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Lokales

23. September 2017 | 07:39 Uhr

Junge Ärzte in die Prignitz locken

vom

svz.de von
erstellt am 28.Okt.2010 | 08:06 Uhr

Prignitz | Der Ärztemangel in den berlinfernen Regionen des Landes ist in aller Munde. Man spürt ihn an vielen Stellen bereits jetzt. In fünf bis zehn Jahren jedoch werde die Prignitz noch sehr viel stärker als bisher betroffen sein, konstatiert der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Professor Michael Schierack. Auf Initiative des Prignitzer CDU-Landtagsabgeordneten Gordon Hoffmann und in Kooperation mit der Jakob-Kaiser-Stiftung diskutierte er am Mittwochabend in Perleberg mit Medizinern sowie Vertretern der Krankenkassen, Ärztekammer und der kassenärztlichen Vereinigung Ideen, wie dem Problem beizukommen sei.

"Kurz nach der Wende hatten wir hier eine Niederlassungswelle. Die Haus- und Fachärzte waren damals zwischen 35 und 45 Jahre alt. Jetzt, 20 Jahre danach, kann man sich ausrechnen, wann die Mediziner in den Ruhestand gehen." Ärztenachwuchs in die Provinz zu locken, sei nach wie vor nicht einfach, aber machbar. Dabei sieht Schierack den Staat in der Pflicht, und zwar in vielfacher Hinsicht. Da Brandenburg keine eigene medizinische Fakultät habe und deren Installierung derzeit auch nicht finanzieren könne, plädiert er für einen Staatsvertrag mit Berlin. Es gebe zwar eine Übereinkunft beider Länder, die besagt, dass Berlin den Part der Ärzteausbildung und Brandenburg den der medizinischen Rehabilitation übernehme, "aber das reicht nicht." Bei der Auswahl potenzieller Medizinstudenten müsse man außerdem als Kriterien, neben dem Schulabschluss, künftig die soziale Kompetenz sowie den Einsatzwillen in einer unterversorgten Region ins Kalkül ziehen. Dass solche Kooperationen funktionieren, beweist die Zusammenarbeit des Kreiskrankenhauses Prignitz mit der medizinischen Fakultät der Uni Rostock. Darüber berichtete Geschäftsführer Wolfgang Korzen.

Michael Schierack führte zudem ins Feld, dass die Facharztausbildung zum Allgemeinmediziner dringend spezifiziert und gestrafft werden müsse. "Das können wir zwar vor Ort nicht direkt beeinflussen, aber man muss es angehen", so der Experte. Dem pflichtete Dr. Eckhard Haufe bei. Der Allgemeinmediziner arbeitete von 1976 bis 2005 in Perleberg als Hausarzt, sitzt für die CDU im Kreistag und im Stadtparlament. Der Landarztposten, so Haufe, war früher sehr begehrt, man bekam einen Zuschlag, ein Auto, arbeitete selbstständig. Über Zulagen, ein Startkapital oder sogar ein Landarzt-BaföG wäre auf jeden Fall nachzudenken. Dabei sieht der Perleberger jedoch, ebenso wie Schierack, den Staat regulierend in der Pflicht.

Für Michael Schierack war es dieses Jahr bereits der zweite Besuch in der Prignitz. Im Frühjahr gab es im Raum Pritz walk eine Veranstaltung zum gleichen Thema. "Wir untersuchen seit einem Jahr gezielt die berlinfernen Regionen unter dem Aspekt des Ärztemangels", verdeutlicht Schierack.

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