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Güstrow: Karin Reichenbach durch Nervenkrieg mit Nachbarn zermürbt : Jahrelanger Streit: "Hansabad" schließt

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In der Traditionsgaststätte "Hansabad" gehen die Lichter aus. Am 21. Mai richtet Inhaberin Karin Reichenbach die letzte Feier aus. Dann ist dort nach 19 Jahren für die Güstrowerin Schluss. Die 54-Jährige gibt auf.

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erstellt am 13.Apr.2011 | 10:03 Uhr

Güstrow | In der Güstrower Traditionsgaststätte "Hansabad" gehen die Lichter aus. Am 21. Mai richtet Inhaberin Karin Reichenbach die letzte Feier, einen 60. Geburtstag, aus. Dann ist dort nach 19 Jahren für die Güstrowerin Schluss. Die 54-Jährige gibt auf, weil sie einen seit elf Jahren schwelenden Nachbarschaftsstreit nicht mehr verkraftet. Der begann, als Sven Domann mit Familie im Nachbarhaus einzog.

"Das war ein Nervenkrieg. Sonst hätte ich das Geschäft nicht aufgegeben", sagt Karin Reichenbach. Unzählige Anzeigen, Gerichtstermine und Kontrollen durch die Behörden hätten sie zermürbt. Sogar ihre Ehe sei daran zerbrochen, schildert sie die Situation. Hintergrund sei gewesen, dass die Familie Domann, besonders Sven Domann, gegen die Gaststätte immer wieder kompromisslos zu Felde zog, weil sie sich vom Lärm und dem Gaststättenbetrieb belästigt fühlte. Die Konfrontation wirkte nach, Gäste blieben aus, die Umsätze brachen ein. Vor zwei Jahren stand das "Hansabad" vor der Insolvenz. Karin Reichenbach bat die Industrie- und Handelskammer um Hilfe. Ein Unternehmensberater riet ihr aber letztlich, auch im Zusammenhang mit dem Streit, die Reißleine zu ziehen.

Sven Domann: abschließende juristische Aufarbeitung steht aus

Das Ergebnis: Eine der ältesten Gaststätten in Güstrow - sie existiert seit 1874 - gibt es nicht mehr. Mit ihrem Lebenspartner und ihrer Tochter, die auch Firmen haben, hat Güstrow künftig drei Unternehmen und fünf Azubi-Plätze weniger, weil Karin Reichenbach sich in Waren/Müritz eine neue berufliche Zukunft als Podologin aufbaut. "Ich möchte noch etwas Freude am Leben haben", sagt sie. Leid tue es ihr allerdings sehr, denn sie sei 38 Jahre mit Leibe und Seele Gastwirtin gewesen. Mit dem "Hansabad" startete sie 1992 noch einmal neu durch, investierte z.B. 1,4 Millionen Mark.

Mit dem Aus des "Hansabades" müssen sich 14 Vereine, die sich dort immer trafen, eine neue Bleibe suchen. Darunter auch die Modellbahnbauer, die Sonntag zum letzten Mal ins "Hansabad" zu ihrer Tauschbörse einladen können. Haus und Grundstück hat Karin Reichenbach bereits verkauft, ein Kommunikationsunternehmen wird einziehen.

Sven Domann sagt: "Eine abschließende juristische Aufarbeitung der nächtlichen Ruhestörungen durch die Gaststätte ,Hansabad und das Verhalten der Behörden steht noch aus." Einer polarisierenden Trennung in Opfer und Täter in dem Konflikt steht er kritisch gegenüber. "Beide Parteien hätten ihre Chancen zur Aufarbeitung besser nutzen können, ohne dass diese Eskalation notwendig gewesen wäre. Frau Reichenbach lehnte während einer Mediation alle Kompromisse für einen Interessenausgleich beider Nutzer des Innenhofes Hansenstraße 4 und 5 ab", erklärt Domann.

Landkreissprecherin Petra Zühlsdorf-Böhm bestätigt auch: "Es gibt drei offene Klageverfahren gegen den Landkreis. Die Lärmschutzmessungen durch das Umweltamt sind von Herrn Domann bezweifelt worden, weil nichts beanstandet werden konnte. Auch baurechtlich war alles in Ordnung." Der Landkreis gehe davon aus, dass die Klagen abgewiesen werden. Es fehle nur noch die schriftliche Begründung, so Zühlsdorf-Böhm.

Zur Erinnerung: Sven Domann hatte vor acht Jahren auch gegen den damaligen Bürgermeisterkandidaten Arne Schuldt, der in der Hansenstraße wohnt, opponiert. Sein Vorwurf damals: Schuldt hätte als zuständiger Dezernent beim Landkreis die Zustände geduldet.

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