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Lokales

18. Dezember 2017 | 15:53 Uhr

Jugend steigt alter Kirche aufs Dach

vom

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erstellt am 24.Mai.2010 | 05:17 Uhr

Grube | Ungewohnte Geräusche am sonst so ruhigen Pfingstmontag in Grube: Arbeitseinsatz ist angesagt. Rund zehn junge Leute aus Grube und Perleberg holen die alten Steine vom Dach der Kirche. Sie tun es nicht gegen Bezahlung, sondern für die Sanierung des Gotteshauses. Ihr Einsatz spart rund 3000 Euro. Die kann die Kirchengemeinde gut gebrauchen für die Malerarbeiten im Innenbereich.

Grubes Kirchenälteste Annette Schulze freut sich riesig über den Einsatz der jungen Leute. "Trotz des Feiertages und des trüben Wetters waren sie alle pünktlich hier, haben gleich Hand angelegt. Dabei haben sie oft nur das Wochenende zu Hause, denn sie lernen und studieren außerhalb", berichtet die Gruberin.

Rund 11000 Ziegel sind vom Dach zu holen

Organisiert hat das alles Jan Schröder. Der 21-Jährige studiert in Kiel Lehramt für Geschichte und Latein. "Ich hatte im Fernsehen einen Bericht darüber gesehen, wie sich ein Dorf für seine Kirche engagiert. Da habe ich mir gedacht, warum nicht auch in Grube."

Bei der Idee blieb es nicht, sondern Jan beschäftigte sich schon bald intensiv mit dem Thema. Immerhin ist das Gruber Gotteshaus die zweitälteste Fachwerkkirche der Prignitz, stammt aus dem Jahr 1577. Doch sie ist akut einsturzgefährdet. "Das Gebälk hat sich verschoben, eine Dachhälfte hätte abstürzen können", erklärt Annette Schulze. So wurden als Notsicherungsmaßnahme zunächst Verstärkungen in den Dachstuhl eingebaut. "Gleichzeitig haben wir ein Sanierungskonzept erarbeitet, denn das gesamte Gebäude muss konstruktiv wieder hergestellt werden", macht die Kirchenälteste deutlich. Rund 180 000 Euro sind für die Arbeiten veranschlagt. Das Gros erhält die Kirchengemeinde als Fördermittel. Und zwar von der Stiftung alter Kirchen ebenso wie von der Sparkassenstiftung, aus dem Staatskirchenvertrag und aus dem Kirchenkreis Prignitz-Havelland, zählt Annette Schulze auf.

Doch auch die Gruber Kirchengemeinde muss einen Anteil dazu geben, konkret 18 000 Euro. "Dafür haben wir sehr gespart und auch Spenden eingeworben", beschreibt die Kirchenälteste.

Der Arbeitseinsatz der jungen Leute am Pfingstmontag ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur rekonstruierten Kirche. Jan Schröder hätte am liebsten auch die alten Dachsteine wieder verwandt, nicht nur wegen der so noch weiter gesparten Kosten. Er hat sogar geschätzt, wie viel es sind, nämlich rund 11 000. Doch die Dachsteine waren schon zu zerschlissen. Also müssen sie runter vom Dach.

Regen zwingt zu kurzer Pause

Jan sprach andere junge Leute im Ort an, bat auch seine Perleberger Freunde, und alle sagten zu. Und so gehen sie gestern daran, das Dach abzudecken. Der ehemalige stellvertretende Feuerwehrchef von Grube, Johann Kübeck, sorgt mit seiner Technik dafür, dass die Abrisssteine abtransportiert werden können.

Mitten im emsigen Treiben am Vormittag forderte ein Regenguss eine Zwangspause, die fleißigen Helfer flüchten sich ins Kircheninnere. Dort können sie bestaunen, was der Restaurator bereits von der früheren Bemalung freigelegt hat. Und Annette Schulze freut sich: "So viele jungen Leute in der Kirche, das ist ein richtig schöner Anblick", sagt sie und hält das im Bild fest.

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