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Lokales

26. September 2017 | 09:13 Uhr

Jobwechsel in der Schiffbauhalle

vom

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erstellt am 24.Jun.2010 | 07:12 Uhr

Schwerin | Neue Jobchancen für die von Arbeitslosigkeit bedrohten Werftarbeiter in Wismar und Warnemünde: Fünf Wochen vor dem Ende der beiden Transfergesellschaft beginnt der im Mai geschlossene Beschäftigungspakt langsam zu greifen. Bislang haben 110 der 1100 in den Auffanggesellschaften noch beschäftigten Werftarbeiter die vereinbarten Wechselprämien beantragt und Jobangebote neuer Arbeitgeber angenommen. IG Metall, Werfteigner Witali Jussufow und Land hatten beschlossen, Beschäftigten, die bis zum 15. Juni in ein neues Arbeitsverhältnis wechseln und den Arbeitsvertrag mit der Transfergesellschaft vorzeitig kündigen, eine einmalig Finanzhilfe von 1200 Euro zu zahlen. Werftarbeiter, die sich zu diesem Schritt bis Ende Juni entscheiden, sollen einmalig 600 Euro vom Land erhalten. "Da ist richtig Bewegung", sagte Oliver Fieber, Geschäftsführer der Transfergesellschaften. Er rechne damit, dass in den kommenden Tagen noch weitere Beschäftigte ohne Jobperspektive auf den Werften die Wechselprämien beantragen und in neue Jobs wechseln.

Ernüchterung im Dock: Nachdem Werftchef Jussufow ab 1. August zunächst lediglich nur 600 unbefristete Jobs in Wismar und 100 in Warnemünde zugesichert hatte, schwindet bei den Werftarbeitern langsam die Zurückhaltung, die Hoffnung auf gut bezahlte Werftjobs aufzugeben und stattdessen auch andere Stellen mit geringerer Bezahlung anzunehmen. Jetzt herrsche für die meisten Klarheit. Viele der einst 2400 Beschäftigten in Wismar und Warnemünde hätten auf einen Job auf den Werften gehofft, obwohl der neue Eigner von vornherein nur 1200 Arbeitern eine Chance einräumte, meinte Fieber. Die größten Bedenken der Schiffbauer: die geringeren Verdienstmöglichkeiten. Das hat sich für die Mitarbeiter in den Transfergesellschaften inzwischen relativiert. Seit April seien Zuschüsse weggefallen und das Entgelt auf das übliche Niveau auf dem Arbeitsmarkt zurückgegangen, sagte Fieber.

Dabei sind die Jobchancen gar nicht so schlecht. Auf dem Arbeitsmarkt sei eine Belebung spürbar, erklärte Fieber. Es gebe für "einen Teil der betroffenen Werftarbeiter eine Perspektive", meinte auch Helmut Westkamp, Chef der Arbeitsagentur Schwerin. Das setze allerdings Mobilität und die Bereitschaft voraus, sich neuen beruflichen Herausforderungen zu stellen und auf ein geringeres Gehaltsniveau einzustellen. Inzwischen seien mehrere Arbeitsmarktbörsen in Vorbereitung. Am Werftstandort Wismar hätten sich für Anfang Juli bereits 14 Arbeitgeber aus MV, anderen Bundesländern und Holland mit 150 Jobangeboten angemeldet. Ende Juli wollten 20 Zeitarbeitsfirmen Stellenangebote unterbreiten.

Trotzdem: Einem Teil der Werftarbeiter wird nur der Gang zur Arbeitsagentur bleiben. Dort richtet man sich indes auf einen Massensturm in Wismar und Warnemünde ein. Allein in Wismar rechnet die Arbeitsagentur mit mehr als 400 Werftarbeitern, die sich arbeitslos melden werden. Mehrere Hundert werden auch in Rostock erwartet. Die Arbeitsverwaltungen haben inzwischen Vorkehrungen getroffen: Die Daten der Beschäftigten seien erhoben und Gespräche mit den Mitarbeitern geführt worden, sagte Westkamp. Ab August würden für die betroffenen Werftarbeiter Bewerbercenter eingerichtet. Darüberhinaus sollen Vermittlungsteams bei der Jobsuche helfen.

Indes sieht Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) 2010 als ein "Schicksalsjahr" für die Schiffbau-Industrie in der EU. "Es geht um die industriepolitische Frage, ob in Europa auch in Zukunft Schiffe gebaut werden", erklärte er gestern anlässlich einer Fachkonferenz des EU-Parlaments in Brüssel. Wenn sich nationale Regierungen, Branchenvertreter und EU-Institutionen nicht zu einer gemeinsamen Strategie entschlössen, drohe Europa gegenüber der ostasiatischen Konkurrenz an Boden zu verlieren.

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