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Nach Schlecker-Pleite in MV : Jeder vierte Ex-Mitarbeiter hat wieder Arbeit

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Schwerer Weg aus der Schlecker-Pleite: Drei Monate nach dem Aus der Drogeriemarktkette Schlecker haben in MV insgesamt knapp 155 von 725 ehemaligen Mitarbeitern wieder einen Job.

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erstellt am 04.Okt.2012 | 07:33 Uhr

Schweri/Kiel | Drei Monate nach dem Aus der Drogeriemarktkette Schlecker hat in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt knapp ein Viertel der ehemaligen Mitarbeiter wieder einen Job. Wie der Sprecher der Regionaldirektion Nord der Bundesarbeitsagentur in Kiel, Horst Schmitt, sagte, hätten inzwischen 155 von insgesamt 725 ehemaligen Schlecker-Beschäftigten eine neue Stelle angetreten. 80 frühere Schlecker-Angestellte hätten sich entschieden, in Rente zu gehen, seien krank oder wollten nicht mehr arbeiten. 490 Betroffene seien noch bei der Arbeitsagentur gemeldet.

"Die Situation ist regional unterschiedlich. In größeren Städten gibt es deutlich mehr Alternativen als im ländlichen Raum", erklärte Schmitt. So meldete die Arbeitsagentur Neubrandenburg, die für den Südosten Mecklenburg-Vorpommerns zuständig ist, knapp ein Drittel der ehemaligen Schlecker-Beschäftigten sei in neuen Jobs. "Natürlich wäre es mir lieber, alle der ehemaligen Schlecker-Mitarbeiterinnen wären heute wieder in Arbeit. Das ist aber nicht realistisch", sagte die Geschäftsführerin der Neubrandenburger Arbeitsagentur, Kornelia Gruel.

Beim Aus der Drogeriemarktkette hatten bundesweit 25 000 Angestellte ihre Arbeit verloren. Die ehemaligen Schlecker-Beschäftigten gelten laut Schmitt nicht nur als besonders motiviert und engagiert, sie hätten auch eine breite Qualifikation: Von Kassentätigkeiten über die Kommissionierung bis hin zur Warenverwaltung. Allerdings seien die vergleichsweise hohen Schlecker-Gehälter bei neuen Arbeitgebern nicht immer zu erzielen. Mögliche Einstellungshemmnisse seien die Mobilität und die Arbeitszeiten. Auch der Vorschlag von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, dass ehemalige Schlecker-Angestellte die Fachkräftelücke in Pflegeheimen und Kitas füllen könnten, hat sich bisher als Trugschluss erwiesen. Kaum eine der betroffenen Frauen hat sich bislang für diesen Weg entschieden. Bis Ende September hätten bundesweit lediglich 81 frühere Beschäftigte der Drogeriemarktkette überhaupt eine Aus- oder Fortbildung absolviert. Nur ein Bruchteil davon wiederum lasse sich derzeit zur Erzieherin oder Altenpflegerin umschulen, teilte ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit (BA) mit. Nach Angaben der BA erschweren derzeit vor allem gesetzgeberische Hürden den Ausbildungsstart. Die Fachschulausbildungen zur Erzieherin und zur Altenpflegerin dauerten drei Jahre. "Nach dem Sozialgesetzbuch III dürfen Arbeitsagenturen aber nur maximal zweijährige Ausbildungen fördern", erläuterte ein BA-Sprecher. Ausbildungswillige ehemalige Schlecker-Beschäftigte müssten also das dritte Jahr ihrer Ausbildung aus der eigenen Tasche bezahlen.

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