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Lokales

23. August 2017 | 16:06 Uhr

Jetzt wird jeder Halm geerntet

vom

Sternberg | "Auf unserer 1 000 Hektar großen Grünlandfläche fiel in diesem Hitzesommer der dritte Schnitt komplett aus. Bei dieser Trockenheit wächst einfach nichts nach", resigniert Stefan Eickhoff, Leiter Pflanzenproduktion im Wamckower Güterverbund. Seit sechs Wochen habe es keinen nennenswerten Niederschlag gegeben, von ein paar kurzen Gewitterregen mal abgesehen. "Ich mache mir große Sorgen um die Tiere", so sein Fazit, insbesondere wenn er an die Ertragserwartungen beim Mais denkt. "Ich glaube, wir können schon froh sein, wenn wir bei Mais maximal 50 Prozent des Durchschnittsertrages der letzten Jahre ernten", sagt er. Auf einigen Feldern muss er wohl einen Totalausfall registrieren. Das gehe ins Geld, denn die Anbaukosten bleiben ja gleich, auch wenn wenig oder nichts geerntet wird. Zudem müssen die Landwirte bei der Fütterung umsteigen, von Mais auf Gras oder Silage.

Zukauf von Getreide wird sehr teuer

Um die Energiebilanz für die Tiere auszugleichen, muss mehr Getreide, das teuer zugekauft werden muss, zugefüttert werden, berichtet er, insbesondere im kommenden Herbst und Winter. "Das ist bei uns ein Novum. Denn eigentlich sind wir sonst Eigenversorger und produzieren das Futter für unserer 1200 Kühe und 500 Mutterkühe selbst. Im Frühjahr sah alles noch sehr gut aus. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Es ist und wird ein extrem hartes Jahr für uns", so sein Fazit.

Ralf Toparkus, Produktionsleiter und stellvertretender Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Gustävel, ist froh, dass sein Betrieb noch Niedermoor standorte hat, auf denen das Vieh noch genügend Grün findet. "Grundwasserferne Böden dagegen sind total ausgemergelt und ausgebrannt", konstatiert der Landwirt bitter. Selbst der derzeitige Regen bringt nur eine kurze Entspannung. 520 Mutterkühe, die dazugehörenden Kälbchen und 25 Zuchtbullen hat das Gustäveler Unternehmen. Zwei Drittel der Kälbchen werden verkauft. So früh wie möglich, denn dies spart Futter. Auch Ralf Toparkus graust es mit dem Blick auf die Maisfelder. "Zwei Drittel geht verloren", so seine düstere Prognose. Jetzt gehe es darum, alles zu bergen, was heranwächst. "Wir ernten jeden Halm", überspitzt er, angesichts der notwendigen teuren Zufütterungen, die unterm Strich das Betriebsergebnis spürbar belasten werden.

Für Landwirt Berthold Löbel aus Mustin bedeutet die Trockenheit auf seinem Gründland vor allen Dingen viel Arbeit. Denn die spärlichen Grashälmchen sind von den Rindern schnell abgefressen und dann müssen sie mehrmals täglich auf eine andere Weide getrieben werden, erläutert er.

Einbußen von 40 Prozent erwartet

Auch ihm ist angesichts seiner traurigen Maisfelder, die der Landwirt auf 93 Hektar hat, klar: Das Zufüttern von Heu und Stroh ist dringend notwendig. Und das schmälert wiederum ihm die Vorräte für den kommenden Winter. Berthold Löbel überlegt zudem, seine Kälbchen - er besitzt 400 Mutterkühe - schnell abzusetzen und zu verkaufen. Das entlaste die Muttertiere und spare Futter. Unterm Strich ist ihm klar: 2009 ist ein Jahr weit unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre. Allein beim Mais rechnet er mit Einbußen von rund 40 Prozent.

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erstellt am 04.Aug.2010 | 05:51 Uhr

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