Jubiläum für großen Güstrower Sohn

Selbstporträt des Künstlers  eckhard rosentreter
Selbstporträt des Künstlers eckhard rosentreter

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23. Oktober 2010, 01:57 Uhr

güstrow | Die promovierte Kunsthistorikerin Bärbel Kovalewski, die bereits einige Schriften zur deutschen Kunst im 18./19. Jahrhundert sowie über Künstlerinnen der Goethezeit veröffentlichte, brachte kürzlich eine Biografie über Georg Friedrich Kersting heraus, der seine Hauptwirkungsstätten in Dresden und Meißen hatte. Pünktlich zum anstehenden 225. Geburtstag des Künstlers, der mit Caspar David Friedrich eng befreundet war und die Porträtmalerei mit der Interieurmalerei des Biedermeier verknüpfte. Seit der Aufwertung der Malerei der Romantik in der breiten Öffentlichkeit und der damit verbundenen Wiederentdeckung Kerstings wurden rund 40 Ölgemälde von ihm erschlossen, die heute außer in Berlin, Güstrow, Hamburg, Kiel sowie Weimar auch in den Kunstmuseen von Karlsruhe, Mannheim, Winterthur, Chemnitz und Düsseldorf zu sehen sind. Die meisten seiner Porträts mit Interieur reflektieren trefflich auch die Privatsphäre der dargestellten Familienmitglieder sowie Freunde und dokumentieren den mehr privaten Charakter seiner Malerei.

Kersting wurde am 24. Oktober 1785 in Güstrow geboren. Er hatte zahlreiche Geschwister, war der Sohn eines unbemittelten Glasermeisters, der auch als Glasmaler wirkte, und wuchs in einem kleinen Fachwerkhaus in der Hollstraße im Güstrower Handwerkerviertel auf. Der zeichnerisch begabte Junge erhielt seinen ersten Unterricht wohl vom Vater und dann von einem Güstrower Künstler, ehe ihm vermögende Verwandte nach Absolvierung der Güstro- wer Domschule ab 1805 an der Kunstakademie in Kopenhagen ein Studium finanzierten, wo zuvor auch schon Caspar David Friedrich und Philipp Otto Runge ausgebildet worden waren. 1808 ging er im Sog Friedrichs nach Dresden. Es folgte ein längerer Aufenthalt in Rostock, wo die ersten bekannten Ölgemälde von seiner Hand entstanden, darunter eine Stadtansicht von Rostock.

Im Sommer 1810 übersiedelte Kersting endgültig nach Dresden. In der Elbestadt fand er schnell Kontakt zum Freundeskreis um Friedrich. Dazu gehörte neben Gerhard von Kügelgen und Louise Seidler, ein Goethe-Schützling aus Weimar, auch Theodor Körner, dessen antinapoleonische Freiheits-Gedanken er teilte.

Während einer gemeinsamen Wanderung durch das Riesengebirge festigte sich die Beziehung zwischen Kersting und Friedrich bis hin zur Zusammenarbeit. Der Güstrower malte die Staffage im Bild des Freundes "Kreuz im Riesengebirge", übernahm von ihm bei Weiterentwicklung seiner eigenständigen Malweise manche stilistische Anregung und schuf das Bild "Friedrich im Atelier", das ihm auf der Dresdner Akademie-Ausstellung 1811 erste Bekanntheit eintrug. Zur Einbindung der Porträtierten in ihr Interieur gesellte sich die Beschäftigung mit Beleuchtungsfragen. Das schlug sich besonders in den Bildern "Die Stickerin" und " Der elegante Leser" nieder, das der Weimarer Hof auf Betreiben des Dichterfürsten Goethe ankaufte.

Die wenigen Gemälde Kerstings stießen bei Kunstkennern auf wachsendes Interesse. So sicherte er sich mühsam seinen Unterhalt. Doch als sich der Maler an der Seite Körners 1813 freiwillig dem Lützower Freikorps zum Kampf gegen die napoleonische Fremdherrschaft anschloss, war er froh, dass ihm die Freunde Friedrich und Kügelgen die Ausrüstung bezahlten. Kersting nahm an einigen Gefechten teil, wurde wegen Tapferkeit mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet und verewigte seine gefallenen Kameraden Theodor Körner sowie Karl Friedrich Friesen in Gedächtnisbildern.

Nach der Heimkehr aus dem Krieg erhielt er auf Vermittlung von Freunden bei der Fürstin Anna Saphia in Warschau eine Anstellung als Hofmaler. Er blieb dort rund zwei Jahre, malte seine Arbeitgeberin in einem Brustbild, das heute zu einer privaten Sammlung in Karlsruhe gehört, hatte endlich materielle Sicherheit und wurde 1818 zum Malervorsteher der Königlich Sächsischen Porzellanmanufaktur in Meißen berufen. Mit dem damit verbundenen Einkommen konnte der Maler nun auch Agnes Sergel heiraten, die Tochter des Hofpostmeisters in Dresden. Sein großes Tafelservice für den Herzog von Wellington, eine Aufsehen erregende Meisterleistung, festigte seine neue Stellung. Dazu kam in Meißen die Zusammenarbeit mit Adrian Ludwig Richter. Doch neben den Manufaktur-Pflichten blieb ihm in der Folge nur noch wenig Zeit für die Dresdner Freunde mit Friedrich und seine zunehmend privatere Malerei. Aus dieser Zeit erlangten die Bilder "Haarflechterin", "Die Kinder des Künstlers" und "Kinder am Fenster" Bekanntheit.

1847, im Alter von 61 Jahren, starb Kersting in Meißen. Von seinen vier Kindern erwarb Sohn Hermann als Historienmaler eigenen künstlerischen Lorbeer. Enkel Hermann trat als Afrikaforscher hervor. Das Güstrower Stadtmuseum unterhält eine ständige Ausstellung zum Leben und Wirken Kerstings. Sonntag um 14 Uhr lädt es zu einer Sonderführung zum Thema Kersting ein.

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