Jeder kann fürs Mittagessen zahlen

Im Kinderrestaurant gibts für alle 163 Lütten Meckelbörger mittags  eine warme Mahlzeit vom professionellen Essensanbieter.kawi
Im Kinderrestaurant gibts für alle 163 Lütten Meckelbörger mittags eine warme Mahlzeit vom professionellen Essensanbieter.kawi

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23. August 2010, 09:33 Uhr

Muesser Holz | Während die Politiker schier endlos über ein kostenloses warmes Grundschul- oder Kita-Essen diskutieren, zeigt die Kita Lütte Meckelbörger des Internationalen Bundes, dass es auch anders geht. Ihr Ansatz: Einen Beitrag zum gesunden Mittagessen können auch Eltern aus sozial schwachen Familien leisten. In enger Zusammenarbeit zwischen Erzieherinnen, Eltern, Familienhelfern und Essensanbietern haben sie das geschafft. Mit Hilfe von Fördergeldern zahlen diese Eltern pro Mittagsmahlzeit nur einen Euro. Und alle Familien machen mit.

Als Corina Schmedemann vor fünf Jahren die Leitung der Kita Lütte Meckelbörger übernahm, hatte rund ein Drittel der Eltern ihre Kinder nicht zum warmen Mittagessen angemeldet. "Die Kleinen hatten zum Teil Brote dabei, andere brachten Fertigessen für die Mikrowelle mit", erinnert sich die Kita-Leiterin. Rund ein Jahr hat es gedauert, bis alle Kinder am warmen Mittagessen in der Einrichtung teilnahmen. "Wir haben viele Einzelgespräche geführt, Elternabende veranstaltet und ausführlich mit unserem Essenlieferanten, der Firma Dussmann, verhandelt, um die passenden Lösungen für jedes Problem zu finden", sagt Schmedemann. Familien, die sich bislang das Mittagessen nicht leisteten, wurden bei der Antragstellung für mögliche Essens-Zuschüsse unterstützt. Statt 2,50 Euro für die warme Mahlzeit einschließlich Obst und Getränken für den ganzen Tag zahlen sie jetzt nur einen Euro, den Rest schießt das Land dazu. Wer das Essensgeld nicht in einem Stück bezahlen kann, dem wird Ratenzahlung ermöglicht. Für moslemische Kinder gibt es Angebote ohne Schweinefleisch, auch Allergiker bekommen auf sie zugeschnittene Speisen.

"Wir wollen die Eltern nicht bevormunden, sondern individuelle Lösungen finden, die die Betroffenen selbst überzeugen", betont Schmedemann. Mit dem Vertragsabschluss der Familien beim Essensanbieter ist für Corina Schmedemann und ihr Team die Arbeit aber nicht beendet. "Wir bleiben in engem Kontakt, denn oftmals tritt eine Notsituation ein, die wir gar nicht sehen." Beispiel: Eine Mutter holt ihr Kind regelmäßig vor dem Mittagessen ab, was an sich noch keinerlei Verdacht erregt. Wenn Corina Schmedemann allerdings erfährt, dass die Familie schon seit Wochen mit den Essensbeiträgen im Rückstand ist, gibt es ein Elterngespräch, in dem die Kita-Leiterin ihre Hilfe anbietet. "Einigen Eltern muss ich aber auch ein schlechtes Gewissen machen, wenn sie mir beispielsweise erzählen, dass sie das Kindergeld benutzen, um ihr Auto vollzutanken", sagt sie. "Die Kinder haben ein Recht auf diesen Betrag dass damit z.B. ihr Mittagessen bezahlt wird."

Mit ihrer sanften, aber bestimmten Art hat Corina Schmedemann auch alle Eltern, deren Kinder jetzt von der aufgelösten Kita Knirpsenstadt zu den Lütten Meckelbörger gewechselt sind, davon überzeugt, ein Mittagessen in der neuen Einrichtung zu buchen und ihren finanziellen Anteil zu leisten. 13 Krippenkinder, 24 Kindergartenkinder und elf Hortkinder aus der Kantstraße sind seit 1. August neu bei den Lütten Meckelbörgern.

"Eines der obersten Ziele des Internationalen Bundes ist es, Menschen zu befähigen, Verantwortung für sich selbst und die Gesellschaft zu übernehmen. Dazu gehört auch die Verantwortung für das Essen ihrer Kinder. Wir nehmen dieses Ziel sehr ernst, aber es kostet viel Arbeit", so IB-Geschäftsführer Dr. Ludwig Anders.

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