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Lokales

24. Oktober 2017 | 06:14 Uhr

Jede Minute für ein rotes Motorrad

vom

svz.de von
erstellt am 19.Sep.2010 | 05:42 Uhr

Bernitt | Der Motor knattert. Der Wind weht durch die Haare. Die Landschaft zieht vorbei. Wenn Holger und Gudrun Schwarz auf ihrer Zündapp KS 600, Baujahr 1940, unterwegs sind, ist die Welt für sie in Ordnung. "Es war schon immer mein Traum, dieses Motorrad zu haben", sagt Holger Schwarz. "Es ist immer wieder ein Erlebnis. Der Fahrtwind ist da und man nimmt die Natur ganz anders auf", schwärmt Gudrun Schwarz. 22 000 Stück wurden einmal produziert. Seit zehn Jahren ist eine der Maschinen im Besitz der Schwarz

Schon als kleines Kind interessierte sich Holger Schwarz für "alles, was alt und kaputt war. Ich habe alte Wecker und Radios repariert, bis sie wieder liefen." In der Jugend kam das Interesse für alte Motoren. "Ich habe schon nach der Wende danach geguckt, aber nie etwas bekommen", sagt der Neu Bernitter. Im Jahr 2000 erzählte ihm ein Freund von einem Angebot. "Wir fuhren in die Nähe von Osnabrück und wollten die Maschine abholen", erinnert sich Holger Schwarz. Das Motorrad bestand aus einem Gestell und zwei Reifen. "Sogar der Motor fehlte." Samt Motorrad, einigen Ersatzteilen und Werkzeug ging es nach Hause. "Nach der Fahrgestellnummer ist die Zündapp eine Wehrmachtsmaschine gewesen. Das Besondere an ihr war, dass man noch Kriegsspuren sah. Das Vorderrad war gerissen und im Tank war auch ein langer Riss", erzählt der Bernitter. In 2000 Stunden Arbeit reparierte und restaurierte der Tischler seine Traummaschine. Jede freie Minute opferte er dafür. Manchmal schlief er sogar in der Werkstatt ein. "Es sah damals lange nicht so aus wie heute. Aber ich hatte den Wunsch, ein schickes, rotes Motorrad zu haben." Ehefrau Gudrun hatte zeitweise kein Verständnis dafür. "Manchmal dachte ich schon Dieses olle Ding. Aber das hat sich mittlerweile auch geändert", gibt die 46-Jährige zu. Durch das Organisieren von Ersatzteilen habe das Ehepaar in den letzten Jahren Freundschaften geschlossen. "In Anzeigen findet man ein Teil, das man braucht, und tauscht sich mit anderen Motorrad-Liebhabern aus", sagt Holger Schwarz.

2003 unternahm der 45-Jährige die erste Testfahrt auf einer Wiese. "Wenn ich das Motorrad fahre, schlägt mein Herz schneller. Damals wie heute bin ich aufgeregt, wenn ich den Motor höre." Seit 2004 ist die Zündapp zugelassen. Seitdem hat das Motorrad schon 10 000 Kilometer runter. Seine Frau Gudrun oder die Söhne Christian und Daniel fahren im Beiwagen mit. Bei jeder Fahrt erregt die alte Maschine Aufsehen. "Mit diesem Motorrad ist man nie allein", sagt er lachend. Ins Gespräch kämen sie immer mit anderen. In der Region aber auch im Schwarzwald, in Österreich oder Italien tat das Gefährt seinen Dienst.

In diesem Sommer ging es mit dem Autozug von Berlin nach Verona. Interessierte Blicke habe es immer gegeben. Für den Urlaub musste sparsam gepackt werden. "Neben der Kleidung mussten auch Ersatzteile und Werkzeug eingepackt werden." Schon am zweiten Tag des Urlaubs sprang die Maschine nicht mehr an. "Aber wir waren ja ausgerüstet. Ich habe dann die Batterie ausgewechselt und es konnte weiter gehen." 500 Kilometer legte die Zündapp am Gardasee zurück. "Der Ausblick war einmalig", erinnert sich Gudrun Schwarz. Bei der Ankunft in Hamburg sah ein alter Mann die 70 Jahre alte Zündapp und sagte "Dass ich so was noch mal sehen darf." Holger Schwarz weiß: "Dieses Motorrad ist eine Legende."

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