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Lokales

11. Dezember 2017 | 04:52 Uhr

"Jesus, ich habe falsche Schuhe an"

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erstellt am 02.Sep.2010 | 07:49 Uhr

Rostock | Breitschultrige, schwarzgekleidete Sicherheitsmänner und ein kleines Aufgebot von Polizisten begleiteten gestern das Training vom FC Hansa Rostock. Denn der Drittligist bekam hohen Besuch. Philip Dunton Murphy, Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika, gab sich die Ehre und wurde sowohl vom Hansa-Aufsichtsratsvorsitzenden Hans-Ulrich Gienke als auch vom vierköpfigen Vorstand mit offenen Armen empfangen. "Es ist eine große Ehre für mich", begrüßte Murphy seine Gastgeber auf Deutsch aber mit sympathisch amerikanischem Akzent. Als er Manager Stefan Beinlich die Hände schüttelte, fügte er sogar noch hinzu: "Ich bin ein großer Fan."

Nachdem die Förmlichkeiten ausgetauscht waren, die Mannschaft in der Kabine flüchtig kennengelernt und das Stadion besichtigt wurde, stand Training auf dem Programm. Nicht nur für die Profikicker. Auch der US-Botschafter streifte sich sein Gastgeschenk - ein eigenes Hansa-Trikot mit der Nummer 1 - über den schicken Zwirn. Fußballschuhe wollte sich der 53-Jährige aber nicht anziehen. "Ich habe Schmerzen im Knie und will morgen zusammen mit meiner Frau noch 20 Meilen laufen", erklärte er und wies darauf hin, dass sein Ziel - der Berlin-Marathon am 26. September - ja immer näher rücke.

Linksfuß Murphy schießt knapp am Tor vorbei

Von Trainer Peter Vollmann und vom Vorstandsvorsitzenden Bernd Hofmann ließ sich der Fußballfan dann aber doch überreden, zumindest im Elfmeterschießen gegen Torwart Jörg Hahnel anzutreten. "Jesus, ich habe falsche Schuhe an", schickte Linksfuß Murphy nochmal ein Stoßgebet gen Himmel, nahm Anlauf und schoss gekonnt nur Zentimeter über die Latte drüber. Vollmann und Hofmann zeigten sodann, wie es richtig geht.

"Ich bin sehr beeindruckt von Rostock und von Hansa. Das ist mein erster Besuch. Der Verein hat eine besondere Tradition, ein tolles Stadion, eine super Mannschaft und einen guten Vorstand - alles ist perfekt", sagte Murphy zum Abschied und wollte sich wegen der örtlichen Nähe zu Berlin sogar überlegen, beim nächsten Auswärtsspiel gegen Babelsberg zuzuschauen.

Dass der Botschafter eine Leidenschaft fürs runde Leder hat, wusste er auch schon am Vormittag zu berichten, als Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) und Bürgerschaftspräsidentin Karina Jens (CDU) ihn im Rathaus willkommen hießen. Dort trug er sich in das Gästebuch der Hansestadt ein. "In North Carolina gibt es eine Gemeinschaft mit 12 000 Fußballspielern", erklärte der Amerikaner. Dort gehöre die Ballsportart zur Nummer eins der körperlichen Ertüchtigungen. Murphy war aus diesem Grund im Vorstand des nationalen Fußballverbandes und hat sich um eine Konzession des professionellen Frauenfußballs bemüht. "Heute gibt es in New Jersey eine Frauenmannschaft", sagt er. Dass die deutschen Damen derzeit den Weltmeistertitel haben, wollte Murphy von Methling jedoch nur ungern hören. "Ich freue mich schon auf das nächste Jahr", sagte der Diplomat. Dann zeigen die amerikanischen Frauen, dass sie sich mit den Deutschen messen können, hofft der 53-Jährige.

Doch auch für Bildung, Menschenrechte und Ökonomie engagiert sich Philip Murphy. "Ich finde Rostock wirklich toll. Hier gibt es Technologie, Wirtschaft und vor allem viele Studenten", sagte er. Selbst hat Murphy an der Harvard University seinen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften gemacht. Darüber hinaus ist der Botschafter beeindruckt von der Entwicklung der Hansestadt in den vergangenen Jahren: "Es gibt immer mehr Möglichkeiten auf eine Arbeitsstelle." Grund dafür sei die Ansiedlung großer Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe. Gerade im Offshore-Bereich sieht er eine Chance. Die Entwicklung regenerativer Energien beschäftigen nicht nur Rostock sondern auch die USA. "Im vergangenen Jahr hat die US-Regierung 80 Milliarden Dollar in die Erzeugung regenerativer Energien investiert", sagt Murphy. Das Thema Windkraft war im übrigen auch der Grund, warum sich der Botschafter überhaupt in der Hansestadt aufhielt. Er war nämlich einer der Teilnehmer des 2. Offshore Gipfels, der noch bis morgen tagt.

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