte weiterzugeben, da das Gutachten auch Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse enthalte. So sind sie weder in der Lage, potenziellen Sponsoren zu sagen, welche Summe denn gebraucht würde, noch können sie das Gutachten gegenprüfen lassen", erklärte Dr. Schneewolf die Situation.

Die Bürgerinitiative "Hochspannung tief legen" hatte bis zum Frühjahr 2009 von Haus zu Haus 1900 Unterschriften für eine Erdverkabelung gesammelt. Trotzdem standen die Chancen schlecht, die Leitung unter die Erde zu bekommen: Hochspannungsleitungen (110 kV) werden in Deutschland prinzipiell als Freileitungen gebaut. Die Mehrkosten einer Erdkabelleitung gegenüber einer Freileitung darf ein Netzbetreiber nur dann auf den Strompreis umlegen lassen, wenn zum Beispiel größere Städte oder hochrangige Schutzgebiete durchquert werden.

Trotz des Gutachtens will die Bürgerinitiative weiter kämpfen. "Die Lokalpolitik steht dahinter", weiß Dr. Schneewolf sich und seine Mitstreiter nicht allein. Und Verantwortungsträger stehen dazu. "Um zusätzliche Belastungen für die Umwelt zu vermeiden, wäre eine Erdverkabelung sinnvoll", antwortet Torsten Uhe, 1. Beigeordneter des Landrats, auf die "Prignitzer"-Anfrage. Auch Stefan Freimark, Bürgermeister der von der Leitung betroffenen Gemeinde Gumtow, unterstützt die Bürgerinitiative: "Die Erdverkabelung war eigentlich immer unser Ziel", sagt er. Die zusätzlichen Gelder, die durch Faktor 1,93 entstehen, können seiner Meinung nach aber nicht der "Kreis oder die Kommunen aufbringen. Das müsste schon durch Fördergelder des Bundes finanziert werden", erklärt Freimark.

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