Jugend sucht Abenteuer in der Ferne

Die Groß Godemserin Laura Gröger (li.) hat während ihres Schüleraustausches in den USA viele neue Freunde gefunden. privat
Die Groß Godemserin Laura Gröger (li.) hat während ihres Schüleraustausches in den USA viele neue Freunde gefunden. privat

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02. März 2010, 11:32 Uhr

Parchim | In Zeiten globaler Vernetzung fällt die stetig schrumpfende Entfernung zwischen Ländern und Kontinenten auf. Ein Flug nach London beläuft sich heutzutage mitunter auf die gleichen Kosten wie eine Zugfahrt nach Berlin und ein Weiterkommen auf beruflicher Ebene scheint ohne Auslandserfahrungen nahezu unmöglich. So ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Jugendliche das Abenteuer in der Ferne suchen. Doch reicht ein zweiwöchiger Urlaub nicht aus, um sich mit Land, Leuten und der Sprache vertraut zu machen. Glücklicherweise steht den Interessierten eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Verfügung, in die Kultur eines anderen Landes einzutauchen. Ob es die Arbeit als Au Pair ist, die Variante des "Work and Travel" oder das selbstorganisierte Reisen als Rucksacktourist alias "Backpacker". Die wohl aber am häufigsten gewählte Form ist die des Austauschschülers, dem der Einblick in das Zusammenleben einer anderen Familie und dem Schulalltag gewährt wird.

Ein amerikanischer Traum

Warum ausgerechnet Amerika dabei eine magnetische Wirkung auf junge Menschen ausübt, begründet Austauschschülerin Franziska Lompart (19) mit der "Größe des Landes" und den "Extremen". Auch Steffi Hastädt (20) schwärmt von den "unterschiedlichen Landschaften" und ebenso "unterschiedlichen Menschen". Für die zwei, genauso wie für Laura Gröger (20), Vivien Runnwerth (17) und Sophie Lübcke (20) standen für ihren schüleraustausch von Anfang an die USA ganz oben auf der Wunschliste. Zugeben müssen sie alle, dass ihre Entscheidung nicht unwesentlich von Filmen beeinflusst wurde.

Sophie hat bereits im Alter von zwölf Jahren von der Möglichkeit eines Austauschjahres gehört und war "sofort von der Idee fasziniert". Obgleich die Vorstellung, ein Jahr in einem fremden Land zu leben, genauso beängstigend sein kann, war es für sie ein besonderer Reiz. 2006 verließ Sophie dann Siggelkow, um in ihre neue Heimat Spearfish in South Dakota aufzubrechen. Im selben Jahr begann auch für Laura aus Groß Godems ein neues Leben in Reading, Pennsylvania, genauso wie für die Ziegendorferin Steffi in Mississippi im beschaulichen Ort Fulton.

Bei der Frage nach den Erwartungen ließen sich die Vorstellungen von einem Jahr in der Fremde kaum auf einen Nenner bringen, doch hofften alle auf eine Verbesserung der Englischkenntnisse und darauf, bei einer netten Familie zu leben. Laura hatte in dieser Hinsicht einen kleinen Vorteil: Sie kam in der gleichen, wie sie sagt "besten Familie, die es gibt," unter, in der bereits drei Jahre zuvor ihre Schwester lebte.

Doch es spielt kaum eine Rolle, wie viel man zu Beginn seiner Reise über Land, Leute und Familie weiß. Alles ist neu und so wurden nicht wenige Tränen in Gedanken an Freunde und Familie in Deutschland vergossen. Zurückblickend erzählen alle von der schweren Zeit zu Beginn und besonders "hart waren Weihnachten und Geburtstag", wie sie berichten. Zwar hatten Franziska aus Groß Godems, die ihren Austausch 2007 begann und ein Jahr später Vivien aus Spornitz die Bestätigung früherer Austauschschüler, dass das Heimweh bald abklingen würde, doch kamen für Vivien noch andere Probleme dazu. "Das Verhältnis zur Gastmutter war nicht sehr gut." Und so sah sich die Schülerin gezwungen, ihre Gastfamilie innerhalb Indianas zu wechseln.

Franziskas Vertrauen in die Organisation, man würde ihr schon "die richtige und passende Familie" zuteilen, hat sich allerdings gelohnt. Noch immer muss sie lachen bei dem Gedanken an ihre Ankunft in North Dakota. Den bezeichnenden Satz ihrer Gastmutter "Wie du siehst, siehst du eine Menge nichts" hat Franziska immer noch im Ohr und hält ihn nach wie vor für treffend in Bezug auf die Landschaft. Gleich am zweiten Tag begegnete die Schülerin dem Großteil ihrer Mitmenschen in Newtown beim Volleyballtraining und stellte verwundert fest, "das sind alles Indianer". Erst später fiel ihr auf, dass sich ein Indianer-Reservoir gleich in der Nähe befindet. Ähnliche Aha-Erlebnisse traten auch bei Sophie während ihres Aufenthaltes auf. Glücklich berichtet sie von dem "wunderschönen Ereignis" gläubig geworden zu sein, was ihr Leben nachhaltig veränderte. Überdies genoss sie eine Stunde Ruhm in einem Radiointerview zusammen mit ihrer Mutter, die zu Besuch angereist war.

Nach allen Erfahrungen in einem solchen Jahr spürt man "unabhängiger" zu sein und "offener für Neues", erklärt Steffi und spricht von ihrem "besseren Bewusstsein für die Welt". Für ihren beruflichen Werdegang waren nicht nur die persönlichen Errungenschaften von Vorteil, denn Dank ihrer guten Englischkenntnisse erhielt sie eine Ausbildung zur Außenhandelskauffrau. Auch Laura hält sich nun für selbstbewusster und erzählt davon, nebenher ein wenig "amerikanisiert" worden zu sein. Nun studiert sie Englisch in Hamburg und hofft, ein Auslandssemester oder den Master in Amerika absolvieren zu können. Das Interesse der Universitäten an Austauschschülern ist obendrein nicht zu knapp. Immer noch hält Laura engen Kontakt zu ihrem "zweiten Zuhause" und wird oft von Fernweh geplagt. Sie alle haben vor, ab und an nach Amerika zurück zu kehren und hier und da fällt auch schon einmal das Wort "auswandern".

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