zur Navigation springen
Lokales

17. Dezember 2017 | 22:37 Uhr

Kalle und die Heidschnucken

vom

svz.de von
erstellt am 21.Mai.2010 | 07:48 Uhr

Polz | Border Collie Kalle liegt schläfrig im Fond des Geländewagens und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Nicht durch den holprigen Feldweg, über den das Auto von links nach rechts schaukelt und auch nicht von dem Heidschnucken-Lamm, das neben ihm hockt und neugierig den Kopf durch die Kopfstützen der Vordersitze steckt. Hinter dem Steuer sitzt Gabriele Heine-Meyer. Einmal mehr fährt sie an diesem Tag zu einer riesigen Wiese bei Polz, um zu schauen, ob es ihren Schafen gut geht. Ihre Schafe, das sind Heidschnucken, Moorschnucken und Skudden, rund 200 Muttertiere und noch einmal so viele Lämmer. Um sie im Zaum zu halten, braucht die Öko-Landwirtin einen geschulten Aufpasser. Der Hütehund ist Kalle, und alles andere als schläfrig, wenn er die Herde sieht.

Das hüfthohe Schafsknotengitter steht unter Strom und ist für Kalle weder eine Gefahr noch ein Hindernis. Aus vollem Lauf springt das Tier über den Zaun, kauert sich ins Gras und wartet auf einen Befehl. Gabriele Heine-Meyer streckt den rechten Arm aus und schon jagt das Tier mit dem schwarz-weiß-brauen Fell los, um die Herde zusammenzutreiben. Waren die Tiere gerade noch über den eineinhalb Fußballfelder großen Pferch verteilt, so hat der Hütehund innerhalb kürzester Zeit die Schafe zu einem dichten Pulk versammelt. "Vor Kalle haben sie Respekt", sagt Gabriele Heine-Meyer, die jeden Morgen einen neuen Pferch auf der Naturschutzfläche aufzieht, damit sich ihre Schafe an frischem Gras satt essen können. Und während die Herden-Besitzerin den Pferch absteckt, passt Kalle auf, dass kein Tier Reißaus nimmt.

Das Aufpassen liegt diesem Hund im Blut, denn der Border Collie, der seinen Ursprung in Großbritanien hat, gehört zur Rasse der Arbeits- und Hütehunde. Kalle ist zweieinhalb Jahre alt, kommt aus einer Zucht in Schleswig-Holstein und hat mit Vater Jim und Mutter Rose Eltern, die regelmäßig an Hütehund-Wettbewerben teilnehmen. Im Alter von acht Wochen kam Kalle zur Familie Heine-Meyer auf den Arche Hof in Liepe. Trotz seiner angeborenen Fähigkeiten, musste das Tier schon im Welpenalter trainiert werden, damit es später all das kann, was von ihm erwartet wird: Schafe einkreisen, die Herde teilen, einzelne Tiere herausholen. "Der Hund wurde spielerisch und ohne Zwang ausgebildet", sagt Gabriele Heine-Meyer. Für jedes Erfolgserlebnis - das hat sich bis heute nicht geändert - gibt es eine Belohnung. Mal ist das ein Leckerbissen, mal ein Spielzeug oder auch eine Streicheleinheit.

"Dieses Tier ist nicht im geringsten aggressiv", betont die Öko-Landwirtin. Dass nicht alle Hunde so sind, hat sie im vergangenen Jahr erleben müssen, denn mehrere Dutzend ihrer Schafe wurden nahe der Kalisser Heide von zwei Hunden gerissen. Der Schock saß tief, doch ans Aufhören dachte Gabriele Heine-Meyer nicht. Sie kümmert sich weiter um ihre Heidschnucken-Herde - und Kalle auch.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen