zur Navigation springen

Jugendhilfe: Rostocker wehren sich gegen Sparpläne

vom

svz.de von
erstellt am 06.Feb.2013 | 12:14 Uhr

Kann die Sexualberatung an Rostocker Schulen in diesem Jahr noch geleistet werden? Diese Frage stellen sich Henning Witte und seine Mitstreiter vom Verein Rat und Tat. Mehr als 1000 Schüler erreicht dessen Projekt „Sex and Love“ im Jahr. Doch der Verein hängt – wie viele andere Träger der Jugendhilfe – finanziell in der Luft.

Grund dafür ist der Sparkurs im Rostocker Rathaus. Zwar hat die Bürgerschaft in der vergangenen Woche beschlossen, den Etat für die Kinder- und Jugendhilfe gegenüber dem Verwaltungsvorschlag um 140 000 Euro zu erhöhen, und Rat und Tat dabei 17 000 Euro bereitzustellen. Doch um alle Projekte und Personalstellen in der Rostocker Jugendhilfe weiter zu finanzieren, reichen die Zuschüsse von insgesamt 5,9 Millionen Euro nicht aus. Und ob Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) Widerspruch gegen den Haushaltsbeschluss einlegt, ist auch noch nicht klar. Damit bleiben alle Fördermittel erst einmal weiter in der Schwebe.

Wie die Stadtteil- und Begegnungszentren, Vereine, Jugendclubs und Beratungsstellen in Rostock trotz der ungeklärten Finanzlage schnell an Geld kommen, hat der Jugendhilfeausschuss der Bürgerschaft gestern in einer außerplanmäßigen Sitzung beraten. „Wir wollen dafür sorgen, dass die Träger sofort für ihre Tätigkeit bezahlt werden“, sagte Steffen Ohm (Linke). Denn bislang arbeiten die Vereine und Institutionen ohne Zuwendungsbescheide – und damit ohne zu wissen, wie viel Geld ihnen in diesem Jahr zur Verfügung steht. Achtmal waren beispielsweise die Sexualberater von Rat und Tat in diesem Jahr schon im Einsatz. „Wir sind an Schulen gegangen. Dort klären wir über Homosexualität und Safer Sex auf“, sagt Henning Witte, der eine von zwei Viertel-Stellen für die Sexualberatung innehat.

Der Ausschuss fasste gestern den Beschluss, die Projekte zunächst bis Juni dieses Jahres zu fördern. Grundlage für die Förderhöhe soll das so genannte Unterdeckungsverfahren sein. Dieses setzt die Priorität auf die Jugendarbeit in den Sozialräumen, sieht aber Kürzungen in anderen Bereichen – etwa bei Rat und Tat – vor. Parallel sollen alle Angebote innerhalb dieser sechs Monate noch mal auf den Prüfstand gestellt werden – um zu entscheiden, auf welche Angebote in Zukunft wegen des Geldmangels verzichtet wird. „Dabei geht es um den Inhalt jedes einzelnen Projekts“, sagte Ausschussmitglied Susanne Wolff. „Während der Prüfung muss die Finanzierung gesichert sein. Nur so verhindern wir, dass in der Zwischenzeit Angebote unkontrolliert wegbrechen, weil die Träger insolvent gehen“, betonte Katrin Schankin vom Rostocker Stadtjugendring.

Die Stadtverwaltung sagte nach dem gestrigen Beschluss zu, die Förderbescheide jetzt so schnell wie möglich auszustellen. Kultursenatorin Liane Melzer (SPD) kündigte an, in den nächsten Wochen Gespräche mit allen Trägern zu führen. Diese sollen Grundlage sein für die anstehende Entscheidung, wo Rostock dauerhaft den Rotstift ansetzt. „Die Gespräche wollen wir jetzt abwarten“, sagt Witte. Gleichzeitig hoffen er und seine Mitstreiter auf einen rechtsgültigen Haushaltsbeschluss für dieses Jahr mit der erhöhten Fördersumme für Rat und Tat. Denn sonst, so befürchtet er, blieben nur noch zwei Achtel-Stellen. Und damit könne die Aufklärungsarbeit an Schulen nicht mehr geleistet werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen